Frauen in der Politik: Landtagsmitglied Monika Düker (v. l.), Kommunalpolitikerin Elisabeth Klennert, Moderatorin Katharina von Ruschkowski und das ehemalige Kreistagsmitglied Mechthild Cramme. - © Burkhard Battran
Frauen in der Politik: Landtagsmitglied Monika Düker (v. l.), Kommunalpolitikerin Elisabeth Klennert, Moderatorin Katharina von Ruschkowski und das ehemalige Kreistagsmitglied Mechthild Cramme. | © Burkhard Battran

Höxter Männerbündnisse bestimmen die Politik

Frauenaktionswoche: Politikerinnen aus Landes-, Kreis- und Kommunalpolitik berichten vor 60 Zuhörern von ihren Erfahrungen

Burkhard Battran

Höxter. Mit Angela Merkel als Deutschlands erster Bundeskanzlerin hat ein neuer Politikstil Einzug gehalten. Die Debatten seien sachlicher geworden. Die Kraft des Argumentes habe gewonnen. Das ist die übereinstimmende Meinung von Politikerinnen aus Sozialdemokratie, Grünen und Union. Weiblicher sei der Politikbetrieb aber nicht unbedingt geworden. Veranstaltet vom Landfrauenverband im Kreis Höxter haben am Dienstagabend die aus Albaxen stammende Düsseldorfer Landespolitikerin Monika Düker (54, Grünen-Fraktionsvorsitzende im Landtag), Mechthild Cramme (65, langjähriges SPD-Kreistagsmitglied aus Warburg) und die Steinheimer Kommunalpolitikerin Elisabeth Klennert (52, CDU) über ihre Erfahrungen als politisch aktive Frauen berichtet. Rund 60 Zuhörerinnen und auch einige Zuhörer haben in der recht gut besuchten Volkshochschulaula zugehört und mitdiskutiert. "Ich freue mich über die tolle Resonanz auf den heutigen Abend, denn es sind immer noch viel zu wenig Frauen, die in der Politik tätig sind", begrüßte die Landfrauenvorsitzende Gabriele Beckmann aus Eversen das Publikum. 100 Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts seien Frauen in der Politik zwar nichts Besonderes mehr, aber schwerer als Männer hätten es Frauen noch immer, betonten die Referentinnen. Kreistagspolitikerin Mechthild Cramme, Urgestein der SPD-Frauen, hat das noch richtig hautnah miterlebt. "Ich war damals vor 25 Jahren die erste Frau als stellvertretende Landrätin und ich kann mich erinnern, wenn ich in offizieller Funktion zu einem Termin gekommen bin und die Männer dort im Kreis standen und mir demonstrativ den Rücken zugekehrt haben", erzählte Cramme. Einschüchtern lassen hat sie sich dadurch nicht. "Im Gegenteil, ich habe jeden Termin wahrgenommen, den ich bekommen konnte, und die Männer gezwungen, sich mit mir auseinanderzusetzen", sagte Cramme. "Als Frau in der Politik braucht man einen langen Atem und ein dickes Fell und man darf sich nicht davor fürchten, auch mal zu scheitern", sagte Landespolitikerin Monika Düker. Was es heißt, zu scheitern hat unlängst die Steinheimer Unionspolitikerin Elisabeth Klennert erlebt. Die hauptberufliche Pflegeeinrichtungsleiterin war in einer Kampfkandidatur gegen den Kreisverbandsfavoriten zur Aufstellung zur Landtagswahl angetreten und hatte die interne Abstimmung verloren. "Es genügt nicht, als Frau die Frauen in der Partei hinter sich zu haben, sondern es braucht eine stärkere Seilschaft", resümierte die Steinheimerin. Was der Politik fehle, seien insbesondere jüngere Frauen. "Gerade Frauen, die sich in der Familienzeit befinden, würden den Parlamenten guttun, denn die wissen am besten, wo die gesellschaftlichen Baustellen sind", sagte Düker. "Was kann getan werden, damit die Parlamente zu einem echten Spiegel der Gesellschaft werden?", fragte Landfrauen-Moderatorin Katharina von Ruschkowski. In jedem Fall müssten auch die Männer daran mitwirken, forderten die Referentinnen. "Das fängt schon damit an, dass Sitzungen nicht immer dann stattfinden, wenn Kinder zu Bett gebracht werden müssen. Ich musste erst Ausschussvorsitzende werden, um das zu ändern", sagte die Steinheimer Kommunalpolitikerin Elisabeth Klennert.

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