Wie geht?s weiter? Grundschüler beim Rechnen. Über ihre weiterführende Schule entscheidet derzeit der Elternwille. - © Foto: Marcel Kusch/dpa
Wie geht?s weiter? Grundschüler beim Rechnen. Über ihre weiterführende Schule entscheidet derzeit der Elternwille. | © Foto: Marcel Kusch/dpa

Kreis Höxter Diskussion um eine Rückkehr zur verbindlichen Grundschulempfehlung

In Höxter gibt es unterschiedliche Meinungen, ob Elternwille oder verbindliche Empfehlung richtig sind

Simone Flörke

Höxter. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat eine Rückkehr zur verbindlichen Grundschulempfehlung für Viertklässler beim Wechsel auf weiterführende Schulen ins Gespräch gebracht. Bei vielen Eltern wird bereits heiß diskutiert. Wie sehen das Verantwortliche im Kreis Höxter? Die NW Höxter hat bei Grundschulen und weiterführenden Schulen sowie Schulaufsicht und Schulberatung nachgefragt. DAS SAGEN GRUNDSCHULEN Und sie ist bei Grundschulen auf ablehnende Haltung gegenüber einer erneuten Veränderung gestoßen: Es solle so bleiben, wie es ist. Es gebe "relativ wenige" Fälle, wo Empfehlung und Elternwille völlig konträr zueinander ständen. Man könne Empfehlungen aus dem Unterricht geben, aber die Freiheit einer Entscheidung über die Schullaufbahn selbst solle bei den Eltern bleiben. Sie auf Lehrer oder Grundschulen abzuwälzen, sei nicht der richtige Weg, so der Tenor. DAS SAGEN WEITERFÜHRENDE SCHULEN Für die richtige Dosierung zwischen Elternwille und Verbindlichkeit plädiert der Leiter des König-Wilhelm-Gymnasiums Höxter, Georg Wieners. Er hat Verständnis dafür, das Eltern ihrem Kind den höchstmöglichen Schulabschluss ermöglichen wollen. Doch manchmal fehle die Distanz für eine solche Entscheidung. Deshalb solle man dem Urteil des Grundschullehrers Vertrauens schenken. Zu Beginn seiner Arbeit habe man mal eine nicht repräsentative schulinterne Auswertung nach Anmeldungen gemacht, welche Entwicklung Kinder ohne gymnasiale Empfehlung am Gymnasium machen: Es seien innerhalb der ersten zwei Jahre 80 Prozent von ihnen zu einer anderen Schulform gewechselt. "Nur 20 Prozent haben den Weg geschafft." Einem Vater habe er in einem Gespräch wärmstens ans Herz gelegt, die Tochter, die die ersten Klassenarbeiten mit Note sechs geschrieben habe, die Schule wechseln zu lassen. Antwort des Vaters: "Wir wollen es noch mal probieren." Das Kind als "Testgelände", "das kann?s nicht sein", so Wieners. 99,9 Prozent von Grundschul-Schulempfehlungen würden passen, sagt Klaus Leweke, der mit der Sekundarschule in Höxter dieses durchlässige Schulsystem vom längeren gemeinsamen Lernen repräsentiert. Die Frage sei: Was machten Eltern aus einer Verpflichtung? Was, wenn Eltern klagten? Was, wenn Probeunterricht anderes ergebe? Er fragt auch: "Elternwille ist schön und gut - aber reicht der für einen guten Schulabschluss der Kinder?" Es gebe andere Modelle, über die es durchaus mal nachzudenken lohne, statt Neuneinhalbjährige mit Blick auf ihren künftigen Schulabschluss zu sortieren. DAS SAGT DIE SCHULBERATERIN Noch sei nichts entschieden, weshalb man die Diskussion auf Landesebene zunächst weiter beobachte: Ein "Sortieren" in Schulformen nach der vierten Klasse ist auch nach Ansicht von Carolin Becker (Regionale Schulberatungsstelle für den Kreis Höxter) zu früh. Sie plädiert für ein längeres gemeinsames Unterrichten und eine individuelle Förderung je nach Begabung der Mädchen und Jungen. "Einige Kinder sind in dem Alter noch nicht so belastbar und diszipliniert. Ihnen steht noch nicht der Sinn nach ständigem Lernen. Manche benötigen noch etwas Zeit." Der Weg zu einem guten Abschluss sei bei dem durchlässigen Schulsystem schließlich nicht verbaut. Realschulen oder Sekundarschulen ermöglichen hier alle Chancen. Es gebe viele Möglichkeiten zum Abitur, betont die Schulberaterin. Grundsätzlich sei ein Aufstieg fürs Kind immer besser als ein Abstieg. DAS SAGT DIE SCHULAUFSICHT Mit der Argumentation, dass Eltern die Arbeitsstelle kündigen könnten, wenn ihre Leistungen am Arbeitsplatz nicht richtig gespiegelt würden, ihre Kinder aber nicht, sei er auf viel Verständnis gestoßen, erinnert sich Hubert Gockeln (Schulaufsicht Grundschulen Kreis Höxter) an seine Praxiszeit als Lehrer und Schulleiter. Schulerfolg sei mehr als eine Note, Lernerfolg mit Fleiß und Anstrengung oder mit kognitiven Fähigkeiten und Auffassungsgabe zu begründen. Gute Lehrkräfte würden sich mit Begeisterungsfähigkeit, Empathie und didaktischem Vermögen auszeichnen. "Die Stärke unserer Grundschulen im Kreis Höxter sind die vielen Frauen: Es sind meist Lehrerinnen. Und sie adoptieren die Kinder im Geiste, damit diese sich aufgehoben fühlen." Eine Bewertung von dieser Seite sei daher nicht leichtfertig und zeuge von hoher Verantwortung.

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