Zuhause: Ingeborg Gockeln liebt ihren Biogarten mit Hochbeeten am Grünenberg und ihr schönes Schwedenhaus. - © Foto: Simone Flörke
Zuhause: Ingeborg Gockeln liebt ihren Biogarten mit Hochbeeten am Grünenberg und ihr schönes Schwedenhaus. | © Foto: Simone Flörke

Ottbergen Ingeborg Gockeln: Kämpferin mit Leidenschaft

Ingeborg Angela Gockeln wird Ende des Monats nach 34 Jahren im Ehrenamt beim Angehörigenbeirat der Werkstätten Am Grünenberg verabschiedet

Ottbergen. Sie bezeichnet sich selbst als "eine Kämpferin" und als "die Rebellin in der Familie". Ingeborg Angela Gockeln sagt von sich, sie sei "immer kritisch hinterfragend durchs Leben" gegangen. Ob privat, beruflich oder im Ehrenamt. In dem war sie 34 Jahre engagiert bei der Lebenshilfe im Kreis Höxter, leitete die Geschicke des Angehörigenbeirats, setzte sich für die Menschen und ihre Belange ein. Mit Mut und Emotion, mit Leidenschaft und einem großen Kämpferherzen. Am Sonntag, 28. Januar, wird die 69-Jährige beim 34. Frühschoppen der Werkstätten Am Grünenberg in Ottbergen verabschiedet, anschließend der am Tag zuvor neu gewählte Angehörigenbeirat vorgestellt. »Ich war immer unbequem, habe den Finger in die Wunde gelegt, wollte informiert sein« "Ich bin guter Dinge und gehe mit einem sehr guten Bauchgefühl", sagt Ingeborg Gockeln gar nicht wehmütig: "Weil ich so viele schöne Momente erlebt habe." Anstoß für ihr Engagement bei der Lebenshilfe war ihr Bruder Hermann, ein Jahr jünger und nach Schwierigkeiten bei der Geburt geistig behindert. Nachdem sie ihre Eltern früh verloren hatte - die Ottbergerin mit der großen Familie war 20, als ihre Mutter starb -, war für sie klar: "Hermann bleibt bei mir, egal wie sich mein Leben gestaltet." Eine Impfung schädigte später auch das Gehirn ihres Sohnes. Die junge Frau suchte Hilfe, denn "das ging über meine Kräfte". Schon als die Mutter noch lebte, hatte sie diese zu einer Versammlung der zu gründenden Lebenshilfe im Kreis begleitet. Als die Mutter starb, wurde die Tochter Mitglied, war unter anderem zehn Jahre im Vorstand aktiv: "Ich war immer unbequem, habe den Finger in die Wunde gelegt, wollte informiert sein." Die Kämpfe der ersten Jahre hätten sie stärker gemacht. "Sie haben mich motiviert, auf die Dinge um mich herum ein Auge zu haben." Und sie wollte die Eltern viel stärker mit ins Boot holen. So wurde der Angehörigenbeirat gegründet, ein Erfolgsprojekt. Ingeborg Gockeln lacht: "Ich war schon damals Netzwerkerin." Mit diesem Credo kämpfte sie auch bei den Naturschützern beim BUND oder in der Anti-Atomkraft-Bewegung (Organisation und Hintergrundinfos mit bundesweiten Kontakten), war Wegbegleiterin von Traute Kirsch ("meine Freundin"). Beruflich war Ingeborg Gockeln unter anderem 40 Jahre Buchhalterin bei der Firma Durant. "Als ich damals 50 wurde, wünschte mit mein Chef, dass ich künftig nicht mehr so stark gegen den Strom schwimmen müsste, mir nicht mehr so kräftig der Wind ins Gesicht blasen möge. Ich habe ihm geantwortet: Das hört sich gut an - aber das passt nicht zu mir." Daheim im Elternhaus am Grünenberg habe sie stets ein offenes Haus gepflegt. Wenn der Sohn Freunde zum Spielen eingeladen hatte und sie zu Terminen unterwegs war, dann hätten die Kinder das schmunzelnd kommentiert mit: "Inge muss die Welt retten." Ein Kompliment. Doch mit 70 (der Geburtstag ist im Mai) sollte Schluss sein, das hatte sie lange angekündigt. Den BUND-Vorsitz hat sie schon abgegeben, nun den Angehörigenbeirat. Langeweile wird nicht aufkommen: Daheim am Schwedenhaus hat sie ihren Biogarten mit Hochbeeten, ihre Hühnerschar, die Ahnenforschung mit einer fünf Meter breiten Ahnentafel und Stapeln Unterlagen, durch die sie sich arbeiten möchte. Auch der Vorsitz in der Bürgerinitiative Weserbergland wird bleiben. Dazu die Reisen nach Schweden oder Norwegen und die Liebe zum Yoga: Seit fast 30 Jahren ist sie diplomierte Yogalehrerin, bietet seit 2014 mit einer Freundin in Bruchhausen Kurse an und hat nach einem Unfall mit lädierter Schulter das Yoga vom Stuhl oder Hocker als ihren Yoga-Weg entdeckt.

realisiert durch evolver group