St.-Ansgar-Krankenhaus: Von dort wurde die Unfallchirurgie zum 1. Februar nach Brakel verlegt. - © David Schellenberg
St.-Ansgar-Krankenhaus: Von dort wurde die Unfallchirurgie zum 1. Februar nach Brakel verlegt. | © David Schellenberg

Höxter/Brakel KHWE-Geschäftsführer will im Kreistag sprechen

Unfallchirurgie: Reinhard Spieß betont die Versorgung des gesamten ländlichen Raumes mit 250.000 Einwohnern, will ein gegeneinander Ausspielen der Städte verhindern und fordert mehr Sachlichkeit und Fakten in der Diskussion

Simone Flörke

Höxter. Die „richtige Bühne" für eine öffentliche Diskussion über die Verlegung der Unfallchirurgie von Höxter nach Brakel ist nach Ansicht von Reinhard Spieß der Kreistag: Das sagte der Geschäftsführer der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge (KHWE) im Interview mit Radio Hochstift. Er werde mit Landrat Friedhelm Spieker bezüglich eines Termins sprechen – damit auch die Bevölkerung des gesamten Einzugsgebietes die Chance zur Diskussion habe. Hintergrund sind die anhaltenden Proteste von Bürgern in Höxter, die die zum 1. Februar nach Brakel verlegte Unfallchirurgie nach Höxter zurückhaben wollen und für Freitag, 20. Oktober, (17 Uhr) erneut eine Demonstration angekündigt haben. Im Interview betonte Spieß vor allem die sachliche Ebene: Es gebe viele Behauptungen und Dinge, die falsch dargestellt worden seien. Und er appellierte an die Beteiligten, es nicht zu einer Spaltung Höxter – Brakel kommen zu lassen. Die Diskussion dürfe sich nicht allein auf das Stadtgebiet Höxter kaprizieren. Die KHWE habe ein Versorgungsgebiet von 250.000 Einwohner – und dafür sei Brakel der zentrale Standort für die Unfallchirurgie. Es gehe um die Versorgung des gesamten ländlichen Raumes. Brakel habe seine Innere, Steinheim die Chirurgie verloren – in Höxter seien aber sechs neue Abteilungen geschaffen worden. Und die Häuser ständen deshalb so gut da, weil man diese Spezialisierung vorgenommen habe. Die Orthopädie und die Unfallchirurgie in Brakel hätten „eine Leuchtturmfunktion". Deshalb dürfe man Städte und Standorte nicht gegeneinander ausspielen, betonte Spieß und sprach von einem „zukunftsfähigen Modell" für die Versorgung. Am Mittwochabend, 18. Oktober, soll ein Gespräch mit den Fraktionsspitzen des Höxteraner Rates stattfinden – aufgrund der Kurzfristigkeit des Termines und des Urlaubs von Bürgermeister Alexander Fischer werde es ein weiteres Gesprächsangebot geben, kündigte er an. Er habe in der Vergangenheit mehrfach mit dem Höxteraner Bürgermeister telefoniert. Auch er selbst habe sich schon vor drei Monaten in einer Diskussion öffentlich zur Verlegung geäußert. Alle diese Argumente seien in der nun laufenden Diskussion aber nicht berücksichtigt worden. In Höxter sechs neue Abteilungen geschaffen Der Geschäftsführer erläuterte gegenüber Radio Hochstift noch einmal die Gründe für die Verlegung der Unfallchirurgie nach Brakel: Die ganzheitliche Ausbildung mit den Fachrichtungen Orthopädie und Unfallchirurgie, die zeitgemäß sei und internationalen Standards entspreche; die stark veränderten Rahmenbedingungen bei der Versorgung von Arbeits- oder Wegeunfällen, bei der das St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter die Anforderungen der Berufsgenossenschaft (Versorgung bündeln) nicht mehr habe erfüllen können; und eben auch den zentralen Standort Brakel in einem großen Versorgungsgebiet. Rolf Schulte als Leitender Oberarzt der Unfallchirurgie machte mit Blick auf den Vorwurf, Patienten würden hin- und hergeschickt zwischen Brakel und Höxter, deutlich: Dies passiere nur dann, wenn es aus Sicht der Ärzte erforderlich und „fachlich notwendig" sei. Man versuche, es auf ein Minimum zu reduzieren, es handele sich „insgesamt um eine kleine Zahl" von Patienten. Und wenn neben Verletzungen der Gliedmaßen auch der Verdacht auf Begleiterkrankungen wie einen Herzinfarkt bestehe, dann werde man den Patienten in die Kardiologie verlegen. Die Radiologie in Brakel 24 Stunden zu besetzten, sei in Zeiten von Teleradiologie gar nicht mehr notwendig: „Es ist egal, woher die Bilder kommen für ein fachärztliche Befundung", sagte Schulte. Standard-Intensiv sei auch in Brakel machbar, erklärte er mit Blick auf die Intensivmedizin. Die künstliche Niere sei zwar in Höxter, ein mobiles Gerät aber vorhanden. Auch ein digitales Notfalllabor zur Bestimmung des Blutfarbstoffgehaltes und der Gerinnungswerte gebe es in Brakel. „Alles andere können wir binnen einer halben Stunde organisieren." Für Bauchraumverletzungen gebe es die Möglichkeiten von Ultraschall und Computertomografen (CT), jederzeit sei über den sogenannten Konziliardienst aus Höxter oder Bad Driburg der spezialisilierte fachärztliche Dienst abrufbar. Gleiches gelte bei unfallverletzten Kindern.

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