Mit Infokarten: Chefarzt Firooz Ahmadi (Kinder- und Jugendmedizin St.-Ansgar-Krankenhaus; v. l.), Naznine Soundarjee (Leiterin Beratungsstelle), die Leitende Ärztin des Beratungszentrums, Stefanie Schröder-Czornik, Fachbereichleiter Gerhard Handermann (Kreis Höxter) und Suchtprophylaxefachkraft Andrea Sickes. ⋌Foto: Simone Flörke - © Simone Flörke
Mit Infokarten: Chefarzt Firooz Ahmadi (Kinder- und Jugendmedizin St.-Ansgar-Krankenhaus; v. l.), Naznine Soundarjee (Leiterin Beratungsstelle), die Leitende Ärztin des Beratungszentrums, Stefanie Schröder-Czornik, Fachbereichleiter Gerhard Handermann (Kreis Höxter) und Suchtprophylaxefachkraft Andrea Sickes. ⋌Foto: Simone Flörke | © Simone Flörke

Höxter Beratungsangebot in Höxter für Minderjährige mit Alkoholvergiftung

Suchtprophylaxe: Neues Projekt im St.-Ansgar-Krankenhaus

Simone Flörke

Höxter. Ein neues Beratungsangebot im St.-Ansgar-Krankenhaus und neue Infokarten für Jugendliche und Eltern: 20 bis 30 Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 18 Jahren kommen jedes Jahr mit einer schlimmen Alkoholvergiftung ins St.-Ansgar-Krankenhaus Höxter. „In sehr schlechtem Allgemeinzustand", sagt der Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin, Firooz Ahmadi. Dort werden sie behandelt und überwacht, bis sie wieder wach und ansprechbar sind. 24 Stunden bleiben sie in der Klinik. Zeit für erste Kontakte und Gespräche, niederschwellig und auf direktem Wege: Mit dem Team der Station und seit diesem Jahr in einem Projekt direkt auf der Station auch mit den Fachleuten der Beratungsstelle Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritas-Beratungszentrums in Brakel, die im Verbund mit weiteren Ansprechpartnern seit 2011 in der Steuerungsgruppe „GigA" arbeitet. »Wir wollen nicht sofort den Stempel Sucht aufdrücken« Die Berater stehen immer nach Feiertagen wie Karneval, 1. Mai, Himmelfahrt oder Pfingsten in Alarmbereitschaft, um sowohl mit den Kindern und Jugendlichen als auch mit den Erziehungsberechtigten auf Ursachenforschung für diesen Alkoholkonsum zu gehen. Freiwillig und nicht mit erhobenem Zeigefinger, wie Leiterin Naznine Soundarjee zum ersten Beratungskontakt betont. „Wir wollen nicht jemandem sofort den Stempel Sucht aufdrücken", sagt die Leitende Ärztin des Beratungszentrums, Stefanie Schröder-Czornik. Den allergrößten Teil der jungen Leute sieht Ahmadi nie wieder. „Von 20 vielleicht zwei", sagt er. Man müsse aber herausfinden, was falsch gelaufen sei, so Schröder-Czornik. „Und was wir tun können, damit dies nicht wieder passiert." Die Suchtberatung, erklärt Andrea Sickes, setze erst ab dem Erwachsenenalter von 18 Jahren an. Hier gehe es aber um Minderjährige. Wenn gewünscht, geht das Gespräch auch ohne Eltern, am besten aber mit, ergänzt Soundarjee. Denn häufig sei dieses Trinken bis zur Bewusstlosigkeit ein Ausdruck für Probleme, die die Familie beträfen. Für den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol sei das gesamte Familiensystem gefragt. Um die ersten Kontakte zu den Fachleuten des Beratungszentrums zu erleichtern, gibt es nun zwei Infokarten, die Betroffene über das zusätzliche Angebot informieren sollen und von den Mitarbeitern des Krankenhauses verteilt werden: „Gestern war es noch lustig" soll Kinder und Jugendliche über Ansprechpartner informieren, „Mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus" wendet sich an die Eltern. Dann können sie Termine ausmachen. „Wir hoffen, dass wir die Kinder und Jugendlichen dann bei uns in der Suchtberatung nie sehen werden", so Andrea Sickes.

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