Mehr als 200 Demonstranten zogen mit Plakaten durch die Höxteraner Innenstadt. Viele haben Angst vor gesundheitlichen Schäden. - © FOTO: VIKTORIA BARTSCH
Mehr als 200 Demonstranten zogen mit Plakaten durch die Höxteraner Innenstadt. Viele haben Angst vor gesundheitlichen Schäden. | © FOTO: VIKTORIA BARTSCH

Höxter Mit Trillerpfeifen und Sprechchören gegen "Monstertrasse"

Demonstrationszug durch Höxter gegen Tennet-Planungen / Kritik an Info-Tag in der Stadthalle

VON MATHIAS BRÜGGEMANN

Höxter. "Das Ganze hier ist doch eine Beteiligungsfarce", fand der Hamelner Landrat Tjark Bartels deutliche Worte für die Informationsveranstaltung der Firma Tennet am Donnerstagnachmittag in der Höxteraner Stadthalle – unter dem Beifall der anwesenden Bürger. Und Jutta Fritzsche von der Bürgerinitiative "Lebenswertes Marienmünster" bilanzierte zum Ende der Veranstaltung erneut: "Viele unserer Fragen bleiben weiterhin unbeantwortet."

Dabei hatte sich die Firma Tennet viel Mühe gegeben und in der Stadthalle auf Tischen und an Stellwänden die Pläne für die Vorzugstrasse und für die aus den Bürgervorschlägen ermittelten Alternativtrassen detailliert dargelegt. Tennet-Mitarbeiter erläuterten interessierten Bürgern die Pläne und beantworteten Fragen. Sogar ein kaltes Büfett hatte man aufstellen lassen. Nur so richtig zufrieden war kaum jemand. Es hagelte harsche Kritik.

Richtig turbulent wurde es, als die Demonstranten mit Trillerpfeifen und Sprechchören lautstark in die Halle einzogen und ihrem Unmut deutlich Luft machen. Der Aufforderung von Jutta Fritzsche, die Tennet-Verantwortlichen "mit Fragen zu bombardieren", kamen viele Trassen-Gegner nach. Immer wieder tauchte zum Beispiel die Frage auf, warum nicht der Bereich an der A 7 ernsthaft in die Planungen einbezogen werde und nach welchen Kriterien man die Mitte/West-Trasse zur Vorschlagstrasse gemacht habe. Doch Christoph Thiel und Tom Wagner vom Tennet-Projektteam hatten einen schweren Stand und blieben klare Antworten schuldig. Die A 7-Trasse werde unter Abwägung aller Vor- und Nachteile von Tennet nicht favorisiert, sagte Thiel, ohne allerdings konkrete Gründe zu benennen. "Die Trasse ist damit aber nicht vom Tisch. Die Bundesnetzagentur kann durchaus zu einem anderen Ergebnis kommen als wir."

Der neunjährige Levin aus Wehrden wollte wissen, warum denn überhaupt eine Trasse gebaut werde, wo es doch genügend bestehende Leitungen gebe. Tom Wagner verwies auf die Energiewende: "Bayern und Baden-Württemberg habe noch viele Atomkraftwerke. Werden die abgestellt, muss die Energielücke aus Strom von Windkraftanlagen im Norden aufgefüllt werden. Deshalb die Trasse." Deren Notwendigkeit zweifelte auch der frühere Höxteraner Arzt Wolfgang Zorn an und bezog sich dabei auf einen Beitrag des ARD-Magazins Monitor, wonach Experten der Absicht seien, dass die Suedlink-Trasse überflüssig und "ökonomisch unsinnig" sei.

Und Peter Ernst von der Bürgerinitiative Warburger Land forderte einen sofortigen Stopp der Trassen-Planungen. "Die Bayern wollen den Strom doch gar nicht. Und wir wollen die Trasse nicht. Hören Sie doch einfach auf mit dieser Planung", sagte er zu den Tennet-Vertretern.

Unzufrieden mit der Info-Veranstaltung waren auch einige Bürgermeister der betroffenen Städte. Alexander Fischer (Höxter) meinte gegenüber der NW, dass der Info-Tag mehr Verwirrung als Klarheit gebracht habe. Burkhard Deppe (Bad Driburg) stellte zwar anhand der ausgelegten Detailpläne fest, dass Bad Driburg nun doch nicht direkt von der Trasse betroffen sei. "Aber die Nachbarstadt Brakel trifft es. Und das macht mich auch nicht zufrieden." Hubertus Grimm (Beverungen) fand, dass die Veranstaltung "überhaupt nichts gebracht" habe. Positiv sei allerdings, dass das Ziel von Tennet, die Kommunen auseinanderzudividieren, nicht erreicht worden sei. "Wir müssen und werden weiterhin mit einer Stimme sprechen", sagte Grimm.

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group