Die Insignien der Oberst: Rüdiger Frin wird seinem Nachfolger den Federhut, den Degen, die Quasten, die Schärpe, die Schulterklappen und einen dicken Ordner übergeben. - © Mathias Brüggemann
Die Insignien der Oberst: Rüdiger Frin wird seinem Nachfolger den Federhut, den Degen, die Quasten, die Schärpe, die Schulterklappen und einen dicken Ordner übergeben. | © Mathias Brüggemann

Brakel Brakeler Bürger-Schützen: Rüdiger Frin verabschiedet sich als Oberst

Oberst Rüdiger Frin wird am Samstag nach 15-jähriger Vorstandstätigkeit verabschiedet. Eine Woche später wird sein Nachfolger gewählt. Der Name des Kandidaten wird noch geheimgehalten

Mathias Brüggemann

Brakel. Seit neun Jahren ist er Oberst, seit 15 Jahren Vorstandsmitglied im Brakeler Bürger-Schützenverein. „Nun ist’s genug", sagt Rüdiger Frin. Am Samstag, 4. November, wird er auf der Generalversammlung zusammen mit sechs weiteren Vorstandsmitgliedern verabschiedet. Sein Nachfolger wird am Samstag darauf gewählt. „Es war eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte", blickt Rüdiger Frin auf eine ereignisreiche und spannende Amtszeit zurück. „Ich habe Bekanntschaften gemacht und Freundschaften geschlossen mit Menschen, die ich sonst wohl nie kennengelernt hätte", sagt er im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. Und warum zieht er sich mit 52 Jahren schon ins zweite Glied zurück? „Man soll immer aufhören, wenn es am schönsten ist", sagt er, „und dieses Jahr, unser Jubiläumsjahr, war besonders schön." Seinen Entschluss habe er bereits vor rund eineinhalb Jahren gefasst. „Die 450-Jahr-Feier wollte ich unbedingt noch als Oberst mitgestalten. Und danach mein Amt in andere Hände übergeben." Neben dem Jubiläumsschützenfest zählt er die Schützenfahrten nach New York, Edinburgh, Prag und Bozen sowie die Public Viewings zu den Fußball- Welt- und Europameisterschaften zu den Höhepunkten seiner Amtszeit. Oberst-Wahlnach uraltem Zeremoniell Rüdiger Frin bezeichnet sich selbst als „Schützen mit Leib und Seele". Bereits als 16-Jähriger trat er den Brakeler Bürgerschützen bei. In die Führungsetage hochgedient hat er sich allerdings nicht. „Ich bin sozusagen Quereinsteiger." Vom einfachen Schützen stieg er im Jahr 2002 zum zweithöchsten Vorstandsamt auf und wurde Adjutant des Obersts. Ausgewählt vom damaligen Oberst Karl Fimmel, der den Diplom-Ingenieur unbedingt als seine rechte Hand haben wollte. „Gefragt hat er übrigens zuerst meine Frau. Und erst als sie ja gesagt hatte, wurde ich gefragt." Und als vor neun Jahren Oberst Fimmel seinen Rückzug ankündigte, machte sich Frin auf die Suche nach einem Nachfolger. „Bis mich zwei Ehrenoffiziere fragten: Warum machst Du es denn nicht selbst? Und dann wurde ich zum Oberst vorgeschlagen und gewählt." Der Nachfolger ist noch geheim Wer Rüdiger Frins Nachfolger wird, ist noch geheim. „Ich habe dem erweiterten Vorstand einen Vorschlag gemacht. Ob man meinem Vorschlag folgen wird, werden wir sehen." Einen Namen will Frin deshalb noch nicht nennen. Am Samstagabend, 11. November, wird in der Gaststätte Tegetmeier der neue Oberst vom erweiterten Vorstand – bestehend aus dem Schützenkönig, den beiden Dechanten, den vier Zugführern und acht Unteroffizieren – gewählt und ins Amt eingeführt. Eine uralte Zeremonie Mit einer uralten Zeremonie. „Wenn der erweiterte Vorstand seine Wahl getroffen hat, schickt er ein Abholkommando los, das den Kandidaten von zu Hause abholt und ins Wahllokal bringt", erzählt Rüdiger Frin. „Dort muss der Kandidat vor der Tür warten. Der zuständige Unteroffizier macht Meldung, dann darf der Kandidat eintreten und wird feierlich gefragt, ob er die Wahl annimmt." So war es bei ihm, so wird es bei seinem Nachfolger sein, so ist es Tradition in Brakel. Was er seinem Nachfolger mit auf den Weg gibt? „Einen dicken Ordner", sagt Frin und lacht. „Ich habe damals als Adjutant mit einem DIN-A-5-Zettel angefangen. Mit der Zeit habe ich dann alles zusammengetragen, was ein Oberst wissen muss. Von Gästelisten für die Festlichkeiten, über Sitzordnungen bis hin zu den Aufstellungen der Schützen bei der Lobeprozession." Das beste Ergebnis für den Verein rausholen Ansonsten müsse der Oberst den Vorstand zusammenhalten, auf die einzelnen Charaktere eingehen und immer versuchen, das beste Ergebnis für den Verein rauszuholen. Aber jeder Oberst müsse dabei seinen eigenen Stil finden. „Ich habe auch nicht versucht, Karlo Fimmel nachzumachen", so Frin. Wie er die Zukunft des Vereins sieht? Rüdiger Frin überlegt lange. „Wir Schützen müssen uns auf veränderte Wertvorstellungen und anderes Freizeitverhalten der Schützen und der Gesellschaft einstellen. Mit Tradition allein können wir keine jungen Leute gewinnen. Wir brauchen Veränderungen, ohne die Tradition aus dem Blick zu verlieren. Das ist der Spagat, den der Oberst machen muss." Und worauf freut sich Rüdiger Frin nach seiner Amtszeit am meisten? „Dass ich als einfacher Schütze das nächste Schützenfest ganz entspannt feiern und einfach nur genießen kann", sagt er und lächelt.

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