Geschichte eines alten und gleichzeitig sehr jungen Vereins: Das neue Buch stellten Oberst Rüdiger Frin (v. l.), 1. Dechant Helmut Pless, Mischa Hölting (zuständig für die DVD), König Ulrich Hoffmeister, Hauptchronist Bernd Zymner, 2. Dechant Manfred Götz und Adjutant Alexander Tölle vor. - © Manuela Puls
Geschichte eines alten und gleichzeitig sehr jungen Vereins: Das neue Buch stellten Oberst Rüdiger Frin (v. l.), 1. Dechant Helmut Pless, Mischa Hölting (zuständig für die DVD), König Ulrich Hoffmeister, Hauptchronist Bernd Zymner, 2. Dechant Manfred Götz und Adjutant Alexander Tölle vor. | © Manuela Puls

Brakel Brakeler Schützen stellen Chronik vor

Die Brakeler Bürger-Schützen haben für ihre neue Chronik die Anfänge der Stadtbewachungvor 700 Jahren recherchiert. Auch das Jubiläumsfest vom Sommer nimmt breiten Raum ein

Manuela Puls

Brakel. Das Schützenwesen in Brakel ist noch wesentlich älter als gedacht. Das ist bei den Recherchen für die neue Chronik der Bürger-Schützen herausgekommen, die jetzt vorgestellt wurde. Auf mehr als 300 Seiten wird belegt, dass die Bewachung der Stadt bis weit ins Mittelalter zurückgeht und eine mindestens 700-jährige Tradition hat. Hauptautor Bernd Zymner hat beispielsweise im Stadtarchiv eine Heberolle aus dem Jahre 1380 gefunden. „Darin waren die Getreideabgaben für die Wächter von Brakel verzeichnet", sagt Zymner. Jedes Haus musste damals in Form von Korn seinen Beitrag leisten, damit die Stadt verteidigt werden konnte. Damals gab es in Brakel auch schon Mauern, Gräben und Stadttore. 1441 fällt in den alten Urkunden erstmals der Begriff Schütze. „Wir können also mit Fug und Recht sagen, dass es seit mindestens 576 Jahren Schützen in Brakel gibt", betont Zymner. Das früheste Schützenverzeichnis stammt aus dem Jahr 1456. „Darin ist genau aufgeschrieben, wer welche Waffen trägt – also Harnisch, Büchse oder Armbrust", so der Hauptchronist. »Wir konnten auch die Stadtgeschichte weiterschreiben« Die Ausstattung der Brakeler Schützen habe damals stark von ihrem persönlichen Vermögen abgehangen. Weil es im Mittelalter so viele Kriege und Konflikte gab, investierte die Stadt viel Geld in Kanonen und Pulver und stellte auch „Fachpersonal" ein: Armbrustmacher, Steinkugelhersteller, Gießer und Feldscherer, die für die medizinische Versorgung zuständig waren. Auch ein Landwehrsystem aus Gräben und dichten Hecken konnte Zymner in der Brakeler Feldflur rekonstruieren. Die Brakeler Schützen agierten auch überregional – beispielsweise waren sie nachweislich an der Soester Fehde beteiligt. „Wir konnten mit dieser Schützenchronik auch die Stadtgeschichte weiterschreiben", sagt Bernd Zymner nicht ohne Stolz. So hat er beispielsweise viel über Heinrich von Brakel herausgefunden. „Er wurde 1223 zum Bischof von Paderborn gewählt, aber nie anerkannt." Später sei Heinrich von Brakel auf Kreuzzug ins Baltikum gegangen. Berthold Lauffmann doch nicht der Retter von Brakel Auch die Rolle von Berthold Lauffmann konnte Zymner neu einordnen, der wohl fälschlicherweise bislang als „Retter von Brakel" galt. Der Überlieferung nach soll er 1648 den Befehl zur Zerstörung Brakels durch die Landgräfin von Kassel missachtet haben. Tatsächlich fand Zymner aber Belege, dass Lauffmann und seine Reiter 57 Brakeler Häuser in Schutt und Asche gelegt haben sollen. Mit diesem zweiten Teil der Chronik wird also das Schützenbuch von 1992 fortgeschrieben. Gleichzeitig nimmt die jüngere Vereinsgeschichte darin großen Raum ein, insbesondere das 450-jährige Jubiläumsfest in diesem Sommer. „Wir sind eben gleichzeitig ein sehr alter und ein sehr junger Verein", sagt Oberst Rüdiger Frin. Er ist froh, dass der Verein jetzt über eine ziemlich komplette Chronik verfügt, an der viele Schützenbrüder mitgeschrieben haben. Bewusst habe man sich entschieden, das Buch erst nach dem großen Jubiläumsfest erscheinen zu lassen, damit die Feierlichkeiten darin noch mit aufgenommen werden konnten. DVD vom Jubiläumsschützenfest Es gibt auch eine DVD mit Fotos und Filmen des Jubiläumsschützenfestes, die von Mischa Hölting erstellt wurde. Da kann man noch einmal die Höhepunkte der vier Tage nachvollziehen: „Zum Beispiel der außergewöhnliche Zapfenstreich in der Pfarrkirche, wo die Schützen wegen eines heftigen Wolkenbruchs Asyl fanden", erzählt Adjutant Alexander Tölle. Jeder Brakeler Schütze werde sich auf der DVD wiederfinden können. Erstmals verkauft wird die Chronik bei der Generalversammlung am Samstag, 4. November. Danach kann das Buch für 15 Euro bei der Zugführung und beim Sekretär erworben werden.

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