Vor dem Gemeinschaftsprojekt: Ulrike Hensel, Oswald Hensel, Florian Jurich, Florian Potthast, Shamsuddin Gheyasi, Lukas Hensel - © Potthast/Privat
Vor dem Gemeinschaftsprojekt: Ulrike Hensel, Oswald Hensel, Florian Jurich, Florian Potthast, Shamsuddin Gheyasi, Lukas Hensel | © Potthast/Privat

Bellersen Energiepflanze gibt Imkern Hoffnung

Der Mangel an Blüten macht den Bienen immer mehr Schwierigkeiten. Die Durchwachsenen Silphie, die zusammen mit Mais eingesät wird, soll jetzt Abhilfe schaffen

Bellersen. Von Weitem sieht man nur ein rund zwei Hektar großes Maisfeld, doch unter den drei Meter hohen Maispflanzen steht die Silphie und lässt die sieben Profi-Imker aus Bellersen hoffen, dass es ihren Bienen immerhin hier ab dem nächsten Hochsommer besser gehen wird. Und sie sich trotz der aufgeräumten Landschaft gut versorgen können mit Pollen, der lebensnotwendigen Eiweißnahrung für die Brut. „Nach der Lindenblüte Anfang Juli finden die Bienen nicht mehr so viel Nektar, wie sie zum Leben brauchen. Jede Blüte ist jetzt wichtig, um im nächsten Frühjahr wieder starke, leistungsfähige Bienenvölker zu haben," weiß Oswald Hensel aus langjähriger Erfahrung. „Die Durchwachsene Silphie ist eine Energiepflanze, die von Juli bis September blüht, sie bringt zwar 10 bis 30 Prozent weniger Ertrag als Mais in Biogasherstellung, dafür spart der Landwirt während der bis zu 30 Erntejahren jegliche Bodenbearbeitung, Saatgut- und Spritzaufwand," zeigt sich auch Diplom-Agaringenieur Florian Potthast, Biogasbetreiber aus Marienmünster, angetan von der dekorativen Kultur. Außerdem werde der Boden optimal geschützt vor Wind und Regen. Wildschweine fressen die Silphie nicht, und auf trockenen Standorten ist sie sehr unempfindlich, im Gegensatz zum Mais. »Wir freuen uns, den Bienen im Sommer helfen zu können« Nach einer neuen Methode wird die Silphie beim Anlegen der Fläche zusammen mit Mais eingesät. Sie entwickelt sich, während darüber der Mais reift. Der wird im ersten Jahr geerntet, und in dem darauffolgenden Jahr blüht schon die Silphie. „Wir freuen uns, den Bienen im Sommer helfen zu können, schließlich steigern sie nächstes Jahr unseren Ertrag beim Raps um ein Viertel", so Potthast.„Der Mangel an Blüten macht unseren Bienen und den andere Blütenbesuchern immer mehr Schwierigkeiten," sorgt sich Lukas Hensel, Juniorchef der Imkerei. „Wegränder, Böschungen und Gräben werden oft vor der Blüte gemulcht, so dass Nährstoffe sich anreichern und nur Gras und Brennnesseln übrig bleiben. Hecken und Waldränder müssen kurz gehalten werden, damit die Landwirte volle Ausgleichszahlungen der Landwirtschaftskammer erhalten, weil die Flächen per Satellit nachgemessen werden." Auch wenn jetzt auf den Äckern Senf und blaublühende Phacelia eingesät wird, helfe das den Bienen nicht, so der Imkermeister: „Wenn die Pflanzen in sechs Wochen blühen, sollten unsere Bienen Winterruhe halten. Die Winterbienen überleben den langen Winter nicht, wenn sie sich von Oktober bis Dezember abarbeiten. Bei uns waren die Winterverluste umso schlimmer, je dichter die sogenannten Greeningflächen entfernt waren." Wer Interesse an der Durchwachsenen Silphie hat, kann sich vor Ort bei der Imkerei Hensel informieren. Es gibt auch Topfpflanzen zu verschenken, wenn jemand Platz im Garten hat.

realisiert durch evolver group