Bilder des Naturforschers Hermann Reichling in der Alten Waage: v.l. Dirk Brassel (Stadtmuseum Brakel) mit Waldkäuzen, dem Vogel des Jahres 2017, Verena Burhenne (LWL), Paul Kramer (Heimatverein) und Dr. Bernd Tenbergen (LWL) mit den beiden Veröffentlichungen des LWL - © Elisabeth Affani
Bilder des Naturforschers Hermann Reichling in der Alten Waage: v.l. Dirk Brassel (Stadtmuseum Brakel) mit Waldkäuzen, dem Vogel des Jahres 2017, Verena Burhenne (LWL), Paul Kramer (Heimatverein) und Dr. Bernd Tenbergen (LWL) mit den beiden Veröffentlichungen des LWL | © Elisabeth Affani

Brakel LWL-Wanderausstellung zeigt Naturfotos

Frühe Lichtbilder des Naturforschers Hermann Reichling in der Alten Waage in Brakel zu sehen

Brakel. „Kann man die essen?", fragte eine Besucherin entsetzt. Es ging um Wacholderdrosseln, die noch vor einhundert Jahren als Lockvögel für kleinere Singvögel eingesetzt wurden, mit denen die Hausfrau damals aber auch die hungrige Familie versorgte. Sie bereitete die in Westfalen Krammetsvögel genannten Tiere wie anderes Geflügel zu, ebenso die Venntüten, die in der Feuchtwiese, dem Venn, ihren typischen Gesang ertönen ließen und uns als Große Brachvögel oder Schnepfen geläufiger sind. In der Alten Waage am Brakeler Markt geht es jedoch nicht um Speiserezepte, sondern um das einzigartige Fotoarchiv, das der Naturforscher und Zoologe Hermann Reichling (1890-1948) hinterlassen hat und das in einer Ausstellung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) Münster im Stadtmuseum Brakel bis zum 3. Dezember zu bestaunen ist. „Die Familie Reichling stellte das Archiv für die Ausstellung zur Verfügung", erklärte Paul Kramer vom Heimat- und Museumsverein Brakel bei der Eröffnung. Verena Burhenne vom LWL ergänzte, dass die Bilder und Filme mit Unterstützung der NRW-Stiftung digitalisiert worden seien. Sie bedankte sich beim „Hausherrn" des Stadtmuseums, Dirk Brassel, stellvertretend für alle Helfer, und begrüßte Landrat Friedhelm Spieker unter den zahlreichen Gästen, zu denen auch Bürgermeister Hermann Temme gehörte. Bernd Tenbergen, Bereichsleiter Botanik beim LWL, berichtete anschaulich über das Leben und Werk von Hermann Reichling, der mit seiner schweren und umständlichen Glasplatten-Kamera auf Bäume und Häuser kletterte und nicht nur Flora und Fauna ablichtete, sondern auch Menschen und ihre Arbeit in Moor und Heide. Auf den Bildern entdeckt man den strickenden Schäfer ebenso wie den schwer arbeitenden Plaggenstecher in seinen Holschken, der mit einer speziellen Hacke die obere Schicht des Heidebodens abtrug, als Einstreu in den Stall transportierte und ihn als Dünger wieder auf den Acker brachte. Es war eine harte Plackerei. Der Naturschutzpionier Hermann Reichling, der 1919 Leiter des Naturkundemuseums Münster wurde, sich bei den Nationalsozialisten unbeliebt machte und im Konzentrationslager Esterwegen interniert war, wurde an den Dümmersee und ins Emsland versetzt, wo ihm die faszinierendsten Aufnahmen gelangen. Die Veränderung der Arbeitswelt so sehr wie die der Landschaft in 100 Jahren kann man anhand der sehenswerten Ausstellung nachvollziehen. Das Stadtmuseum in der Alten Waage ist jeweils sonntags sowie dienstags bis donnerstags von 14 bis 16 Uhr geöffnet.

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