Erste Klasse: Karl Fischer (l.) und Norbert Sickmann haben beim Aufarbeiten der Abteilgarnituren aus der ersten Klasse ganze Arbeit geleistet. Auch Schilder oder ein Bremsventil für Lokführer arbeiten sie zur Einrichtung für die neue Halle um. - © Simone Flörke
Erste Klasse: Karl Fischer (l.) und Norbert Sickmann haben beim Aufarbeiten der Abteilgarnituren aus der ersten Klasse ganze Arbeit geleistet. Auch Schilder oder ein Bremsventil für Lokführer arbeiten sie zur Einrichtung für die neue Halle um. | © Simone Flörke

Brakel Modellbundesbahn: Im Oktober beginnt der Neubau in Brakel

Karl Fischer und Norbert Sickmann arbeiten schon an der Einrichtung der neuen Halle

Simone Flörke

Brakel. Mit der Hand streicht Karl Fischer über den samtigen roten Sitzbezug. Dann hält er das Polster unter seine Nase und nimmt einen tiefen Zug: Man riecht nichts mehr von Rauch und Mief der Jahrzehnte. Und man sieht auch nichts mehr von den Gebrauchsspuren an den Polstern, die Mitte der 1970er Jahre in den Erste-Klasse-Abteilen der Züge zu finden waren und nun in die neue Halle der Modellbahn-Gesellschaft BW Ottbergen GmbH in Brakel einziehen werden. Karl Fischer und Norbert Sickmann haben ganze Arbeit geleistet. In einer Industriehalle in Brakel arbeiten die beiden leidenschaftlichen Eisenbahnfans in der Zeit, in der sie auf den Neubau im Rieseler Feld direkt an der Bundesstraße 252 warten, an der Atmosphäre. Sprich: Das Interieur der Halle soll das Flair von Eisenbahn ausstrahlen. Stilecht. Eine Herausforderung, über die sie sich viele Gedanken gemacht haben, seit die Anlage in Bad Driburg am 9. Juli geschlossen ist. Nun folgen Neubau und Umzug. Noch eine Herausforderung. Fischer: „Wir möchten beim Umzug alles nur einmal anpacken müssen." Damit es keine neue, schnöde, kalte Industriehalle wird, sondern Eisenbahner-Atmosphäre ausstrahlt, haben sie einige Originalgegenstände von Bahnsteigschildern über ein Führerbremsventil für Lokführer oder Lokschilder gesammelt und von Freunden bekommen. Da kamen die Abteilsitze, die sie von Karl Wecker vom Flügelradverein und Ausbesserungswerk in Paderborn bekommen haben, gerade recht. „Ein echter Volltreffer", sagen Sickmann und Fischer unisono. Mit Reinigungsschaum, Bürste und Parfüm rückten sie dem Mief der Zeit zu Leibe. Herausgekommen sind duftende, saubere Abteilgarnituren, für die ihnen Freunde noch eine Unterkonstruktion nach Originalplänen schweißen. Das Ganze kommt in die neue Halle, die ab Oktober auf dem Areal gegenüber Esso-Keck aufgebaut werden soll. Denn: „Sie passen genau in die Zeit Sommer 1975, die wir darstellen", sagt Fischer. Nebenan liegen die Zweite-Klasse-Kunstledersitze aus dem Nahverkehr von einst, die ebenfalls schon in Einzelteilen sauber auf den Wiedereinbau warten. „Fürs Speiseabteil", sagt Fischer. „Damit sich die Besucher der Modellbahnanlage zu einem Getränk auch mal hinsetzen können." Während der Vorbereitungs- und Bauzeit widmen sich Fischer und Sickmann den Dingen, die während des laufenden Betriebs der Anlage bislang zu kurz kamen – inklusive Updates an der Software. Oder Werbeanhängern. Oder Dekoartikeln. Oder Prospekten. Oder eben dem Aufarbeiten historischen Eisenbahnzubehörs. An der Baustelle ist der Schotter auf dem Areal eingebracht und verdichtet worden, jetzt kommen die Fundamente der Halle dran, die dann noch aushärten müssen. Ein ungewohnter Tagesablauf für die beiden Modellbahnprofis: „Am ersten freien Sonntag war ich total nervös", erzählt Norbert Sickmann lachend. Vom Kopf her habe er erst mal realisieren müssen: Heute nicht nach Bad Driburg. Aber die Vorfreude auf das Neue sei groß: „Ohne die wären wir das Projekt nicht angegangen." Karl Fischer spricht von einer „Achterbahn der Gefühle" und erinnert sich an das „komische Gefühl" am letzten Betriebstag in Bad Driburg: „Immerhin haben wir dort zwölf Jahre unseres Lebens verbracht." Derzeit habe er so viele Dinge gleichzeitig im Kopf, inklusive Umzugsgedanken – „kommt alles heil an": „Da fehlt noch die Zeit für die Vorfreude. Die schöne Zeit fängt an, wenn wir in Brakel aufmachen."

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