Schreibtisch im Esszimmer: Hier arbeitet Ludgera Vogt am liebsten an ihren Lokalkrimis, von denen der nächste bereits in Arbeit ist – natürlich wieder mit dem Paderborner Ermittlerduo Aßmann und Gerke, das ihr schon richtig ans Herz gewachsen ist. - © Foto: Nicole Hille-Priebe
Schreibtisch im Esszimmer: Hier arbeitet Ludgera Vogt am liebsten an ihren Lokalkrimis, von denen der nächste bereits in Arbeit ist – natürlich wieder mit dem Paderborner Ermittlerduo Aßmann und Gerke, das ihr schon richtig ans Herz gewachsen ist. | © Foto: Nicole Hille-Priebe

Brakel Brakelerin bringt ihren ersten Krimi heraus

„Libori-Lüge“ spielt in Paderborn und hat viel Lokalkolorit

Nicole Hille-Priebe

Brakel. Wenn ganz Paderborn nächste Woche wieder Libori feiert, wird Ludgera Vogts Krimi-Debüt sicherlich in so manchem Buchladen die Auslage zieren. „Libori-Lüge" heißt das Buch der Brakelerin, das sich von der ersten bis zur letzten Seite ebenso spannend wie unterhaltsam liest und Ende Juni im Emons-Verlag erschienen ist. Beim Hausbesuch serviert die heimische Autorin Kaffee im Esszimmer. „Hier schreibe ich am liebsten", erzählt die 59-Jährige, die in ihrem anderen Leben als Anästhesieschwester im Brakeler St.-Vincenz-Krankenhaus arbeitet. „Besonders gut kann ich mich konzentrieren, wenn mein Mann direkt neben mir im Wohnzimmer fernsieht und der Hund in seinem Körbchen döst." Dass Kriminalromane mit Lokalkolorit den Nerv vieler Leser treffen, hat man beim Emons-Verlag schon beizeiten erkannt. So tummeln sich Literaturagenten immer häufiger in den diversen Internetforen, in denen Autoren ihre Leseproben einstellen können. Ludgera Vogt hatte das Glück, dass ihr Potenzial in dem Portal www.deintextdeinbuch.de von einem Literaturagenten schnell erkannt wurde. Der Rest ist Geschichte: „Bei Emons habe ich jetzt eine eigene Lektorin und bekomme entsprechende PR. Ich bin stolz und froh, gedruckt worden zu sein." Ein Jahr lang hat sie an ihrem Buch geschrieben, Charaktere und Handlung entwickelt – und dabei auch so manchen Hänger durchlebt. „In solchen Situationen hilft es mir, wenn ich selbst ein gutes Buch lese." Zu ihren literarischen Vorbildern zählen Jussi Adler-Olsen, Simon Beckett und Stieg Larsson: „Ich mag es gerne ein bisschen blutig, aber nicht zu sehr. Mord ist für mich nicht gleich Mord – in vielen Krimis sind mir die Details zu blutrünstig, da ist das Opfer häufig nicht mehr nur tot, sondern wurde auch gefoltert oder vergewaltigt. Das ist mir zu viel und so etwas könnte ich auch nicht schreiben." Ihr geht es um etwas anderes: „Ich frage mich eher, warum ein Mensch zum Mörder wird oder wie es zu der Tat kommen konnte. Mich interessiert das Rätsel und seine Auflösung." In „Libori-Lüge" ermitteln die Paderborner Kommissare Bela Aßmann und Dominik Gerke in einem Mordfall, der zunächst wie ein Unfall aussieht: Eine junge Frau ist von einem Hochhaus gestürzt und wurde unten von einem Forsythienstrauch durchbohrt. Von den Nachbarn erfahren sie, dass das Opfer alles andere als selbstmordgefährdet gewesen sei, im Gegenteil: Die Krankenschwester Louisa hatte drei Wochen Urlaub vor sich und freute sich auf die Rückkehr ihres Freundes. Das Wiedersehen sollte am nächsten Abend in einer Liebesgondel auf Libori gefeiert werden, doch stattdessen war sie nun tot. Mord oder Unfall? Schnell nimmt die Handlung an Fahrt auf und immer wieder wird der Leser an bekannte Orte geführt: Warburger Straße, Paderquellgebiet, Borchen – der Radius der Ermittlungen bleibt regional, aber es wird nie langweilig. „Die Ideen kommen mir häufig, wenn ich auf langen Strecken als Beifahrerin im Auto sitze. Oder wenn ich abends nicht einschlafen kann." Statt sich unruhig hin und her zu wälzen, reist sie lieber in Gedanken zu ihren Protagonisten und spinnt deren Geschichte weiter. „Das ist eine andere Welt, in die man sich beamt. Die Handlung darf aber keinesfalls an den Haaren herbeigezogen sein." Natürlich könnte der Krimi an jedem anderen Ort spielen, aber als gebürtige Paderbornerin, die dort auch ihre Ausbildung zur Krankenschwester absolvierte, zog sie die größere Paderstadt dem kleinen Brakel vor. Medizinische Tipps für ihre Mordsgeschichten bekommt sie aus erster Hand bei der Arbeit: „Bei der Dosierung lasse ich mich immer von einem Arzt beraten." Für die Premierenlesung, die Anfang Juli in der Paderborner Buchhandlung Linnemann stattfand, habe sie kräftig üben müssen. „Das war anfangs schrecklich. Sogar der Hund ist dann immer rausgegangen", sagt sie schmunzelnd. Auch im echten Leben hat Ludgera Vogt den trockenen Humor und die feine Selbstironie, die der Leser bei ihrem Ermittlerduo wiederfinden wird. „Mir war es wichtig, dass die Kommissare sich vertragen und Freunde sind. Nicht wie im Tatort, wo sie sich nur streiten. Persönlich mag ich den Gerke aber mehr", verrät sie. Band zwei ist schon in Vorbereitung.

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