Bei dem Feuer wurde der Dachstuhl völlig zerstört. - © David Schellenberg
Bei dem Feuer wurde der Dachstuhl völlig zerstört. | © David Schellenberg

Brakel Feuer zerstört Wohnhaus in Hampenhausen

Nachbar alarmiert Bewohner / 166 Feuerwehrleute im Einsatz

David Schellenberg

Brakel/Hampenhausen. Entsetzt stehen die Bewohner des ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesens an der Parkstraße in Hampenhausen vor dem brennenden Gebäude: „Wir sind froh, dass wir unverletzt rausgekommen sind", sagt die Mutter, die sich gerade schlafen gelegt hatte, als Nachbar Burkhard Rohde wild an die Tür klopfte und auf das Feuer im Dach des Hauses aufmerksam machte. „Wir hatten selbst noch nichts von dem Feuer bemerkt", beschreibt der Stiefsohn die Situation. Er hatte sich direkt im Geschoss unter dem Feuer aufgehalten. Mutter, Tochter und die beiden Stiefsöhne konnten ebenso wie die Hunde unverletzt raus aus dem Haus. Der Vater wird bei der Arbeit über das Unglück informiert. Um 22.33 Uhr geht am Donnerstag der Notruf bei der Feuerwehrleitstelle in Brakel ein. Aufgrund der Situationsbeschreibung wird sofort Vollalarm (Brand 3) für alle vier Löschzüge der Stadt Brakel ausgelöst, während die Löschgruppe Bökendorf das Gerätehaus in Brakel für mögliche weitere Notfälle besetzt. Nach Angaben von Einsatzleiter und Wehrführer Sven Heinemann sind 166 Feuerwehrleute sowie der Rettungsdienst, ein Notarzt und der Organisatorische Leiter des Rettungsdienstes im Einsatz. „Als wir ankamen, sahen wir aus dem Dach im vorderen Teil des Hauses Flammen schlagen", berichtet Heinemann. Das Problem: Vom Wohnhaus aus gibt es keinen Zugang zum Dachgeschoss, in dem noch Strohreste gelagert waren. Deshalb gibt es für die Feuerwehr aus Sicherheitsgründen zunächst nur die Möglichkeit, über die Drehleiter das Dach mittels eines Einreißhakens zu öffnen und von dort aus zu löschen. Um die Flammen von zwei Seiten bekämpfen zu können, werden zusätzlich die Drehleiter und ein Löschfahrzeug aus Beverungen alarmiert. „Das Risiko, einen Löschtrupp in das Dachgeschoss zu schicken, ist aufgrund des dichten Rauchs zu groß", erläutert Heinemann noch in der Nacht. Weitere Herausforderung: die problematische Löschwasserversorgung. In Hampenhausen, das auf einem Berg liegt, stehen nur ein begrenztes Hydrantennetz und ein kleiner Löschwasserteich zur Verfügung. Deshalb richtet die Feuerwehr einen Pendelverkehr nach Rheder ein, um mit Tanklöschfahrzeugen neues Löschwasser herbeizuschaffen und den Löschteich immer wieder aufzufüllen. Auch versucht die Feuerwehr, das Wasser dosiert einzusetzen, um mögliche Wasserschäden in der darunter liegenden Wohnung zu minimieren. Vergebens, wie sich im Laufe der Nacht zeigt, denn auch wenn das Stroh später mit Schaum abgedeckt wird, ist es so heiß, dass immer wieder nachgelöscht werden muss. Verhindern können die Einsatzkräfte, dass die Flammen auf Nachbarhäuser wie beispielsweise ein angrenzendes Wirtschaftsgebäude übergreifen. Auch wenn die ersten Löschgruppen schon am frühen Morgen in die Gerätehäuser zurückkehren können, ziehen sich die Nachlöscharbeiten durch immer wieder aufglimmende Glutnester den ganzen Tag über hin. Die Löschgruppen Frohnhausen und Auenhausen sowie die Drehleiter aus Brakel sind bis zum späten Nachmittag vor Ort. Der Versuch, mit einem Bagger die Giebelseite einzureißen, um das Stroh vom Dachgeschoss entfernen zu können, scheitert am Freitagnachmittag – der Baggerarm ist zu kurz. Nochmals wird eine Schaumdecke über das Stroh gelegt.Die Höhe des Sachschadens schätzt die Polizei vorsichtig auf etwa 50.000 Euro. Die Ursache des Feuers ist noch völlig unklar, die Untersuchungen der Brandermittler dauern an, wie Polizeisprecher Andreas Hellwig mitteilt. Was irritiert: Das Dachgeschoss war von der Wohnung aus nicht zugänglich und verfügte nach Angaben der Bewohner nicht über elektrische Kabel. Sie vermuten deshalb, dass der Brand durch den Kamin ausgelöst wurde. Das Wohngebäude wird durch den Brand unbewohnbar. Die fünf Bewohner kommen zunächst bei Angehörigen unter. Auch wenn sie froh ist, dass niemand verletzt wurde, sagt die Mutter: „Es gibt für uns kein Weihnachten."

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