Im Kreise seiner Zauberschüler: Der ewig Kartoffel-hungrige Petrosilius Zwackelmann in seinem Schloss. - © Manuela Puls
Im Kreise seiner Zauberschüler: Der ewig Kartoffel-hungrige Petrosilius Zwackelmann in seinem Schloss. | © Manuela Puls

Bökendorf Darsteller überzeugen bei Premiere von "Der Räuber Hotzenplotz"

Gelungener Auftakt: Das Musical "Der Räuber Hotzenplotz" feiert Premiere. Das Ensemble in Bökendorf schauspielert, tanzt und singt sich in die Herzen der Zuschauer

Manuela Puls

Bökendorf. Herrlich humorvoll und von mitreißender Lebensfreude - die ausverkaufte Premiere des Räuber Hotzenplotz auf der Bökendorfer Freilichtbühne hat etwa 1.000 Zuschauer restlos begeistert. Groß und Klein verfolgten gespannt den Fall um Omas geklaute Kaffeemühle. Das Bökendorfer Laienensemble machte dem Publikum mit Leichtigkeit gute Laune. Die meisten Lacher hatte Florian Palm als fauler und verfressener Wachtmeister Dimpfelmoser auf seiner Seite. "Es ist strengstens verboten, auf die Sitze zu pupsen", ermahnte er die Zuschauer gleich zu Beginn mit einer Mimik zum Niederknien. Großartig, wie er den dusseligen Polizisten gibt. Dimpfelmoser schreibt lieber Protokolle, schleckt Himbeereis und futtert Pflaumenkuchen, statt sich um die Gaunerjagd zu kümmern. Die sehr musikalische Version von Ottfried Preußlers Kinderbuch-Klassiker im Bökendorfer Hasenholz kommt ausgesprochen schwungvoll daher. Wunderbar ist beispielsweise der Song über das Himbeereis, der definitiv das Zeug zum Ohrwurm hat: "Wenn's vorne zwickt und hinten beißt, dann hilft dir stets ein Himbeereis." Und dazu schwoft Dimpfelmoser mit Großmutter (Anna Mohr) auf der Waldbühne. Schön, dass Omas Geheim-Rezepte gleich im Programmheft abgedruckt sind. Grandios ist auch Jonas Fromme als Kasperl und Lennart Waldeyer als Seppl. Man nimmt ihnen die Lausbuben ohne Frage ab. Und als Zuschauer spürt man einfach den Spaß, mit dem die beiden jungen Hauptdarsteller bei der Sache sind. Der freche, mit Vorliebe Namen verdrehende Kasperl und sein bester Kumpel nehmen die Aufklärung des Kaffeemühlen-Diebstahls selbst in die Hand. Sie benutzen eine sandgefüllte "Gold"-Kiste als Köder, um den Hotzenplotz (Dominik Scholz) in seinem Versteck aufzuspüren. Der Räuber mit dem langen Bart und der großen Nase kommt in Bökendorf gar nicht furchterregend, sondern fast schon liebenswert daher. Doch der Plan geht schief: Seppl wird mit der Pfefferpistole schachmatt gesetzt und muss dem Hotzenplotz den Haushalt führen. Kasperl wird zum Kartoffelschälen beim stets wutschaubenden Zauberer Petrosilius Zwackelmann (sehr überzeugend: Ralf Ahlemeyer) verdonnert. Der hat dafür noch keinen Zauberspruch gefunden: "Mach dich nackig für mich", funktioniert leider nicht. Niedlich ist auch die Schar der kleinen Räuber- und Zauber-Schüler, die Hotzenplotz und Petrosilius immer im Schlepptau haben. Und wenn der Zauberer mit seinem Motorrad über die Bühne düst, dann gehört das zu den absoluten Höhepunkten der Aufführung - genauso wie die Rauch- und Feuereffekte. Für das gute Ende sorgt die aus einer Unke (Verena Becker) zurückverwandelte Fee Amaryllis. Unterm Strich: Eine mehr als gelungene Premiere, die Lust auf den Theatersommer in Bökendorf macht. In diesem Sommer wird auf der Freilichtbühne so viel gesungen und getanzt wie noch nie. Das aktuelle Erwachsenenstück "Flashdance" ist schließlich ein Musical. "Deshalb liegt ein besonders arbeitsreiches halbes Jahr hinter uns", sagte Freilichtbühnen-Vorsitzende Verena Becker zur Saisoneröffnung. Das kann auch Peter Daldrup nur bestätigen: "Dieses Mal war der Aufwand für die Proben extrem hoch." Fünf Familienmitglieder stehen in Bökendorf auf der Bühne, vom dreijährigen Sohn bis zu Ehefrau Sonja.

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