Chance genutzt: Bewerber Tim Kohlmeyer sucht einen Ausbildungsplatz als Anwendungsinformatiker. Den könnte ihm Karen Schnurbusch, Geschäftsführerin von Chemical Check in Steinheim, bieten. Das Gespräch verlief schon mal recht positiv. - © Fotos: Helga Krooß
Chance genutzt: Bewerber Tim Kohlmeyer sucht einen Ausbildungsplatz als Anwendungsinformatiker. Den könnte ihm Karen Schnurbusch, Geschäftsführerin von Chemical Check in Steinheim, bieten. Das Gespräch verlief schon mal recht positiv. | © Fotos: Helga Krooß

Brakel Tag der Ausbildungschance im Kreisberufskolleg

Helga Krooß

Brakel. Tim Kohlmeyer zeigte sich erleichtert. Das Bewerbungsgespräch mit Karen Schnurbusch, Geschäftsführerin der Steinheimer Firma Chemical Check, verlief sehr gut. "Ich habe viel über den Betrieb erfahren und kann mir gut vorstellen, dort meine Ausbildung als Anwendungsinformatiker zu machen", sagte der 19-jährige Schüler aus Warburg. Tim Kohlmeyer ist einer von vielen weiteren noch "unversorgten" Jugendlichen, die gestern den "Tag der Ausbildungschance" im Kreisberufskolleg Brakel nutzten, um beim Azubi-Speed-Dating mit Firmen direkt ins Gespräch zu kommen und sich quasi in letzter Sekunde für einen Ausbildungsplatz zu bewerben. Zehn Minuten bleiben Firma und Auszubildenden, um sich kennen zu lernen. "Entscheidend ist hier der erste Eindruck, nicht so sehr die Zeugnisnoten", verdeutlichte Karen Schnurbusch. Für Holger Benninghoff, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg, hat das Azubi-Speed-Dating zwei wesentliche Vorteile: "Die Jugendlichen können recht unbedarft an das Speed-Dating herangehen, und sie haben die Chance in kurzer Zeit die wichtigsten Fakten zu erhalten". Details würden dann in einem zweiten Gespräch in dem Unternehmen geklärt. Angeboten wurde zudem ein Bewerbungs-Check, bei dem sich die Ausbildungssuchenden ihre Bewerbungsunterlagen von Fachleuten prüfen lassen konnten. Insgesamt waren gestern 20 Firmen im Kreisberufskolleg Brakel vor Ort und boten 32 Ausbildungsplätze an. Neun weitere Betriebe, die nicht anwesend sein konnten, warben mit Steckbriefen für 14 freie Ausbildungsplätze. "Bis Ende April hatten wir 472 unversorgte Jugendliche. Dem gegenüber stehen 454 freie Ausbildungsplätze", informierte Verena Homburg von der Agentur für Arbeit Höxter. Daher ihre dringende Bitte an die jungen Menschen, sich unbedingt noch zu melden. Eine positive Meldung hatte Marcus Cooper, Starthelfer im Ausbildungsmanagement der Handwerkskammer OWL, parat: "Im Vergleich zum Vorjahr haben wir im Kreis Höxter von Stand im April ein Plus von 10,6 Prozent an Ausbildungsverträgen zu verzeichnen". Wie Jürgen Behlke, Geschäftsführer der Zweigstelle Paderborn Höxter der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen zu Bielefeld herausstellte, wolle man mit dem Tag der Ausbildungschance im Kreis Höxter, möglichst viele Auszubildenden erreichen, die noch keinen Ausbildungsplatz haben, aber zugleich auch an die Firmen appellieren, weiterhin auszubilden. Zu den stärksten Branchen zählten Dienstleistung und Holzindustrie. Zudem wies Behlke auf die Ausbildung im Verbund hin. Der Ausbildungsverbund ermögliche Betrieben auszubilden, die für sich genommen keine Ausbildung durchführen können. Der besagte Betrieb schließt sich mit einem oder mehreren Ausbildungspartnern zusammen. Leitbetrieb ist der, der den Ausbildungsvertrag mit dem Auszubildenden abschließt und sich um alle Belange während der Ausbildung kümmert. Der Auszubildende kann zwischen den Betrieben rotieren und so das volle Umfeld der beruflichen Kenntnisse und Fertigkeiten abdecken.

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