Kontakte knüpfen auf Zeit: Die Schülerinnen Sonja Weskamp (17, v. l.) und Ann-Kathrin Müller (18) informieren sich bei den Mitarbeiterinnen des Unternehmens Goeken backen, Anne Goeken-Schmidt und Annett Tillmann über die Ausbildung und den Arbeitsalltag in Bäckereien. - © Mareike Gröneweg
Kontakte knüpfen auf Zeit: Die Schülerinnen Sonja Weskamp (17, v. l.) und Ann-Kathrin Müller (18) informieren sich bei den Mitarbeiterinnen des Unternehmens Goeken backen, Anne Goeken-Schmidt und Annett Tillmann über die Ausbildung und den Arbeitsalltag in Bäckereien. | © Mareike Gröneweg

Brakel Azubi-Speed-Dating am Berufskolleg Kreis Höxter

Berufsorientierung: Es gibt im Kreis Höxter noch etliche offene Stellen für Azubis, die im August starten. Beim Speed-Dating mit 20 Unternehmen hatten Schüler die Chance, eine Last-Minute-Stelle zu ergattern

Mareike Gröneweg

Brakel. Die Sanduhr wird umgedreht, zehn Minuten rieseln die Körnchen durch das Glas. In dieser Zeit bekommen Schüler aus dem gesamten Kreis Höxter die Gelegenheit, sich gut zu verkaufen. Wenn das gelingt, können sie eine Last-Minute-Stelle als Auszubildende bekommen. Oder zumindest wichtige Kontakte für den Weg ins Berufsleben knüpfen. Beim Azubi-Speed-Dating im Berufskolleg Kreis Höxter in Brakel warteten am Montag 20 Unternehmen aus der Region auf potenziellen Nachwuchs. „Im Speed-Dating können Schüler sich auch unabhängig von ihren Noten präsentieren. Wir haben mit dem Format gute Erfahrungen gesammelt", sagt Jürgen Behlke, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Paderborn-Höxter. Die IHK organisiert den sogenannten Tag der Ausbildungschance gemeinsam mit der Agentur für Arbeit, der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg, der Abteilung Bildung und Integration des Kreises Höxter und der Handwerkskammer (HWK) Ostwestfalen-Lippe (OWL). Das Resümee der Unternehmen war positiv Das Resümee der Unternehmen war positiv: „Pro Jahr gewinnen wir mindestens einen Azubi über das Speed-Dating", berichtet Anne Goeken-Schmidt, Personalleitung bei Goeken backen. Zwar habe sie einige Schüler ansprechen müssen, da sie Berührungsängste mit den Unternehmen hatten. Aber: „Beim Speed-Dating kann man im direkten Gespräch auch mit Klischees über den Beruf aufräumen", so Goeken-Schmidt. Die 18-jährige Ann-Kathrin Müller hat sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und beim Tisch der Bäckerei Goeken backen direkt nachgefragt. „Ich backe zuhause gerne Kuchen und dekoriere ihn. Ich kann mir gut vorstellen, demnächst ein Praktikum in dem Betrieb zu machen", sagt Müller nach ihren zehn Minuten. Anders als auf Zeugnissen kann beim Speed-Dating Sozialkompetenz bewiesen werden Am Montag erzielte das Azubi-Speed-Dating einen Rekord: Noch nie stellten sich so viele Unternehmen vor. Eingeladen wurden Schüler aller allgemeinbildenden Schulen. Die Agentur für Arbeit hat zusätzlich alle Jugendliche im Kreis angeschrieben, die noch auf der Suche nach einer Stelle sind. „Bei uns sind circa 100 registriert, die noch unversorgt sind", berichtet Tanja Hartmann, stellvertretende Geschäftsführerin des Jobcenters Kreis Höxter. Der Erfolg des Speed-Dating-Formates für Bewerber zeigt auch, dass Azubis in manchen Berufssparten händeringend gesucht werden: „Wir stellen seit Jahren fest, dass der Markt sich dreht. Die Unternehmen suchen", sagt Rüdiger Matisz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Paderborn. Während die Bewerberzahlen stagnieren, seien die Angebote von Betrieben gestiegen. „Auf dem ersten Platz der unbesetzten Berufsausbildungsstellen im Kreis Höxter stehen Kaufmänner und Kauffrauen im Einzelhandel. Darauf folgen Fachverkäufer in Bäckereien", schildert Matisz. Das Speed-Dating hat laut Matisz zudem den Vorteil, dass Sozialkompetenz bewiesen werden kann, die nicht vom Zeugnis ablesbar ist. „Und das Format hat einen Last-Minute-Charakter, da es vor dem Ausbildungsstart im August eine der letzten Berufsbörsen ist." „Der Trend auf dem Berufsmarkt geht wieder ins Handwerkliche" Eine wichtige Rolle beim Tag der Ausbildungschance spielt das Handwerk. „Wir sind stolz, dass wir hier zum Zeitpunkt des Fachkräftemangels als Unternehmen so zahlreich vertreten sind", sagt Andreas Holz, Ausbildungsberater der HWK OWL. „Der Trend auf dem Berufsmarkt geht wieder ins Handwerkliche", prognostiziert auch Franz-Hermann Allerkamp, Geschäftsführer der Kreishandwerkschaft Höxter- Warburg. Um das zu fördern, sei es in handwerklichen Branchen ein wichtiges Anliegen, Nachwuchs zu suchen. Ein weiterer Faktor, der für eine Ausbildung spricht, sei die hohe Zahl an Studienzweiflern: „Besser wäre es, wenn viele der Studienabbrecher von Anfang an ein duales System für sich gewählt hätten. Außerdem ist die Ausbildung im Unterschied zum Studium bedarfsorientiert, was die Übernahme-Chancen erhöht", berichtet Behlke.

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