Handgestrickt: Babysöckchen oder Schmusetierchen gibt es für jede werdende Mutter, die zur Beratung kommt. Zum Team gehören Mechthild Fernhomberg (v.l.), Michaela Aisch, Andrea Röhrscheid und Caritas-Chef Thomas Rudolphi. Foto: Manuela Puls - © Manuela Puls
Handgestrickt: Babysöckchen oder Schmusetierchen gibt es für jede werdende Mutter, die zur Beratung kommt. Zum Team gehören Mechthild Fernhomberg (v.l.), Michaela Aisch, Andrea Röhrscheid und Caritas-Chef Thomas Rudolphi. Foto: Manuela Puls | © Manuela Puls

Brakel Mehr als 1.000 Beratungsgespräche

Die Schwangeren-Beraterinnen der Caritas ziehen in Brakel Bilanz

Manuela Puls

Brakel. „Der Beratungsbedarf bleibt konstant hoch“, sagen die Mitarbeiterinnen der katholischen Caritas-Schwangerschaftsberatungsstelle im Kreis Höxter. Genau 304 Klienten hatten die beiden Sozialarbeiterinnen im vergangenen Jahr betreut. Insgesamt haben sie weit über 1.000 Gespräche geführt. Am häufigsten suchen werdende und junge Eltern die Beratungsstelle auf, weil sie finanzielle Sorgen haben und sich über ihre Ansprüche informieren wollen. Zum Beispiel was Elternzeit, Kindergeldzuschlag oder Wohngeld angeht. „Das betrifft gerade die mit geringem Einkommen im Graubereich oberhalb vom Jobcenterbezug“, sagt Sozialpädagogin Mechthild Fernhomberg. Immer öfter seien aber auch psychische Belastungen der Schwangeren ein Thema. Da gibt es zum Beispiel die ganz jungen Schwangeren, die sich fragen, wie sie Schule oder Ausbildung zu Ende bringen sollen. Oder die über 40-Jährigen, die so gar nicht mehr auf Nachwuchs eingestellt waren. „Der Hauptteil unserer Klienten ist aber 27 bis 34 Jahre alt“, betont Michaela Aisch, die seit August die Nachfolge von Stephanie Fischer angetreten hat. Erfreulicherweise komme mittlerweile häufig auch der Vater mit zum Gespräch. „Es gibt aber natürlich auch die Alleinerziehende, die sich fragt, wo sie ihre anderen drei Kinder lässt, wenn die Wehen einsetzen“, erzählt Michaela Aisch. Auch in den ersten drei Lebensjahren des Kindes stehen die beiden Beraterinnen noch zur Verfügung. „Zum Beispiel, wenn die Mutter nach achtmal nachts aufstehen einfach am Ende ihrer Kräfte und überlastet ist“, sagt Mechthild Fernhomberg. Oder wenn sich die Frage stellt, ob die Frau überhaupt in der Lage ist, das Kind zu erziehen, zum Beispiel durch Gewalt in der Beziehung oder eine Suchtproblematik. Da nutzen sie dann ihre Kontakte zum Hilfsnetz des Caritasverbandes, um ganz schnell Termine zu bekommen. Da ist es dann sehr von Vorteil, dass bei der Caritas alle Dienste unter einem Dach sind. „Wenn sich zum Beispiel abzeichnet, dass ein Kind behindert zur Welt kommen wird, können gleich die Kollegen der Frühförderung zwei Türen weiter einbezogen werden“, erläutert Thomas Rudolphi, der neue Caritasvorstand im Kreis Höxter. Oft ist die Schwangerenberatung also eine Art Türöffner zu weiteren Hilfsangeboten. Das Wichtigste ist für die beiden Beraterinnen aber, die Sorgen und Nöte der Frauen ernst zu nehmen. Und das spricht sich offenbar herum: „Wir hatten schon komplette Geburtsvorbereitungskurse, die nach und nach zu uns gekommen sind“, lacht Fernhomberg. Sie und ihre Kollegin seien schließlich zur Verschwiegenheit verpflichtet und seien als professionelle, externe Fachleute oft einfach der bessere Ansprechpartner als die Schwiegermutter oder die Freundin. Falls nötig kommen die beiden Beraterinnen übrigens auch zum Hausbesuch. Demnächst wollen sie auch rausfahren, um Schulen und Gruppierungen stärker über ihre Arbeit zu informieren. Wer übrigens zum Beratungsgespräch kommt, darf sich anschließend ein paar handgestrickte Baby-Söckchen oder ein Schmusetuch für den Nachwuchs mitnehmen. Für Nachschub sorgen acht ehrenamtliche Handarbeiterinnen.

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