Waldquelle: Josef Kleibrink mit Enkel Thore an einer der Quellfassungen im Erkelner Vogelsang. - © Manuela Puls
Waldquelle: Josef Kleibrink mit Enkel Thore an einer der Quellfassungen im Erkelner Vogelsang. | © Manuela Puls

Erkeln Unterschriften für Erkelner Vogelsang-Wasser

Josef Kleibrink kämpft gegen die Schließung des Brunnens im Wald

Manuela Puls

Erkeln. Josef Kleibrink ist 82 Jahre alt, und zeitlebens trinkt er täglich das Wasser aus dem Vogelsang. Damit das so bleibt, hat der rüstige Rentner 135 Unterschriften gegen die Schließung des Erkelner Brunnens gesammelt. Denn falls die zentrale Wasserenthärtung in Brakel kommt, soll die Quelle im Wald bei Erkeln (wie auch der Schmechtener Brunnen) nicht länger genutzt werden. Der Wald ist im Vogelsang durchzogen von mehreren Bächlein. Thore Kleibrink ist mit seinem Opa hierher gekommen und schöpft das klare Wasser mit den Händen: „Schmeckt gut", meint der Zehnjährige. Seit mehr als 100 Jahren wird Erkeln aus dieser Quelle mit Trinkwasser versorgt. Schon vergleichsweise früh, nämlich 1910, wurde jeder Haushalt im Ort damit beliefert – damals sogar kostenlos. „Das Wasser aus dem Vogelsang ist ein Stück Heimat", betont der Großvater. Deswegen hat der Landwirt im Unruhestand den Kampf um das Erkelner Wasser aufgenommen und ist im 554-Seelen-Dorf von Haus zu Haus gegangen, um Unterschriften zu sammeln: „Junge und alte Leute haben unterzeichnet, manche sind sogar extra deswegen zu mir gekommen", sagt Josef Kleibrink. Für die Erkelner kann seiner Meinung nach alles so bleiben, wie es ist. „Wir wollen das teure Brakeler Wasser nicht", so der 82-Jährige. Hintergrund: Der Preis für einen Kubikmeter Wasser würde durch die Enthärtung um etwa 68 Cent steigen. Gerade für Landwirte sei das viel Geld: „Die müssen ja auch ihr Vieh mit dem teuren Wasser tränken und ihre Felder damit spritzen", argumentiert Kleibrink. Er hält das Wasser aus dem Vogelsang für sehr gut: „Eine bekannte Brauerei wirbt sogar mit ihrem Felsquellwasser und hier soll unser Waldbrunnen zugemacht werden", schimpft der Senior. Der hohe Kalkgehalt störe die meisten nicht. „Ab und zu Essig in den Wasserkocher ist kein Problem", betont Kleibrink. Einige hätten ohnehin schon private Enthärtungsanlagen im Keller. Und auch Nitratgehalt macht ihm keine Sorgen: „Das Nitrat war ab und zu mal an der Grenze, das hat sich aber immer schnell wieder regeneriert." Die Verwaltung gibt dagegen zu bedenken, dass das Wasser aus dem Vogelsang aus oberflächennahen Schichten stammt und deswegen einen vergleichsweise hohen Nitratgehalt hat. „Das Vogelsang-Wasser hat gegenüber dem restlichen Brakeler Trinkwasser keine qualitativen Vorteile", heißt es in einer Stellungnahme der Verwaltung. Außerdem befürchtet man im Brakeler Rathaus, dass demnächst erhebliche Investitionen an den Quellfassungen und dem Leitungssystem fällig sind. Auch sei die aus der Quelle gewonnene Trinkwassermenge relativ gering. Auch das sieht Josef Kleibrink anders: „Die Quelle hat selbst in extrem trockenen Jahren immer für Erkeln ausgereicht", führt er an. Dass aus dem Vogelsang inzwischen weniger Wasser geflossen kommt, kann er allerdings bestätigen: „Früher haben wir in dem Bach Milchkannen gekühlt, heute wäre das kaum mehr möglich." Die Stadt Brakel hat die Unterschriftenliste bereits erhalten. Demnächst sollen sich der Bezirksausschuss und heute der Betriebsausschuss mit dem Thema befassen. Die Verwaltung hat bei ihrer eigenen Umfrage zur geplanten zentralen Wasserenthärtungsanlage allerdings in Erkeln ein anderes Meinungsbild abgefragt: 78 Haushalte hatten sich daran beteiligt, davon hatten sich 46 dafür ausgesprochen. Zu diesem Zeitpunkt sei vielen aber nicht bewusst gewesen, dass damit die Schließung des Vogelsang-Brunnens einher gehen würde, gibt Josef Kleibrink zu bedenken. Ob das Projekt zentrale Wasserenthärtung in Brakel umgesetzt wird, steht noch nicht fest. Hier sollen erst die Ergebnisse des Pilotversuchs abgewartet werden.

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