Wollen Jugendliche aktivieren: Jan Schametat (l., Zukunftszentrum Holzminden/Höxter) und Lars Sandelmann (Projekt Begegnung) sind verantwortlich für LandAufSchwung - H!er gestalten. Als beispielhaftes Projekt dient eine Monopoly aus Lauenförde. - © Manuela Puls
Wollen Jugendliche aktivieren: Jan Schametat (l., Zukunftszentrum Holzminden/Höxter) und Lars Sandelmann (Projekt Begegnung) sind verantwortlich für LandAufSchwung - H!er gestalten. Als beispielhaftes Projekt dient eine Monopoly aus Lauenförde. | © Manuela Puls

Brakel Dorf-Rallye mit dem Tablet

Jugendliche in den Kreisen Höxter und Holzminden sollen eigene Spielideen entwickeln

Manuela Puls

Brakel. Nach der Schule ab ins Studium oder zur Ausbildung in die Großstadt – und schon sind sie weg. Das Projektes „H!er gestalten" in den Kreisen Höxter und Holzminden will diese Abwanderung stoppen und Jugendliche zum Bleiben bewegen. Am Samstag wurde es im Brakeler Kletterzentrum vorgestellt. In 60 Projekten in beiden Kreisen dies- und jenseits der Weser sollen Jugendliche in den nächsten zwei Jahren eigene Spiele oder Spielgeräte entwickeln. Dabei werden sie betreut und zum Beispiel mit den nötigen Materialien versorgt. „Die Idee ist, Jugendliche zu ermuntern, sich zu engagieren und zu beteiligen", erklärt Lars Sandelmann vom federführenden Projekt Begegnung. Bis Ende 2019 steht dafür richtig viel Geld bereit: 270.000 Euro Bundesmittel aus dem Topf „Land(auf)Schwung" sind bereits bewilligt. Deswegen kann sich die Grundausstattung schon jetzt sehen lassen: Es gibt einen Werkzeugkoffer mit Vollausstattung von Akkuschrauber bis zur Flex, einen 3-D-Laserdrucker und acht Tablets, die zum Beispiel für Dorf-Rallyes genutzt werden können. Und es soll ein Verleihpool aufgebaut werden, wo Jugendgruppen sich Material besorgen können. Denkbar wären eine Torwand, eine Tischtennisplatte oder ein Bunge-Run – dabei rennt man an Gummi-Seilen festgebunden über eine Art Luftkissen. Denn in einer Studie mit Neuntklässlern kam heraus, dass am ehesten die hierbleiben, die in Gemeinschaften eingebunden sind. Gemeint sind damit zum Beispiel Jugendgruppen, aber auch Sport- oder Musikvereine, die Jugendfeuerwehr oder die Pfadfinder. „Das bindet am stärksten an die Region", hat Jan Schametat vom Zukunftszentrum Holzminden Höxter herausgefunden. Am ehesten bleiben die jungen Leute, die sich engagieren Überraschenderweise ist diese Verbundenheit umso stärker, je kleiner der Wohnort ist. „Wir hatten eigentlich gedacht, dass die Zufriedenheit in den Städten mit mehr Infrastruktur und Freizeitangeboten größer ist", sagt Jan Schametat. Aber weit gefehlt: Die Dorfjugend will eher bleiben, auch wenn der letzte Bäcker- oder Tante-Emma-Laden längst zugemacht hat. Deswegen setzt „H!er gestalten" beim Thema Gemeinschaft an: Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren sollen eigene Projekte entwickeln und dabei gleichzeitig die Region besser kennenlernen. „Was am Ende herauskommt, weiß ich nicht. Das Ganze ist bewusst ergebnisoffen, weil die Jugendlichen sich einbringen sollen", betont Projektleiter Lars Sandelmann. Er will in den nächsten zwei Jahren etwa 50 Jugendgruppen besuchen, zehn weitere werden von der Künstlerin Laura Schlütz betreut werden. Wie das konkret aussehen könnte, erläutert Andreas Roth anhand eines Leitergolfs: „Das könnte man zum Beispiel mit den Türmen der Abtei Marienmünster gestalten." So ein Spielgerät könnte dann in den Materialpool wandern. Der Nieheimer weiß aus eigener Erfahrung, dass am ehesten die jungen Leute bleiben, die sich engagieren. „Wer um mich herum gebaut hat, war fast immer in einem Verein", berichtet er. Ganz bewusst würden bei dem Projekt die kleinen Ortschaften einbezogen, nicht nur die Kernstädte, die ja meist schon mit hauptamtlich betreuten Jugendtreffs gut versorgt seien. Dabei müssten die Projekte auf jeden Fall überschaubar bleiben. „Jugendliche haben heute allein schon durch die Schule weit mehr als eine 40-Stunden-Woche", betont Andreas Roth. Sein handwerklich versierter Kollege Peter Kamischke zeigt, wie Jugendliche aus ganz einfachen Mitteln wie ein paar Holzklötzen und Seil ein Wurfspiel bauen können. So könnten die Projekte aussehen, die im Rahmen von „H!er gestalten" entstehen. „Es kann aber auch das XXL-Schachfeld, ein Mensch-Ärgere-Dich nicht oder ein Monopoly wie das aus Lauenförde sein", ergänzt Lukas Stille, der ebenfalls bei „H!er gestalten" mitmacht. Kontakt: Lars Sandelmann, Tel.: (01 52) 57 80 59 61, www.projekt-begegnung.de/hier-gestalten

realisiert durch evolver group