Diskussion: Staatssekretär Heinrich Bottermann (v. l.) , Moderator Ludger Schulze Pals und die Jungbauern Michael Rose (31, Eversen), Tom Rose (23, Calenberg)und Charlotte Peine (23. Daseburg). - © Burkhard Battran
Diskussion: Staatssekretär Heinrich Bottermann (v. l.) , Moderator Ludger Schulze Pals und die Jungbauern Michael Rose (31, Eversen), Tom Rose (23, Calenberg)und Charlotte Peine (23. Daseburg). | © Burkhard Battran

Brakel Bauernlobby im Kreis Höxter verteidigt Glyphosat

Kreisbauerntag: 300 Landwirte treffen sich in der Brakeler Stadthalle

Burkhard Battran

Kreis Höxter/Brakel. „Unsere Lebensmittel sind so sicher wie noch nie in der Menschheitsgeschichte". Das sagt nicht der Kreislandwirt, und auch nicht der Landwirtschaftsminister. Das sagte der Kabarettist Dieter Nuhr in seiner Dezembersendung in der ARD. Woher er das weiß, sei dahingestellt. Aber er sprach damit dem Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Antonius Tillmann, aus der Seele. „Gucken Sie sich das mal auf Youtube an, da sagt er alles viel besser, als ich es könnte", erklärte Tillmann gestern vor rund 300 Landwirten in der Brakeler Stadthalle beim 74. Kreisbauerntag. Tillmann räumte ein, dass der Hersteller Monsanto nicht gerade einen guten Ruf habe, aber das Pflanzenschutzmittel Glyphosat sei ein wirksames Herbizid um „Altverunkrautung und Ungräser günstig zu bekämpfen". »Wenn man sich das Zeug fassweise reinzieht, jeden Tag, 300 Jahre lang« Oder um es mit Dieter Nuhr zu sagen: „Glyphosat erregt erst Krebs, wenn man sich das Zeug fassweise reinzieht, jeden Tag, 300 Jahre lang." Kritik übte Tillmann an missbräuchlichem Einsatz: „Wenn Glyphosat mit dem Flugzeug ausgebracht wird und Siedlungen eingenebelt werden, dann liegt das nicht an dem Pflanzenschutzmittel, sondern an der kriminellen Energie der Großgrundbesitzer", forderte der Vorsitzende zu einem maßvollen Einsatz auf. So sah das auch der neue Staatssekretär im Umweltministerium Heinrich Bottermann (62, CDU) aus Borken. „Unsere Landwirte gehen geschult damit um. Allerdings muss man sich fragen, ob es nötig ist, dass die Bahn mit Glyphosat ihre Gleise abspritzt oder Bauhöfe es in öffentlichen Grünanlagen einsetzen", sagte der Staatssekretär. Ein anderes zentrales Thema bildete die Diskussion zur Umsetzung von mehr Tierwohl. Ein Oberverwaltungsgericht und das Bundesverwaltungsgericht hatten entschieden, dass die sogenannte Kastenstallhaltung von Schweinen nicht mit Tierwohlanforderungen vereinbar sei. Jungbauer Michael Rose (31) aus Eversen beklagte, dass er kurz vor dem Urteil noch in so eine Anlage investiert hätte und forderte mehr Verlässlichkeit bei den Rahmenbedingungen. Staatssekretär Bottermann betonte, dass es gerade auch bei der Frage des Tierwohls wichtig sei, neue Erkenntnisse zum Wohle des Tieres umzusetzen, allerdings müsse es dafür auch angemessene Übergangsfristen geben. „Es ist niemandem geholfen, wenn Betriebe schließen müssen, weil sie die Auflagen nicht von heute auf morgen erfüllen können", sagte Bottermann. Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl plädierte für mehr Akzeptanz des Bauernstandes bei der Bevölkerung. „Ich erlebe gerade auch im Kreis Höxter, dass die Landwirtschaft ihr Handeln stets selbstkritisch hinterfragt", sagte Thomann-Stahl. Der Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Hans-Josef Hanewinkel, wies auf die wachsende Sensibilität beim Thema Tierwohl hin. „Wir sollten das nicht als Bürde, sondern als Chance begreifen, den zukünftigen Entwicklungen eine stabile und sinnvolle Richtung zu geben", betonte Hanewinkel.

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