Effiziente Technik: Durch neue Pumpen für die Heizungsanlage wird bei der Istruper Bürgerhalle viel Energie eingespart. Hausmeister Sebastian Berndt hat sie eingebaut (l.) - Fördervereinsvorsitzender Hartmut Krömeke freut sich über stark gesunkene Heizkosten. - © Manuela Puls
Effiziente Technik: Durch neue Pumpen für die Heizungsanlage wird bei der Istruper Bürgerhalle viel Energie eingespart. Hausmeister Sebastian Berndt hat sie eingebaut (l.) - Fördervereinsvorsitzender Hartmut Krömeke freut sich über stark gesunkene Heizkosten. | © Manuela Puls

Istrup Smarte Bürgerhalle und E-Mobil für Istrup

Schlaue Technik: Die Istruper machen vor, wie eine Gemeindehalle Energie sparen kann. Ihre neuesten Ideen sind eine Photovoltaik-Anlage mit Elektro-Tankstelle und ein strombetriebenes Dorfauto

Manuela Puls

Istrup. Beim Energiesparen macht den Istrupern so schnell keiner was vor: Hausmeister Sebastian Berndt hat die Bürgerhalle technisch so auf Vordermann gebracht, dass die monatlichen Strom- und Heizkosten halbiert wurden. Und Hartmut Krömeke vom Hallenförderverein hat noch mehr innovative Ideen: Seine Vision ist eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, eine E-Tankstelle vor der Tür und ein strombetriebenes Dorfmobil für alle Bürger. Es war ein echter Glücksfall, dass sich ausgerechnet Sebastian Berndt die Hausmeisterwohnung in der Istruper Bürgerhalle eingemietet hat. Mit ihm zog energiesparende High-Tech ein. Der 25-jährige ist von Beruf Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik und geht gerade zur Meisterschule. Dem Fachmann fiel natürlich sofort auf, was in der Istruper Bürgerhalle alles im Argen lag und machte das zu seinem ganz persönlichen Projekt, das er „Bürgerhalle 4.0" nennt. Einsparungen durch LED-Technik „Ich habe in den kleineren Räumen sehr viele Lampen in moderne LED-Technik ausgetauscht und auf den Fluren und in den Toiletten Bewegungsmelder installiert", erzählt Sebastian Berndt. Vorbei sind die Zeiten, als man sich durchs Finstere zum Schaltkasten tasten musste, um für Erleuchtung zu sorgen. Und es muss auch niemand mehr im Dunkeln auf dem Klo sitzen. Auch der Heizungsanlage nahm sich der neue Hausmeister an: Gemeinsam mit Hartmut Krömeke überzeugte er den Förderverein, trotz leerer Kassen in neue Heizkörper, effiziente Pumpen und eine smarte Steuerung zu investieren. Und das zahlte sich aus: „Monatlich haben wir jetzt nur noch 300 statt 600 Euro Energiekosten, obwohl die Halle sehr gut gebucht und viel genutzt wird", sagt Berndt. Steuerung übers Smartphone Zum Beispiel gibt es jetzt schlaue Heizkörper, die automatisch an- und ausgehen. Alles ist genau abgestimmt auf die Nutzungszeiten der einzelnen Räume wie Jugendraum, Kegelbahn oder Musikraum: „Wenn ein Chor oder der Spielmannszug probt, fährt die Heizung zwei Stunden vorher hoch und geht auch von allein wieder aus", erklärt Hartmut Krömeke vom Förderverein. Keiner muss mehr zum Heizkörper aufdrehen vorbeikommen. Wenn ein Fenster oder eine Tür geöffnet wird, schaltet sich die Heizung übrigens von allein ab. Und Sebastian Berndt kann sogar alles über sein Handy steuern: Er tippt kurz aufs Display, schon erlischt das Licht in der großen Halle. Dort ist auch seine nächste Baustelle. Die alten Neonröhren kommen weg, stattdessen gibt’s schon bald dimmbare LEDs. „Die sorgen nicht nur für eine gemütliche Atmosphäre, sondern können sogar auf zu viel Lärm reagieren", sagt Sebastian Berndt. Wie genau die Lärmampel funktionieren soll, will er noch austüfteln. Istruper erhalten Innovationspreis Die Istruper haben für diese Idee sogar einen mit 15.000 Euro dotierten Innovationspreis bekommen und noch einen EU-Fördertopf angezapft. Überhaupt sind sie ziemlich findig, was das Erschließen von Geldquellen angeht. Regelmäßig beteiligen sie sich erfolgreich an Wettbewerben. „Schon jetzt kann man hier bei uns in Istrup CO2 frei mit ökologisch gutem Gewissen feiern", macht Hartmut Krömeke Werbung in eigener Sache. Und die Istruper trauen sich, Zukunftspläne zu schmieden. Langfristig will die Stadt Brakel auf dem Dach der Istruper Halle eine 20 Kilowatt Photovoltaikanlage für 46.000 Euro installieren. „Die kann dann später mit finanzieller Beteiligung der Bürger auf 40 Kilowatt erweitert werden", meint Hartmut Krömeke. Idee eines Dorfmobils Er kann sich gut vorstellen, dass mit dem selbst erzeugten Strom nicht nur Halle und Hausmeisterwohnung zu versorgen, sondern auch eine Ladestation für Elektrofahrzeuge vor der Tür. Hartmut Krömeke schwebt ein Dorfmobil vor, das allen Istruper Bürgern zur Verfügung steht: „Da können die jungen Leute die Senioren zum Einkaufen oder zum Arzt in die Stadt fahren, und die rüstigen Rentner bringen sie im Gegenzug abends zur Fete", stellt sich der Fördervereinsvorsitzende Krömeke vor. Quasi ein Bürgerbus im kleinen Stil, wie es für ein 670-Einwohner-Dorf passend ist.

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