Nachwuchspoeten: Beim kreisweiten Finale zeigten Schüler und Studierende aus dem Kreis Höxter in der Brakeler Stadthalle ihr Können am Mikrofon. - © Madita Schellenberg
Nachwuchspoeten: Beim kreisweiten Finale zeigten Schüler und Studierende aus dem Kreis Höxter in der Brakeler Stadthalle ihr Können am Mikrofon. | © Madita Schellenberg

Brakel/Kreis Höxter Poetry Slam in Brakeler Stadthalle

Beim Poetry Slam in der Stadthalle Brakel treten Nachwuchsdichter mit fantasievollen Kurzgeschichten gegeneinander an. Die Jury wird spontan aus dem Publikum gewählt

Madita Schellenberg

Brakel/Kreis Höxter. Fantasie, eine selbstbewusste Körpersprache und Glaubwürdigkeit - mit diesen Zutaten begeisterten junge Poeten beim kreisweiten Poetry Slam in Brakel. Für viele der Nachwuchsdichter war der Auftritt vor großem Publikum eine Premiere. Umso beeindruckender, wie nachhaltig die Schüler und Studierenden ihre Zuhörer mit ihren selbstverfassten Geschichten und Gedichten begeistern konnten. "Poetry Slam ist wie Kino im Kopf", freute sich Brakels Bürgermeister Hermann Temme auf das "wunderbare Event", das für die Zuhörer eine Vielzahl an fantasievollen Kurzgeschichten und Gedichten bereithielt. So gewährte Maik Eisen Einblicke in Situationen, in denen "das Leben einen mal so richtig fertig macht". Die Leere, die Dunkelheit, die Verzweiflung - all das ließ er sein Publikum mitfühlen und riet am Ende doch: "Lasst die Hoffnung Antrieb sein". Denn auf Freunde und Familie sei Verlass, sie seien Retter in der Dunkelheit. Mit seinem teils düsteren Text nutzte der junge Erwachsene einen großen Teil der zur Verfügung stehenden Zeit von sechs Minuten, die jeder Teilnehmer auf der Bühne bekam. Auch Timothy Görzen suchte rund fünf Minuten lang im Öden etwas Interessantes, und begeisterte mit seinem hervorragend getexteten Humor das Publikum. Mit seinen Händen formte er ein Fernglas und schaute ins Leere - schließlich lautete auch der Titel seines Textes schlicht "Öde". Öde fand das Publikum seinen Auftritt allerdings gar nicht: Die Zuhörer bejubelten Görzens groteske Poesie lautstark. Deutlich weniger Zeit reichte Teilnehmerin Janine Brune, um ihren Gedanken "über ein Sinnesorgan" Ausdruck zu verleihen. In nur knapp zwei Minuten nahm sie die Gäste mit auf die Reise ihres Auges. "Während ich wandere auf der Haut, die dich umgibt, bin ich ein Körperwanderer, wenn es so etwas gibt", sprach sie im Text ihr Gegenüber an. Bewertet wurde die Poesie jedes Teilnehmers von einer zehnköpfigen Jury, die zu Beginn der Veranstaltung von den Moderatoren Karsten Strack und Marc-Oliver Schuster, beide selbst ausgezeichnete Wortakrobaten, aus dem Publikum ausgesucht wurde. Bei Wertungsmöglichkeiten zwischen einem Punkt und der höchsten Punktzahl zehn hätten die beiden Moderatoren am liebsten nichts Niedrigeres als die Zahl sechs gesehen - "denn die Teilnehmer sind verdammt gut", lobten Strack und Schuster im Vorfeld des kreativen Wettbewerbs. Die Juroren ließen sich von diesem Hinweis unbeeindruckt und zeigten sich bei einigen Auftritten durchaus kritisch. Ein großes Lob für alle Teilnehmer gab es von Vertretern des nordrhein-westfälischen Jugendministeriums und des Kreises Höxter. Sie würdigten den Mut und das beeindruckende Können der jungen Poeten. Sieger des Poetry Slams in der Brakeler Stadthalle war am Ende übrigens Julian Brühl. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Timothy Görzen und Christine Balau.

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