Leben in der ZUE: Die Beratungen finden in der zentralen Unterbringungseinrichtung statt. - © Günter Schumacher
Leben in der ZUE: Die Beratungen finden in der zentralen Unterbringungseinrichtung statt. | © Günter Schumacher

Borgentreich Psychosoziale Beratung: Positive Bilanz für Pilotprojekt in der ZUE in Borgentreich

In einem Jahr fanden 550 Beratungen statt

Borgentreich. Psychosoziale Beratung für Flüchtlinge kann helfen, Konflikte zu vermeiden, und fördert die Integration: Davon sind alle Kooperationspartner eines Modellprojekts in Borgentreich überzeugt. Seit Mai 2016 bietet dort die Diakonie Paderborn-Höxter in der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes NRW für Flüchtlinge eine psychosoziale Beratung an - als Hilfe für besonders schutzbedürftige, häufig traumatisierte Menschen. Psychologische Beratungsangebote gehören derzeit nicht zum Beratungsangebot in Unterbringungseinrichtungen für Flüchtlinge des Landes NRW. Das Modellprojekt der psychosozialen Beratung ist auf zwei Jahre angelegt und läuft bis April 2018. In seinem Rahmen soll ermittelt werden, ob in Unterbringungseinrichtungen des Landes eine regelmäßige psychosoziale Beratung und Betreuung notwendig ist - neben der bestehenden Asylverfahrensberatung sowie der medizinischen Versorgung durch Sanitätsstation und Ärzte. Jetzt haben die beteiligten Projektpartner ein erstes positives Fazit gezogen: "Die bisherigen Erkenntnisse aus dem Modellprojekt zeigen, dass psychosoziale Beratung und Begleitung in ZUEs notwendig ist", erklärt Jutta Vormberg, Vorstand der Diakonie Paderborn-Höxter. In vielen Fällen konnte den besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen geholfen werden, viele sind psychisch stabiler geworden. "Alle Kooperationspartner vor Ort bestätigen die positive Entwicklung", so Vormberg. Sie dankt der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) und dem Evangelischen Kirchenkreis Paderborn, die das Projekt finanziell unterstützen, ebenso der Bezirksregierung Detmold, die die ZUE leitet, und der Betreuungsorganisation der Malteser. Durch die Unterstützung und enge Kooperation aller Beteiligten sei es möglich geworden, dieses Modellprojekt durchzuführen. "Mit der Förderung des Projektes möchte die Evangelische Kirche von Westfalen ein Zeichen dafür setzen, dass die individuellen Folgen von Krieg, Flucht und Vertreibung für Geflüchtete in der Landesunterbringung Beachtung finden müssen und können. Wir hoffen, dass es sich auf die Gesamtkonzeption des Landes für die Unterbringung auswirkt", erklärt Pfarrer Helge Hohmann, Beauftragter für Zuwanderungsarbeit der EKvW. Zwischen Mai 2016 und April 2017 wurde die Beratungsstelle von 129 Personen aufgesucht. In diesem Zeitraum fanden 550 Beratungskontakte mit Einzelpersonen, Familien und Paaren statt. 20 Prozent der Männer und 10 Prozent der Frauen berichteten über Gewalterfahrungen. Positive Rückmeldungen kommen auch von Flüchtlingen, der Betreuungsorganisation der Malteser und von Kommunen. Das Leben in der Unterkunft sei friedlicher geworden, berichten Betreuer und Bewohner. Die Evangelische Kirche von Westfalen unterstützt das Modellprojekt aus ihren Sondermitteln für Flüchtlingsarbeit. Sie hat 80 Prozent der Personalkosten für die zweijährige Laufzeit übernommen (rund 85.000 Euro). Weitere 20.000 Euro stellt der Evangelische Kirchenkreis Paderborn aus eigenen Mitteln zur Verfügung. Träger des Modellprojektes ist die Diakonie Paderborn-Höxter. Für das Modellprojekt wurde eine Stelle im Umfang von 30 Wochenstunden eingerichtet und mit einer Diplom-Psychologin besetzt. Beratungsanlässe sind zum Beispiel Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, innere Unruhe, Depressionen oder depressive Verstimmungen, Angststörungen und Alpträume. Die psychosoziale Erstberatung bietet entlastende, stützende Gespräche und erste stabilisierende Maßnahmen, die die betroffenen Personen auffangen und für Sicherheit sorgen.

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