Aus den ersten Ideen in den Dorfwerkstätten entstanden konkrete Projekte: Hans Hermann Bluhm (Bürgermeister Stadt Willebadessen), Rainer Rauch (Bürgermeister Stadt Borgentreich), Andrea Klädtke (Bezirksregierung Detmold), Sabrina Schlomski (SWECO GmbH), Hartmut Lüdeling (Planungsbüro ARGE Dorfentwicklung), Helena Heiermeier (Stadt Willebadessen), Elvira Tewes (Stadt Borgentreich) und Helge Jung (Planungsbüro ARGE Dorfentwicklung) halten die gebundene Konzeptgrundlage für die vielen Einzelprojekte in ihren Händen. - © Saskia Jochheim
Aus den ersten Ideen in den Dorfwerkstätten entstanden konkrete Projekte: Hans Hermann Bluhm (Bürgermeister Stadt Willebadessen), Rainer Rauch (Bürgermeister Stadt Borgentreich), Andrea Klädtke (Bezirksregierung Detmold), Sabrina Schlomski (SWECO GmbH), Hartmut Lüdeling (Planungsbüro ARGE Dorfentwicklung), Helena Heiermeier (Stadt Willebadessen), Elvira Tewes (Stadt Borgentreich) und Helge Jung (Planungsbüro ARGE Dorfentwicklung) halten die gebundene Konzeptgrundlage für die vielen Einzelprojekte in ihren Händen. | © Saskia Jochheim

Borgentreich Kommunales Entwicklungskonzept: "Nicht das Ende, sondern der Beginn"

Ortsrundgänge, Dorfwerkstätten, Arbeitskreise und Foren: Die Städte Borgentreich und Willebadessen stellen das integrierte kommunale Entwicklungskonzept offiziell vor. Im neuen Jahr beginnt die Umsetzung

Saskia Jochheim

Borgentreich. In den vergangenen 15 Monaten ist eine Menge passiert in Borgentreich und Willebadessen: Erstmalig in Ostwestfalen entwickelten die beiden Städte und ihre Ortsteile ein integriertes kommunales Entwicklungskonzept. Auf der Grundlage dieses kurz IKEK genannten Konzepts werden in NRW ab dem neuen Jahr umfangreiche Projekte in Städten und Kommunen umgesetzt werden. Zum Abschluss der Planungsphase trafen sich die Bürgermeister Rainer Rauch und Hans Hermann Bluhm mit den Mitarbeitern der Planungsbüros und engagierten Bürgern am Montag in der Schützenhalle der Orgelstadt. Rund 690 Bürgerinnen und Bürger hatten zwischen Juli 2016 und November 2017 an den 14 Stadt- und Dorfwerkstätten und den insgesamt neun IKEK-Foren teilgenommen. "Beachtlich, angesichts der Bevölkerungszahl der Kommunen", zeigt sich Helge Jung von der Arge Dorfentwicklung beeindruckt. Am Anfang stand für jedes der einzelnen Dörfer die Ortsbegehung. "Das war für uns die wichtigste Bestandsaufnahme", sagt Jung. Denn der erste Eindruck des Ortes sei wichtiger als alle Daten und Fakten, die er sich anlesen könne, so Jung weiter. Es folgten die nicht minder wichtigen Stadt- und Dorfwerkstätten, in denen erste Ideen zur Verbesserung des Dorflebens zusammengetragen und einzelne Projekte entwickelt wurden. Ebenso wurden Gegenüberstellungen von Stärken und Schwächen der beiden Gemeinden gemacht. "IKEK heißt: bürgerschaftliche Projektentwicklung. Wir wollen aufbauen auf den vielen bürgerschaftlichen Veranstaltungen, die in den Orten bereits existieren", informiert Helge Jung. Die gemeinsam mit den Bürgern entwickelten Projekte finden sich nun in einem gebundenem seitenstarken Heft wieder. Es bildet die theoretische Grundlage für die praktische Umsetzung im kommenden Jahr. In einer Stärken- und Schwächen-Analyse unter den vier Gesichtspunkten "Gebäude und Ortskerne", "Naherholung, Tourismus, Freiraum und Grüngestaltung", "Soziale Netzwerke, Dorfgemeinschaft und Versorgung" sowie "Verkehr, Infrastruktur, Energie und Wirtschaft" stellte sich heraus, dass beide Kommunen über ganz ähnliche Stärken und Schwächen verfügen. Günstiger Wohnraum steht mehreren Leerständen gegenüber, die reizvolle Landschaft mit Erholungspotenzial wenigen attraktiven Einrichtungen, wenig vorhandener Gastronomie und dem Zustand von Rad- und Wanderwegen. »Eine gute Basis für die Entwicklung unserer beider Städte geschaffen« Im Stadtgebiet Borgentreich sind gepflegte Sportanlagen gegeben, der Zustand der Spielplätze und der öffentlichen Grünflächen ist aber verbesserungswürdig. In beiden Städten gibt es starke Gemeinschaften und ein ausgeprägtes Vereinswesen, aber es mangelt an geeigneten Treffpunkten (unter anderem für Jugendliche). Die Verkehrsanbindung wird in beiden Städten als positiv bewertet. Dringend notwendig aber ist die Versorgung mit Breitband-Internet, die einhergeht mit fehlenden Arbeitsplätzen. Um den Schwächen entgegenzuwirken, ist an ortsübergreifenden Projekten im Borgentreicher Stadtgebiet unter anderen geplant: Mitfahrbänke in allen Ortsteilen, ein Radweg durch das Alstertal bei Bühne und die Aufwertung der Streuobstwiesen, die Verbindung der Wanderwege zum Deiselberg/Diemelweg, Naturerlebniswege zwischen Großeneder, Lütgeneder und Rösebeck. Auch in den Ortsteilen der Stadt Willebadessen wird es demnächst Mitfahrbänke geben. Außerdem sind als ortsübergreifende Projekte eine "Bürger-App" für jeden Stadtteil, eine Mitmach-Werkstatt mit Workshops für Jung und Alt, der Ausbau und die Vernetzung von Rad- und Wanderwegen, die Stärkung des Fremdenverkehrs in den Ortsteilen durch ein verstärktes Regionalmarketing und ein Elektro-Dorfauto geplant. "Ich weiß, dass wir mit dem IKEK eine gute Basis für die Entwicklung unserer beider Städte geschaffen haben", sagt Bürgermeister Hans Hermann Bluhm. Bürgermeister Rainer Rauch schloss sich an: "IKEK ist ein wichtiges Instrument für die Förderung des ländlichen Raumes", betonte er. "Jetzt geht es darum, die Dinge am Laufen zu halten", ergriff Bluhm erneut das Wort. Zunächst werde noch einiges mit der Bezirksregierung in Detmold abzusprechen sein, aber er sei zuversichtlich, "dass wir das lösen können". "Ich möchte dazu aufrufen, dass Sie alle, die sich ehrenamtlich engagiert haben, weiterhin dabeibleiben", forderte Bluhm die Bürgerinnen und Bürger auf. Es solle durchaus darauf geachtet werden, dass die Projekte auch von den Stadträten in den Blick genommen werden. "IKEK ist kein Konzept für den Aktenschrank", unterstrich Rainer Rauch. Es seien konkrete Fördergelder hinterlegt, mit denen die Projekte in 2018 umgesetzt werden sollen. "Sehen Sie das heute nicht als Schlussveranstaltung, sondern als den Beginn der Umsetzung des IKEK", forderte Bluhm die Anwesenden auf.

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