Warburg/Kreis Höxter Beste-Stadtwerke: Neuer Geschäftsführer soll Energieversorger wieder auf Kurs bringen

Lokale Wirtschaft: Schwieriger Start für den Zusammenschluss der Stadtwerke. Aufsichtsrat sieht trotz des Defizits von mehr als drei Millionen Euro eine positive Zukunft. Für 2017 wird siebenstelliger Gewinn erwartet

Hermann Ludwig

Warburg/Kreis Höxter. Die "BeSte"-Stadtwerke haben in der Vergangenheit Verluste in Millionenhöhe geschrieben. Während das Geschäft auf der Vertriebsseite rund lief und die Kundenzahlen auch über die Kreisgrenzen hinaus auf nunmehr 52.000 stetig gesteigert werden konnten, liefen insbesondere im Bereich der Netze seit 2014 Verluste von mehr als drei Millionen Euro auf. Für das Jahr 2017 erwartet Aufsichtsratsvorsitzender Hubertus Grimm, der in Beverungen Bürgermeister ist, jedoch wieder einen stattlichen Gewinn von mehr als einer Millionen Euro. Im Rat der Stadt Steinheim wurden die Kommunalvertreter erstmals über die negativen Jahresbilanzen der letzten Jahre in Kenntnis gesetzt. Hier verspricht der Aufsichtsratchef Besserung, zumal seit dem letzten Jahr auch eine eigene Abteilung der Kostenkontrolle eingerichtet ist. Viel verspricht sich Hubertus Grimm auch von der Arbeit des neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung Stefan Grützmacher, der bis zum Frühjahr 2018 das Unternehmen analysieren und neu aufstellen soll. Der Rat der Stadt Steinheim hat jetzt vorbehaltlich der Zustimmung der anderen beteiligten Kommunen den fraglichen Jahresabschlüssen zugestimmt und Entlastung erteilt. Der Jahresgewinn 2013 in Höhe von 334.000 Euro verbleibt in der Gesellschaft und wird auf neue Rechnung vorgetragen und in die Gewinnrücklage eingestellt. Der Jahresverlust 2014 in Höhe von 1.238.000 Euro wird auf neue Rechnung vorgetragen und mit der Gewinnrücklage verrechnet. Eigentlich hatten die BeSte-Stadtwerke das Jahr 2014 positiv abgeschlossen, aber aus buchhalterischen Gründen musste der Abschluss korrigiert werden. "Die Korrektur war notwendig, weil Kosten, die mit der Aufnahme der neuen Gesellschafter Borgentreich und Bad Driburg bereits 2014 angefallen waren, zunächst 2015 verbucht worden sind", erklärte Aufsichtsratschef Hubertus Grimm. Der Jahresverlust 2015 in Höhe von 1.450.000 Euro wird ebenfalls auf neue Rechnung vorgetragen. Der Jahresabschluss für 2016 ist noch nicht fertig, hier rechnet die Geschäftsführung mit Verlusten von 500.000 Euro. "Die Zusammenlegung hat im personellen Bereich Mehrkosten verursacht, auch waren die Synergieeffekte in Teilbereichen nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten", erläutert Grimm. Gestiegene Materialkosten und erhöhte Kosten für Tiefbauaufträge nannte Grimm als wesentliche Faktoren Daher habe jetzt auch die Stadt Warburg entschieden, den Bereich Wasser mit seinen Mitarbeitern wieder zurück in das Kommunalunternehmen Warburg (KUW) zu nehmen, das werde die Beverungen ebenfalls in Angriff nehmen. Gestiegene Personalkosten haben Grimm zu Folge erheblich zu den Verlusten der Vergangenheit beigetragen. Die Beste-Stadtwerke hatten einen Großteil der Mitarbeiter der Mutterstadtwerke übernommen, wobei durch den Wechsel von dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes in den Tarifvertrag der Versorger Lohn- und Gehaltsteigerungen von vier bis acht Prozent anfielen. Zudem stellte das Unternehmen auch neue Mitarbeiter ein. Im Jahr 2015 fielen für die 130 Mitarbeiter, darunter die vier Geschäftsführer, Kosten in Höhe von 6,7 Millionen Euro an. Für Hubertus Grimm sind in jedem Fall auch die Netze ausschlaggebend für die negative finanzielle Entwicklung. Hier konnten Kosten nicht weiter gegeben werden. "Der letzte Netzantrag datiert aus dem Jahr 2011, der von der Landesregulierungsbehörde kontrolliert wird und mit Obergrenzen versehen ist. Aktuell haben wir neue Anträge gestellt, bei denen wir hoffen, dass wir Kostensteigerungen geltend machen können", meinte Grimm. Gestiegene Materialkosten und erhöhte Kosten für Tiefbauaufträge nannte Grimm als wesentliche Faktoren. Für die Netze zahlt die "BeSte" an die beteiligten Kommunen eine jährliche Pacht von 3,4 Millionen Euro. "Vielleicht müssen wir über dieses Pachtmodell nachdenken und andere Lösungen finden", erläutert Grimm, der hier den neuen Geschäftsführer Grützmacher mit seinen vielfältigen Erfahrungen als Ideengeber sieht. Grimm kann sich vorstellen, für den Bereich der Netze vielleicht auch mit neuen Partnern zusammen zu arbeiten. "Das werden wir eingehend beraten, zudem haben wir auch einen 50-Punkte-Plan aufgestellt, bei dem einzelne Sparpotenziale angeführt werden", so Grimm weiter. Wesentlicher Faktor sei dabei der Überstundenabbau. "Einen Teil des Defizits machen auch Rückstellungen für Überstunden der Mitarbeiter aus, wenn die Überstunden abgebaut sind, verringert sich auch das Defizit, ohne das da Geld fließt", stellt Grimm klar. Wichtig ist dem Aufsichtsratsvorsitzenden die Botschaft, dass die Mutterstadtwerke kerngesund sind und auch die "BeSte" alle Forderungen beglichen habe. "Wir haben eine positive Fortführungsprognose, ich glaube an die Zukunft des Unternehmens", betont Grimm.

realisiert durch evolver group