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Borgentreich Borgentreicher gesteht 56 sexuelle Übergriffe auf junges Kind

53-Jähriger gesteht sexuelle Übergriffe auf die jüngste Tochter seiner ehemaligen Lebensgefährtin. Richter verhängen fünf Jahre und acht Monate Gefängnis

Jutta Steinmetz

Borgentreich. Lange Jahre seines Lebens widmete Ralf T. (Name geändert) der Theologie, studierte sogar im Ausland. Seit einiger Zeit bildet er Menschen aus, die anderen beruflich in Notsituationen beistehen müssen. Trotz dieses Hintergrunds, der ihn eigentlich sensibel machen müsste für das Leiden der Mitmenschen, wurde der 53-Jährige selbst schuldig. Er missbrauchte rund zwölf Monate lang immer wieder die jüngste Tochter seiner Lebensgefährtin. Gestern verurteilte ihn die 5. Große Strafkammer des Landgerichts Paderborn wegen 56-fachen schweren Kindesmissbrauchs zu fünf Jahren und acht Monaten Gefängnis. Mit diesem Strafmaß - Anklagevertreterin Ilka Matthies hatte sechseinhalb Jahre Haft gefordert - honorierten die Richter vor allem das Geständnis des Angeklagten. "Er hat rückhaltlos alles eingeräumt", sagte die Vorsitzende Richterin Margret Manthey. Dass sei bei der Beweislage, die einzig auf der Aussage des Kindes fußte, erstaunlich. Doch so habe Ralf T. dem Gericht eine umfangreiche Beweisaufnahme erspart, aber vor allem seinem Opfer eine wahrscheinlich lange währende, belastende Vernehmung. Dass ihm genau das ein Anliegen war, betonte der Borgenteicher sofort zu Prozessbeginn. Immerhin ein kleines Stückchen Wiedergutmachung für das Kind, das von 2013 bis 2014 wieder und wieder seine sexuellen Übergriffe hatte erdulden müssen. Immer wenn die Mutter des damals gerade mal acht Jahre alten Mädchens nicht da war, lebte Ralf T. sein Sexualleben rücksichtlos aus - selbst noch nachdem ihn seine Lebensgefährtin schriftlich aufgefordert hatte, ihre zweite, drei Jahre ältere Tochter nicht mehr auf den Mund zu küssen oder anzufassen. "Ich habe versucht, das zu unterbinden", sagte sie am Mittwoch vor Gericht. Dass sich ihr Gefährte trotzdem an der Jüngsten vergriff, hätte sie aber nicht gedacht. Und so war ihr Entsetzen groß, als die Kleine ein paar Wochen nach der Trennung von dem 53-Jährigen plötzlich über zahlreiche Missbräuche sprach. Um ihrem Kind belastende Vernehmungen zu ersparen, befragte sie es selbst gründlich und nahm das Gespräch auf, bevor sie zur Polizei ging. "Heute weiß ich, dass das ein Fehler war", sagte sie, aber sie habe ihre Tochter schützen wollen. Denn so kam der Verdacht auf, dass die Schilderungen der heute 11-Jährigen nicht auf eigenem Erleben beruhten, sondern ihr die Übergriffe möglicherweise eingeredet worden seien könnten. Die Essener Psychologin Katja Nonhoff musste als Gutachterin eingeschaltet werden. Sie schätzte nach eingehender Untersuchung die Aussagen des Kindes als wahr und glaubhaft ein. Alle drei Töchter, nicht nur das sehr junge Opfer, sondern auch seine Schwestern, litten noch heute unter den Vorfällen, berichtete die Mutter. Sie weinten viel, seien sehr verschlossen. Letztlich aber würden sich die Folgen der Taten erst in der Zukunft zeigen, sagte Nebenklagevertreterin Anja Brauckmann und wandte sich direkt an Ralf T. "Sie haben Ihr Erwachsensein, Ihre Überlegenheit ausgenutzt, um Ihre Sexualität auszuleben", sagte sie. Damit habe er seinem Opfer die Möglichkeit genommen, "unbeschwert in die Jugend zu gehen und eine eigene Sexualität mit Gleichaltrigen zu entwickeln". Einen vom Angeklagten im Vorfeld des Prozesses angestrebten Täter-Opfer-Ausgleich, mit dem nach Willen des Gesetzgebers an der Wiederherstellung des sozialen Friedens gearbeitet werden kann, hätten ihre Töchter gemeinschaftlich abgelehnt, sagte die Mutter. "Sie wollten nichts, was seine Strafe mildert."

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