Gesungenes Fernweh: Auch der Seniorenchor tritt wieder auf. "Musik verbindet und man wurde sein Leben lang geprägt von den Liedern, die man gehört hat, die man mochte", weiß die Musikgeragogin Heike Bandner-Wappler. - © Bandber-Wappler
Gesungenes Fernweh: Auch der Seniorenchor tritt wieder auf. "Musik verbindet und man wurde sein Leben lang geprägt von den Liedern, die man gehört hat, die man mochte", weiß die Musikgeragogin Heike Bandner-Wappler. | © Bandber-Wappler

Borgentreich Demenzkranke finden bei Musik und Tanz zur Erinnerung

Senioren-Chorwerkstatt Körbecke bietet eine Neuauflage der Veranstaltung

Körbecke. An der Gesellschaft teilhaben, Barrieren überwinden, einen Nachmittag in Erinnerungen schwelgen: Das wollen die Körbecker am Sonntag, 30. Oktober ab 14.30 Uhr ihrem Publikum in der Gemeindehalle bieten. Dafür laufen bereits kräftig die Vorbereitungen bei der Dorfbevölkerung: Kuchenlisten werden erstellt, denn für das leibliche Wohl soll ein schönes Kuchenbüffet vorbereitet werden. Die Veranstaltung beginnt mit einem Kaffeetrinken, zu dem die Gäste gebeten werden, ihr Kaffeegedeck mitzubringen. An einem Abend wurden im Pfarrheim Schiffe und Leuchttürme mit Jung und Alt kreiert, die als Dekoration passend auf die Tische kommen sollen. "Junge, komm bald wieder", so lautet das Thema des diesjährigen Events. Lieder von der Seefahrt, dem Meer, aber auch Binnengewässern werden zu Gehör gebracht. So erklingen neben "Pack die Badehose ein" auch die "Caprifischer" oder "Heimat deine Sterne". Die meisten Lieder werden dem Publikum bekannt sein und das ist auch gewollt. Musik als Königsweg zu Menschen mit Demenz, als Türöffner und Förderer von Kontakt und Kommunikation steht an diesem Nachmittag im Mittelpunkt. "Musik ist unabdingbar mit der Biografie eines Menschen verbunden", erklärt Heike Bandner-Wappler, die sich in ihrer Ausbildung unter anderem zur Musikgeragogin eingehend mit dem Thema befasst hat. "Wenn wir einen Punkt finden, wo wir ansetzen können, einen Trigger, der uns für einige Zeit ein Tor zu dem betroffenen Menschen öffnet, können wir eine gewisse Zeit kommunizieren und in andere Zeitebenen eintauchen. Das gemeinsame unbeschwerte Erleben lässt für ein paar Stunden all die Sorgen um die Krankheit in den Hintergrund treten." Aber auch nicht-betroffene Menschen sind herzlich zu der Veranstaltung eingeladen. Jeder ist eingeladen. Diesmal wird auch eine extra Tanzfläche den Gästen die Möglichkeit geben, das Tanzbein oder den Rollator oder auch im Rollstuhl mitzuschwingen. "Tanzschritte verlernt man nicht. Ein Walzer oder kleiner Bördetrab geht immer. Das Rhythmus- und Taktgefühl verschwindet nicht. Auch nicht bei Demenz. Solange der Körper es mitmacht, ist es sogar als Sturzprophylaxe förderlich. Das ist wissenschaftlich bewiesen", weiß die Diplom-Musiklehrerin Heike Bandner-Wappler zu berichten, die vor einigen Wochen auch noch eine Ausbildung zur Rhythmikgeragogin abgeschlossen hat. Damit das Tanzen auch so richtig unterstützt wird, ist das Kasseler "Salontrio Schlagerkonfekt" mit von der Partie. Der bereits vom Vorjahr bekannte Pianist Thomas Krug begleitet die Sänger und Tänzer mit seinen Musikerkollegen. Ein weiterer nicht unbekannter Akteur des Nachmittags ist der Schreiner und Kabarettist Frank Baumann, der wieder vergnüglich als Conférencier durch das Programm führen wird. Aus Borgholz bekommen die Körbecker und ihre Gäste Besuch von Clown "Professor Knolle" alias Matthias Hartmann, der zusammen mit seiner Kollegin "Mathilda Wolkenweich" alias Regina Jordan das Publikum mit seinen Späßen unterhalten wird. "Die rote Nase ist ebenso wie die Musik ein hervorragendes Mittel, um einen Zugang zu den Menschen zu gewinnen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie prompt sie wirkt und wie die Menschen reagieren. Eine rote Nase und deren Bedeutung vergisst keiner. Sie bringt einem unweigerlich zum Lachen. Sofort entsteht ein Zugang zu den Menschen", sagt Heike Bandner-Wappler. Wir dürfen gespannt sein, was die Körbecker sich noch ausgedacht haben.

realisiert durch evolver group