Herrenfriseur aus Leib und Seele: Otto Löhr in seinem kleinen Salon, wo alles noch so ist, wie es gut 60 Jahren begonnen hatte. - © Burkhard Battran
Herrenfriseur aus Leib und Seele: Otto Löhr in seinem kleinen Salon, wo alles noch so ist, wie es gut 60 Jahren begonnen hatte. | © Burkhard Battran

Lütgeneder Friseurmeister Otto Löhr aus Lütgeneder wird am heutigen Tag 88 Jahre alt

Wo die Zeit 1954 stehen geblieben ist

Burkhard Battran

Lütgeneder. Im Borgentreicher Ortsteil Lütgeneder kennt ihn jeder. Otto Löhr ist seit 70 Jahren bei der Feuerwehr und im Schützenverein und auch im Sportverein ist er seit Jahrzehnten engagiert. Vor allem aber ist Otto Löhr mit Herz und Seele Friseur. Vor 62 Jahren hat er die Meisterprüfung abgelegt und solange schon betreibt er seinen kleinen Herrensalon in Lütgeneder. Auch mit 88 Jahren wird Otto Löhr noch immer regelmäßig in seinem Geschäft stehen, wo noch alles so aussieht wie am Tag der Eröffnung. "Warum sollte ich etwas verändern, es passt doch alles und funktioniert gut und ich freue mich einfach, dass ich hin und wieder etwas tun kann", sagt Otto Löhr. Seit zwei Jahren ist der Friseurmeister Witwer und lebt seither allein in dem bescheidenen Haus in der Lindenstraße. Wenn man hineinkommt, ist gleich links die Tür zum Salon. Die Frisierstube ist nicht größer als ein Kinderzimmer. Am Fenster steht der Frisierstuhl. Es gibt ein Wandregal mit Waschbecken und das Handwerkszeug, das ein Friseur so braucht. Das Besondere, alles ist aus den 50er Jahren oder älter. Neben dem Arbeitsbereich des Friseurmeisters gibt es eine Wartecke mit vier Sitzplätzen. "Wenn die Bank voll war, wusste ich, dass ich meinen Tagesumsatz geschafft habe." 15 Jahre lang funktionierte das ganz gut. Dann blieb die Bank immer öfter leer. Ein Herrensalon in einem kleinen Dorf, das hatte keine Zukunft. Frauen wollte Otto Löhr aber auch nicht die Haare machen. "Das ist einfach nicht mein Fach und dafür hätte ich auch andere Räumlichkeiten gebraucht", sagt Löhr. Also verdingte er sich als Arbeiter und betrieb seinen Herrensalon nur nebenbei. Heute ist Otto Löhr froh, wenn ab und an einer der alten Stammkunden vorbeikommt. Dann zieht er seinen weißen Friseurkittel an, holt sein Scherenset hervor und setzt einen passenden Kopf auf die Schermaschine. "Dann hab ich Besuch, kann mich unterhalten und tue auch noch etwas Nützliches", sagt Friseurmeister Löhr. Die Feuerwehr, die Schützen und der Sportverein, das sind die Dinge, die den gebürtigen Lütgenederer auch heute noch interessieren. Im Schützen- und Sportverein war Otto Löhr im Vorstand als Schatzmeister tätig, in der Löschgruppe als Oberfeuerwehrmann aktiv. "Viele Einsätze habe ich nicht mitgemacht", erinnert sich Löhr. "In den Anfangsjahren hatten wir lediglich eine Handpumpe, die wir auf einem Karren durch das Dorf gezogen haben". Otto Löhr hat zwei Töchter, die beide nach Dössel geheiratet haben und ihren Vater regelmäßig in Lütgeneder besuchen.

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