Rodung an der Eggel: Auf einer Länge von 800 Metern wurden im Bereich Rietbruch/Rösebecker Bruch Dutzende Erlen, Eschen und Weiden gefällt. Auch das Holz wurde bereits abtransportiert. Wer die Rodung in Auftrag gegeben hat, sei laut Stadt immer noch unklar. - © Katharina Engelhardt
Rodung an der Eggel: Auf einer Länge von 800 Metern wurden im Bereich Rietbruch/Rösebecker Bruch Dutzende Erlen, Eschen und Weiden gefällt. Auch das Holz wurde bereits abtransportiert. Wer die Rodung in Auftrag gegeben hat, sei laut Stadt immer noch unklar. | © Katharina Engelhardt

Borgentreich/Lütgeneder Stadt Borgentreich lässt Abholzungsmaßnahme intern prüfen

Kahlschlag erhitzt Gemüter

Katharina Engelhardt

Borgentreich/Lütgeneder. Im Rathaus ist man nicht gut zu sprechen auf das Thema: Vergangene Woche wurde an der Eggel im Bereich Rietbruch auf einer Länge von etwa 800 Metern regelrecht Kahlschlag betrieben. Eine bis dato unbekannte Firma hat viele Dutzend Eschen, Erlen und Weiden abgeholzt - wer den Auftrag dazu gegeben hat? Unbekannt. "Wir prüfen das derzeit intern", sagte Bürgermeister Rainer Rauch am Montagnachmittag auf NW-Anfrage. Bereits am Mittwoch vergangener Woche hat es ein Gespräch zwischen der Rathausspitze und dem Angelverein gegeben: Man hofft auf baldige Klärung der Angelegenheit, so klingt es aus den Reihen des Vereins. Doch im Rathaus will niemand den Auftrag zu dieser umfassenden Abholzungsmaßnahme gegeben haben. Die Mehrzahl der gerodeten Bäume war gesund und vom Sturm nicht betroffen Seit Ende der 1970er-Jahre ist der Angelverein Lütgeneder Pächter eines Teils der Fläche an der Eggel. "Das, was da jetzt passiert ist, ist ein Unding", wettert ein Mitglied, das lieber anonym bleiben möchte. "Natürlich waren dort auch Sturmschäden zu beklagen, die beseitigt werden mussten - aber die allermeisten der Erlen und Eschen, die jetzt abgesägt worden sind, waren davon definitiv nicht betroffen", meint der Angler, dem "zum Heulen" zumute gewesen sei, als er den Kahlschlag gesehen habe. Selbst das Sturmholz hätte seiner Meinung nach nicht dermaßen radikal beseitigt werden müssen. "Wir befinden uns hier im Naturschutzgebiet, es verläuft kein Weg an dem Bach entlang, das heißt, selbst von Sturmholz wäre hier niemand unmittelbar von betroffen gewesen." Dazu komme: "Niemand von unserem Verein war informiert, das kann nicht sein!", sagt er. Üblicherweise kümmert sich der Verein nämlich selbst um die Gehölzpflege der Weidenbäume und kennt das notwendige Prozedere. Jeder Schnitt ist abstimmungspflichtig mit der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Höxter. Vor jeder Maßnahme kommt ein Fachmann zum Vor-Ort-Termin und bespricht die geplanten Arbeiten mit dem Angelverein. Das sei diesmal nicht geschehen. Persönlich wollte sich der Borgentreicher Bürgermeister auf NW-Anfrage nicht dazu äußern. Vereinsmitglieder kolportieren aus dem Krisengespräch allerdings die Äußerung, dass man einem Dienstleister sehr wohl einen Auftrag zum Gehölzschnitt erteilt habe - allerdings habe der nur einen Graben unweit der Eggel betroffen und nicht die Maßnahmen direkt am Ufer des Bachs. Die Angler des Verein setzen sich seit Pachtbeginn für die Erhaltung und Pflege der Fläche ein, die sie nutzen dürfen. Anfang der 1980er-Jahre bekamen die Mitglieder des Vereins über den Landschaftsverband (LWL) mehr als 1.000 Setzlinge. "Die haben wir selbst in die Erde gepflanzt und konnten ihnen über 30 Jahre beim Wachsen zusehen - bis jetzt irgendjemand unsere Arbeit zunichte gemacht hat." Wie auch immer das Ergebnis der internen Untersuchung der Stadt lauten wird, der Angelverein will in jedem Fall Ersatzpflanzungen einfordern.

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