Ihr erster in Miami-Blau: Claudia Thomas und ihr Mann Axel Rickmeier (verdeckt, auf der Rückbank) wollten aus dem Käfer ein Cabrio machen. - © Privat
Ihr erster in Miami-Blau: Claudia Thomas und ihr Mann Axel Rickmeier (verdeckt, auf der Rückbank) wollten aus dem Käfer ein Cabrio machen. | © Privat

Borgentreich Lieblingsauto: Käfer, Herbie, Kugelporsche

Die Erfolgsgeschichte des VW Käfers beginnt in den Nachkriegsjahren. Heute vor 40 Jahren lief in Emden der letzte der „Ur-Volkswagen“ aus europäischer Fertigung vom Band

Saskia Jochheim

Borgentreich. Wenn Claudia Thomas zur Arbeit fährt, dann winken ihr andere Autofahrer oft freundlich zu. In den Autos, die mühelos an ihr vorbeiziehen, drücken sich Kinder die Nasen an den Scheiben platt und lachen fröhlich. „Es gibt keine Fahrt, bei der ich nicht in freundliche Gesichter blicke", sagt sie. Der Grund für diese Fröhlichkeit ist klein, silbern und erreicht mit seinen 34 PS Tempo 120 Spitzengeschwindigkeit. Damals noch nicht kultig „Er ist ein Auto-Opa – eben etwas langsam, und er passt nicht mehr so richtig in unsere heutige Zeit, mein Silver Bug", sagt Besitzerin Thomas und streicht liebevoll über den glänzend-silbernen Lack. In diesem Jahr feiert der kleine Flitzer seinen 36. Geburtstag. Acht Jahre jung war das Kult-Auto, Claudia Thomas 24, als es im August 1990 in ihren Besitz gelangte. „4400 D-Mark hat er gekostet und kultig war er damals noch nicht", erinnert sie sich. Aber „einfach toll", habe sie die kugeligen Kleinwagen schon immer gefunden. Mit dem Käfer in den Urlaub „Wir sind damals zu viert in einem Käfer nach Italien in den Urlaub gefahren, das war gar kein Problem", erinnert sie sich an Camping-Ferien mit Sack und Pack, Eltern und Schwester. Für solche Zwecke gab es unter der Kofferraum-Klappe sogar ein eigens an eine Halterung angepasstes Dreibein-Tischchen. „Das habe ich vor seinem Ende auf dem Müll gerettet", erinnert sich Thomas. „Meine Mutter wollte es entsorgen. Ich habe es schließlich neu bezogen, mit Blümchenstoff", sagt sie. Der Silver Bug Ihren Silver Bug hat Claudia Thomas auch gerettet: In eine Zeit hinein, in der er zu einer Seltenheit auf den Straßen geworden und sein Preis in die Höhe geschossen ist. „Für einen sehr gut erhaltenen Käfer, wie Claudias Silver Bug bezahlt man heute bis zu 10.000 Euro", weiß ihr Mann Achim. »Dann muss er in Zukunft im Winter schlafen« Der kleine Wagen trotzt seinem Alter – durch gute Pflege und einen wohlverdienten Winterschlaf. „Erst bin ich ihn das ganze Jahr hindurch gefahren", sagt seine Besitzerin. „Aber dann meinte Achim, wenn wir ihn erhalten wollen, dann muss er in Zukunft im Winter schlafen", fügt sie an. Seitdem zieht der Silver Bug jedes Jahr gegen Ende September ins Autohaus Rickmeier ein, wo er sicher im Warmen und Trockenen die ungemütliche Jahreszeit abwartet. Bis es im April wieder heißt: Raus auf die Straßen des Warburger Landes. „Herrlich ist das, wenn ich nach den Wintermonaten zum ersten Mal wieder mit meinem Käfer losfahren kann", schwärmt Claudia Thomas. „Dieser typische Käfer-Geruch im Inneren, die niedlichen, kleinen Drehknöpfe und dieser sportliche Sound, wenn der Motor startet – das müssten Sie mal hören", sagt sie entzückt. "Käfer-Klimaanlage" Gegen sommerliche Hitze helfe die so einfache wie geniale „Käfer-Klimaanlage" in Form von kleinen ausstellbaren Scheiben: „Diese Ausstellfenster liebe ich, die funktionieren prima", sagt die Käfer Liebhaberin. Das Mini-Handschuhfach des Oldtimers sei immer voll mit Nützlichem und Wichtigem, unter anderem findet sich dort eine Zange. „Manchmal klemmt der Tankdeckel. Dann bekomm’ ich ihn ohne die Zange nicht auf", erklärt sie die kleinen Macken ihres silbernen Lieblings. Wie der Himmel in Miami Allerdings ist der Silver Bug nicht die erste Käfer-Liebe der Borgentreicherin. Mit 19 Jahren kaufte sie sich für 2.000 D-Mark ihren Ersten. „Einen Zehnjährigen aus dem Jahr 74 in Miami-Blau", sagt sie verträumt. „So blau wie der Himmel über Miami", fügt ihr Mann schmunzelnd hinzu. Sechs Jahre lang fuhr sie mit dem Auto durch dick und dünn, es begleitete sie zur Ausbildung nach Münster und an den Bodensee. „Im Stich gelassen hat er mich nie, auch nicht bei Minus 27 Grad Kälte", denkt sie zurück. Dann sei ihr die Idee gekommen, ihn zu einem Cabrio umzubauen: „Den Umbausatz habe ich noch gekauft, wir sind auch angefangen, aber dabei ist es dann bis heute geblieben", sagt sie. Aber: Den himmelblauen Oldie gibt es noch. Seit fast 28 Jahren schlummert er im Verborgenen des Autohauses Rickmeier. „Fertigmachen möchte ich ihn noch immer", ist sich Claudia Thomas sicher. Irgendwann – wenn ihr Sohn ihren Silver Bug übernehmen wird.

realisiert durch evolver group