Drei Generationen an einem Tisch: Ältere und ganz junge Körbecker lassen sich in der gemütlichen Atmosphäre den leckeren Kuchen schmecken. - © Saskia Jochheim
Drei Generationen an einem Tisch: Ältere und ganz junge Körbecker lassen sich in der gemütlichen Atmosphäre den leckeren Kuchen schmecken. | © Saskia Jochheim

Körbecke Kuchen und Plausch statt Geldgeschäft

Leben auf dem Land: Aus der ehemaligen Volksbank-Filiale in Körbecke ist ein Treffpunkt geworden. Ab sofort sind alle Generationen sonntags ins Dorfcafé eingeladen. Die Idee schaute man im hessischen Nachbarort ab

Saskia Jochheim

Körbecke. Ein verlockender Kaffeeduft durchzieht den ehemaligen Schalterraum. Frankfurter Kranz, Schwarzwälder-Kirsch-Torte, Apfel- und ein sahniger Eierlikör-Blechkuchen stehen verführerisch aufgebaut neben Kannen mit Kräutertees. Auf den Tischen brennen dicke Kerzen in Gläsern mit Kaffeebohnen. Frische Rosen und Efeuranken tragen zum Wohlfühlen bei. An den einstigen Nutzen des Raumes erinnern lediglich die Umrisse der Schaltertresen, die sich auf dem Teppich abzeichnen.An ihnen hatten die Körbecker 27 Jahre lang ihre Bankgeschäfte getätigt. Bis die Filiale im Sommer des vergangenen Jahres ihre Pforten schloss. Ab sofort aber heißt das Gebäude gegenüber der Kirche die Menschen des Ortes wieder willkommen: Als Pfarrheim mit Dorfcafé. An jedem Sonntag zwischen 15 und 17 Uhr sind alle aus dem Dorf eingeladen, bei Kaffee und Kuchen einen Plausch zu halten, Neues zu erfahren oder einfach gemeinsam Zeit miteinander zu verbringen. "Ende 2017 hat die Kirchengemeinde das Gebäude übernommen", sagt Edith Lange, die zum Start des Dorfcafés fleißig den Schneebesen geschwungen und die leckeren Kuchen und Torten gebacken hat. Das alte Pfarrheim sei "einfach zu eng" geworden, sagt sie. Als dann die Volksbank-Filiale schloss, lag die Idee nahe, aus dem Pfarrheim der St.-Blasius-Gemeinde umzuziehen. Auch die Nähe zur gegenüberliegenden Kirche mache die Lage in der Ortsmitte perfekt. "Im Ort gibt es viele ältere Menschen, die allein aber noch mobil sind", so Lange. »Der bringt vier Tonnen auf die Waage« Das Dorfcafé richte sein Angebot aber keineswegs ausschließlich an ältere Menschen. "Jeder ist herzlich willkommen", betont Edith Lange die generationenübergreifende Idee hinter dem Café. Mit seinen knapp 100 Quadratmetern ist der helle, freundliche Raum dafür optimal. "Auch die Schallschutzdecke und der Teppichboden sind praktisch, da sie eine Menge an Geräuschen schlucken", sagt Pfarrgemeinderatsmitglied Axel Eggers. Gute akustische Gegebenheiten für ein Café, meint er. In einem der Nebenräume wird jedem auf den ersten Blick klar, welche Verwendung das Gebäude einst hatte: In einer Ecke steht ein Koloss von Tresor. "Der bringt vier Tonnen auf die Waage", weiß l Eggers und fügt an: "Wenn ihn jemand haben möchte, der ihn auch auszubauen und abzutransportieren weiß, kann er sich gerne bei uns melden". Am liebsten würde das Team um das Dorfcafé das Schwergewicht gegen eine Kühlvitrine eintauschen. "So etwas fehlt uns nämlich noch", sagt Eggers. Aber auch ohne Abnahme des Tresors seien alle gebeten, die eine funktionierende Kühlvitrine loswerden möchten, sich beim Dorfcafé-Team zu melden. Die Idee zu dem Café stammt aus der befreundeten Gemeinde in Ostheim. "Dort hat man ein altes Spritzenhaus entsprechend umgestaltet", sagt Edith Lange. In Körbecke steht ein 30-köpfiges Team hinter dem neuen Sonntags-Treffpunkt. Für die kommenden Monate sind die Sonntage im Café bereits organisiert. "Es wäre aber schön, wenn sich längerfristig das gesamte Dorf an der Organisation beteiligen könnte", so Lange. Zu den Aufgaben eines Cafè-Teams gehören zum Beispiel das Aufstellen von Tischen und Stühlen, das Kuchenbacken und die Bedienung älterer Gemeindemitglieder. "Das sind so drei bis vier Stunden, die man da an einem Sonntag investiert", weiß die Organisatorin des Eröffnungstages. Die Stühle und Tische des frisch eröffneten Cafés haben sich derweil gut gefüllt. Rege Unterhaltungen mit begeistertem Lob über die Backkünste von Edith Lange sind an allen Ecken zu hören. Und während die Sonne langsam untergeht, nehmen immer mehr Menschen an den in Kerzenlicht getauchten Tischen Platz.

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