Mag ihre Arbeit: Margit Kühlert ist Standesbeamtin in Borgentreich. Sie kann erklären, wie die Zahlen der Sterbefälle und Eheschließungenzu verstehen sind. Und wie heute geheiratet wird. - © Angelina Kuhlmann
Mag ihre Arbeit: Margit Kühlert ist Standesbeamtin in Borgentreich. Sie kann erklären, wie die Zahlen der Sterbefälle und Eheschließungenzu verstehen sind. Und wie heute geheiratet wird. | © Angelina Kuhlmann

Warburger Land Einwohner, Sterbefälle, Ehen: Der Blick hinter die Zahlen

Warburg verzeichnet ein Minus an Einwohnern. In 
Borgentreich werden mehr Leute 
beerdigt als gestorben sind

Angelina Kuhlmann

Warburger Land. Mit Blick auf die statistischen Daten der Hansestadt und ihren Nachbargemeinden Borgentreich und Willebadessen lässt sich einiges über die Entwicklungen der Städte sagen. In Warburg gehen die Einwohnerzahlen das erste Mal seit 2015 etwas zurück. Und Margit Kühlert, Standesbeamtin für die Stadt Borgentreich, hat zusätzlich Interessantes zum Thema Sterbefälle und Eheschließungen zu berichten. Weniger Einwohner Die Statistik für das vergangene Jahr verzeichnet ein Minus von 329 Einwohnern für die Stadt Warburg. 2016 waren es noch 25.271, 2015 mit 25.259 nur ein paar weniger. „Der allgemeine Trend bleibt. Es gibt immer noch mehr Sterbefälle als Geburten", sagt ein Mitarbeiter der Stadt zur Entwicklung. Mit 10.866 in der Kernstadt wohnenden Bürgern im Jahr 2017, hat die Stadt immer noch die höchste Einwohnerzahl. Im Vergleich zum Jahr davor hat aber auch sie 196 Einwohner verloren. Kleinster Stadtteil ist Dahlheim mit 77 Einwohnern (2016: 86). Vergleicht man die Gesamteinwohnerzahl des Jahres 2014 (23.290) mit der aktuellen und der des Jahres 2015, lässt sich ein weiterer Entwicklungsschritt erkennen: Erstmalig seit der Ankunft vieler Geflüchteter im Stadtgebiet, durch die die Einwohner-Anzahl stieg, geht sie nun wieder zurück. Ehe für alle Im Bereich der Eheschließungen gab es vergangenen Jahr eine Veränderung: Seit dem 1. Oktober 2017 dürfen in Deutschland auch homosexuelle Paare eine Ehe schließen. Davor war ihnen das verwehrt geblieben. Einzig eine Lebenspartnerschaft konnten sie eingehen. Das ist jetzt anders. Diese Veränderung macht sich auch in den Zahlen, die die Standesämter für das vergangene Jahr mitteilen, bemerkbar: Die Kategorie Lebenspartnerschaften fällt weg. Homosexuelle Ehepaare werden jetzt auch in der Kategorie Eheschließungen mitgeführt. „Für mich ist das natürlich einfacher. Es gibt ein Register weniger", sagt Kühlert. Dass es für die Paare endlich die Möglichkeit zur Gleichberechtigung gebe, findet sie „super". Außerhalb heiraten Die Möglichkeit, eine bestehende Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln zu lassen, haben in Warburg drei Paare in Anspruch genommen, in Borgentreich zwei. Insgesamt hat es im Einzugsgebiet der Hansestadt 114 Eheschließungen gegeben. Im benachbarten Willebadessen gaben sich 35 Paare das Jawort. In der Orgelstadt waren es 23. Bei den Eheschließungen habe sich in den vergangenen Jahren einiges verändert. „Das sind oft große Events an besonderen Orten. Zum Beispiel in Trendelburg oder im Weidenpalais in Rheder", sagt Margit Kühlert. Das erklärt, wieso sie im Standesamt oft mehr Anmeldungen für Eheschließungen hat, als dann wirklich in Borgentreich geschlossen werden. „Wir hatten über 30 Anmeldungen. Aber nur 23 die hier stattgefunden haben", sagt die Beamtin. Es gebe aber immer noch die Paare, die bei ihr im Standesamt heirateten und dann in die Kirche gingen. Oder die, die „nur standesamtlich" heiraten. Im Trauraum steht mittlerweile auch ein Flügel. „Die Trauungen sind nicht mehr so schlicht wie früher. Die Bräute haben oft tolle Kleider an. Auch mit Reifrock. Manchmal ist jemand dabei, der Klavier spielt oder singt. Dekoriert wird natürlich auch", sagt sie. Die kirchliche Heirat sei für viele nicht mehr so wichtig. Deswegen verändere sich auch der Rahmen der standesamtlichen Trauung. Im Gegensatz zu denen, die sich Heiratsorte außerhalb der Stadt suchten, gebe es aber auch die, die zum Heiraten zurück in ihre Geburtsstadt kämen. Sterbefälle 90 Beerdigungen und 50 Sterbefälle: Irgendwie passen diese Zahlen für Borgentreich nicht zusammen. „Sterbefälle werden immer dort eingetragen, wo jemand gestorben ist", erläutert Margit Kühlert. Die neue Rettungsstation in Peckelsheim habe auch den Rettungswagen näher an die Menschen herangebracht. So können sie schneller ins Krankenhaus gebracht werden, sagt Kühlert. Sterbe jemand dort, werde der Sterbefall am Standort des Krankenhauses eingetragen. Und aufgrund der sich verändernden Familienstrukturen, gebe es immer mehr ältere Menschen, die im Altenheim wohnten. Insgesamt 312 Sterbefälle hatte Warburg 2017 zu verzeichnen. Knapp 60 waren es in Willebadessen. Geburten Dem gegenüber stehen die 361 Säuglinge, die im Volkmarser St.-Elisabeth-Krankenhaus bis Anfang Dezember 2017 geboren wurden. Zusätzlich gab es in Warburg drei Hausgeburten. In Willebadessen und Borgentreich hingegen keine. Unterm Strich also knapp 370 Geburten und gut 430 eingetragene Sterbefälle.

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