In Feierlaune in der Schützenhalle: Die Jungschützen aus Geske kamen im eleganten Frack. - © Saskia Jochheim
In Feierlaune in der Schützenhalle: Die Jungschützen aus Geske kamen im eleganten Frack. | © Saskia Jochheim

Borgentreich Borgentreich feiert Diözesan-Jungschützentag

Schützen und Spielmannszüge marschieren durch die Orgelstadt

Saskia Jochheim

Borgentreich. Schon seit Monaten hat sie sich langsam immer weiter aufgebaut. Am Muttertags-Wochenende stand die Spannung über der Orgelstadt auf ihrem Zenit: Der Diözesan-Jungschützentag stand vor der Tür. 30 Jahre ist es her, dass die jungen Schützen sich in Borgentreich trafen. 30 Jahre, in denen sich in Sachen Organisation und Auflagen so einiges verändert hat. So vieles, das damals schlicht „keinen Interessierte", müsse beachtet werden", resümierte Brudermeisterin Maria Müller die harte Planungs-Arbeit. Ein Jahr im Voraus arbeitete das Team der St. Sebastian Schützen auf den großen Tag hin: Die Brudermeisterin Oberst Andreas Muhs und Jungschützenmeister Andre Thamm wurden dabei tatkräftig von Diözesanjungschützenmeister Hendrik Hillebrand und der Bildungsreferentin der Diözese Paderborn, Susanne Oschecker, unterstützt. Und dann, ein paar Stunden vor dem Startschuss, wollte Maria Müller nicht mehr warten: „Es soll endlich los gehen, diese Warterei macht alle ganz verrückt", sagte sie. Schließlich war es so weit: Bei der Standartenübergabe und dem Gottesdienst am Sonntagmorgen unter freiem Himmel gab sich die Sonne noch zögerlich. Aber beim anschließenden Umzug zeigten die Kerzen, die Maria Müller in der Grotte entzündet hatte, ihre volle Wirkung: Rund 600 uniformierte Schützen aus den 13 Bezirken der Diözese Paderborn, die Musikvereine Borgentreich und Bühne und die Spiemannszüge Natzungen und Manrode zogen bei strahlendem Sonnenschein durch die Straßen der Stadt. Für bewundernde Blicke sorgten die Borgentreicher Fahnenschwenker, das Königspaar Niclas Conze und Kira Kohlbrogg, das Kinderkönisgpaar Anna Bartoldus und Piet Lücke und die Bundesschülerprinzessin Celin Bosque. Die Bundesprinzessin Svenja Dobbelstein begeisterte in einem Märchenkleid: ein Traum aus pinkem Tüll. Nach dem Einzug in die Halle stand der Brudermeisterin die Erleichterung ins Gesicht geschrieben: „Jetzt trinke ich erst mal ein Bier", beschloss sie, als die Anspannung langsam der Freude über das rundum gelungene Fest wich. Das Bild, das sich in der Schützenhalle bot, erinnerte sehr an das traditionelle Borgentreicher Schützenfest. Mit einer Ausnahme: Es waren sehr viele feierwütige Jungschützen gekommen, die unermüdlich und ausgelassen die Tanzfläche unsicher machten. Ähnlich ging es draußen zu: Eine Gruppe Jungschützen aus Haaren quetschte sich mit 15 Personen in den dafür abgestellten Golf, die Scharmeder Jungschützen legten sich mächtig ins Zeug beim Feuerwehr-Auto-Ziehen. Einige Jüngere lieferten sich Partien im Riesen „4 gewinnt". Marlene Geilhorn (9 Jahre, aus Borgentreich) traute sich an der Kletterwand bis ganz nach oben und winkte ihrem Papa stolz zu. Manch andere hielten ein Schwätzchen bei Pommes und Bier. „Cool hier. Echt", klang es anerkennend aus einem Grüppchen Jungschützen, die mangels Stühlen einen spontanen Sitzkreis auf dem Pflaster gebildet hatten. Die Wortwahl „Cool" scheint irgendwie so gar nicht zu Brauchtum, Tradition oder Leitsprüchen wie „Glaube, Sitte, Heimat" zu passen. Und doch ist es gerade diese zuerst ungewöhnliche Kombination aus alt und neu, Tradition und Zukunft, die die jungen Schützen verbindet. „Das Stärken des Miteinanders und das Hineinwachsen in Amt und Verantwortung, das ist, unter anderem, der Sinn hinter dem Diözesan Jungschützen-Tag", erklärte Brudermeisterin Maria Müller. Das Zusammengehörigkeits-Gefühl einer Gruppe und das Wissen nicht allein zu sein, festige die jungen Menschen. „Es gibt ihnen Halt in unserer schnelllebigen Zeit", so Müller weiter. Die traditionellen Uniformen mögen dabei verstaubt erscheinen, „aber was sind sie denn anderes, als zum Beispiel die Abi-Shirts? ", gab die Brudermeisterin zu Bedenken. Beides habe den gleichen Zweck, nämlich zu signalisieren: Ich gehöre dazu. „Und das ist doch etwas Tolles", fand Maria Müller. Einige Jungschützen fielen durch ihren Kleidungsstil besonders ins Auge: Die Gruppe aus dem Bezirk Geseke kam in Frack und Zylinder. Aus ihren Reihen stammt der bis dato amtierende Diözesanprinz Johannes Rotgeri, der sein Amt am Sonntag an Florian Schnitzmeier von der Bruderschaft St. Josef Anreppen abtreten musste. Mit einer Ringzahl von 26 erkämpfte Schnitzmeier sich für ein Jahr die Prinzenwürde. Johannes Rotgeri bedankte sich bei „seinen Jungs" für das schöne Jahr. „Ihr habt diese Zeit besonders gemacht, habt uns zusammen wachsen lassen", sagte er sichtlich ergriffen. Für das Amt des Diözesan-Schülerprinzen erwies sich Lukas Nübel von der Bruderschaft St. Hubertus Hövelhof als würdig. Mit 29 Ringen errang er den Sieg und löste Jannick Dönnewald im Amt ab. „Es hat alles gepasst", resümierte Bildungsreferentin Susanne Oschecke. Das funktioniere nur, „wenn man sich auf die Verantwortlichen zu 100 Prozent verlassen kann." „Dem kann ich mich nur anschließen", fügte Müller an. „Trotz kniffliger Komponenten wie Wetter und Terminfindung, ist am Ende doch alles wunderbar gelaufen", freute sich die Brudermeisterin.

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