In Höxter: Ein Notarztwagen steht vor dem St.-Ansgar-Krankenhaus (Symbolbild). - © Simone Flörke
In Höxter: Ein Notarztwagen steht vor dem St.-Ansgar-Krankenhaus (Symbolbild). | © Simone Flörke

Höxter/Lauenförde Tragischer Tod des kleinen Malik: Notarzt verweigerte Transport

Weil dem Rettungswagen ein Überwachungsgerät fehlte, wurde der Zweijährige wohl zu spät in eine Spezialklinik gebracht

David Schellenberg

Lauenförde/Höxter. Nach dem Tod des zweijährigen Malik aus Lauenförde, der im St.-Ansgar-Krankenhaus behandelt wurde und trotz akuter Lebensgefahr zu spät in eine Spezialklinik nach Kassel verlegt wurde, gab es nach Informationen von nw.de auch Ermittlungen gegen den diensthabenden Notarzt. Dieser habe sich geweigert, den Transport des bereits narkotisierten Jungen und damit die Verantwortung zu übernehmen. Der Grund: Der Rettungswagen war nicht für diesen intensivmedizinischen Transport ausgestattet. Ihm fehlte ein Gerät zum Messen und Überwachen des Gehalts an Kohlenstoffdioxid in der Ausatemluft eines Patienten (Kapnometer oder Kapnograf). „Der Notarzt wollte dieses Risiko nicht eingehen", bestätigte der Paderborner Oberstaatsanwalt Ralf Meyer im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. Ermittlungen Im Zuge der Ermittlungen gegen den Notarzt sei ein fachklinisches Gutachten eingeholt worden. Dieses kam nach Auskunft von Meyer zu dem Schluss, dass das Handeln des Mediziners „vertretbar und nicht zu beanstanden" gewesen sei. Die Ermittlungen gegen den Arzt seien daraufhin eingestellt worden. Allerdings werden ähnliche Transporte aus dem Kreis Höxter in nahegelegene Spezialkliniken regelmäßig mit den vorhandenen Rettungswagen durchgeführt. »Der Notarzt wollte dieses Risiko nicht eingehen« Ein Transport mit dem Rettungshubschrauber gilt wegen des Drucks als problematisch. Der kleine Malik wurde nach Auskunft von Ralf Meyer schließlich mit einem für Kapnometrie ausgestatteten Rettungswagen nach Kassel gebracht. Malik war am 15. Oktober 2013 mit Bauch- und Kopfschmerzen sowie Erbrechen ins St.-Ansgar-Krankenhaus eingeliefert worden. Die Ärzte gingen zunächst von einem Magen-Darm-Infekt aus, diagnostizierten am nächsten Morgen nach einem Krampfanfall kurz nach 8 Uhr aber eine Schwellung im Gehirn mit einer lebensgefährlichen Ansammlung an Wasser. Verspäteter Transport Malik wurde umgehend ins künstliche Koma gelegt. Der notwendige Transport in die Spezialklinik nach Kassel verzögerte sich bis zum Nachmittag. Malik wurde gegen 16.50 Uhr operiert. Zu spät. Malik starb am 18. Oktober – zwei Monate vor seinem dritten Geburtstag. Auch das Verfahren gegen einen weiteren Arzt der Kinder- und Jugendklinik des St.-Ansgar-Krankenhauses ist nach Paragraf 153a des Strafgesetzbuches eingestellt worden, weil „die Schwere der Schuld eine Verurteilung nicht rechtfertigt". Allerdings wurde gegen den Mann eine Geldauflage von 12.000 Euro verhängt. Öffentliche Gerichtsverhandlung am 6. November um 9 Uhr Die öffentliche Gerichtsverhandlung gegen zwei weitere Ärzte beginnt am Montag, 6. November, um 9 Uhr vor dem Amtsgericht in Höxter. Geleitet wird die Verhandlung von Strafrichterin Christina Brüning. Obwohl inzwischen auch türkische Medien großes Interesse an dem Fall zeigen, sei eine Verlegung ans Landgericht Paderborn nicht geplant, erklärte Oberstaatsanwalt Meyer. Er begründete dies mit der zu erwartenden Strafe für den Fall, „der für die Eltern sehr tragisch sei", wie er ausdrücklich betonte. Ein Urteil wird am ersten Verhandlungstag in Höxter noch nicht erwartet – die Fortsetzung des Prozesses ist für den 22. November geplant. Der nach vier Jahren immer noch nicht juristisch aufgearbeitete Tod des Sohnes belastet die Familie immer noch sehr, wie Vater Yiliray Soyak gegenüber der Neuen Westfälischen berichtet. Vor allem, weil es bisher keine Entschuldigung des Krankenhauses gegeben habe. Die Eltern sind immer noch in ärztlicher Behandlung. Malik ist in der Türkei neben seinem dreijährigen Bruder beerdigt. Der starb im Jahr 2008 nach schwerer Krankheit im Alter von drei Jahren.

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