Herausforderung weißer Teller: Das Thema Porzellanmalen ist als museumspädagogischer Baustein besonders beliebt, weiß Lars Trentmann. Klar, dass er es auch selbst ausprobiert hat. Sein erstes Motiv? „Eine Landschaft mit Berg und Fluss.“ - © Simone Flörke
Herausforderung weißer Teller: Das Thema Porzellanmalen ist als museumspädagogischer Baustein besonders beliebt, weiß Lars Trentmann. Klar, dass er es auch selbst ausprobiert hat. Sein erstes Motiv? „Eine Landschaft mit Berg und Fluss.“ | © Simone Flörke

Boffzen Mit Fantasie zum Weißen Gold

Porträt: Lars Trentmann ist neuer Museumspädagoge im Schloss Fürstenberg und möchte die Schulkooperationen noch stärker ausbauen, um die jungen Menschen fürs Material Porzellan zu begeistern

Simone Flörke

Fürstenberg. Tradition verbindet Geschichte und Moderne: Dieser Satz stammt von Lars Trentmann, seit gut einem halben Jahr Museumspädagoge im neu gestalteten Museum Schloss Fürstenberg. Er sagt ihn aus Überzeugung, denn er steckt mittendrin – und möchte andere für die Themen rund ums Porzellan begeistern. Drei verschiedene Programme hat der 35-Jährige aus Hannover gemeinsam mit dem jungen Team des Schlosses für die Kinder und Jugendlichen von der Grundschule bis zum Berufskolleg entwickelt. Mit denen möchte der studierte Historiker für auch die jungen Besucher für das Material und die Formen des Porzellans begeistern. Eine Materie und ein Material, in er auch er sich zunächst reinfuchsen musste – „lesen Fragen stellen, sicher werden auf dem Terrain“. Auch wenn er im Studium in Hannover das Arbeitshandwerk dafür mitbekommen hat, wie er selbst sagt. Das erste halbe Jahr sei viel Arbeit gewesen, aber er sagt mit Überzeugung: „Ich bin angekommen.“ Im Beruf und auch in der Region.Porzellanmalen, Weißfertigung und Tafelkultur als drei Schwerpunkte In vielen Bereichen habe er „sehr freie Hand“ gehabt: In Fürstenberger werde Geschichte lebendig fortgeschrieben – und das ist sein Ansatz: „Es geht nicht nur um alte Formen und Produkte, sondern auch um deren moderne und zeitgemäße Weiterentwicklung.“ Deshalb sind die museumspädagogischen Programme auch an dieser „gelebten Geschichte“ orientiert. Am beliebtesten: das Porzellanmalen. Auch Trentmann hat selbst erfahren, welche eine Herausforderung das Sitzen vor einem weißen Porzellanteller ist. „Das braucht Fantasie.“ Auch das Material Porzellan, den Rohstoff können die Teilnehmenden direkt erfahren in der Weißfertigung. Drittes Standbein des Programms: das Thema Tafelkultur. „Wichtig ist uns, dass das gesamte Programm modular ist, das heißt an allen Altersgruppen und Leistungsniveaus orientiert. Wir sind flexibel, können es verändern, Bausteine austauschen, können damit ein ganz breites Spektrum bieten.“ Es sind vor allem diese jungen Gruppen aus allen Schulformen, auf die das museumspädagogische Konzept ausgerichtet ist. Und die auch im nächsten Jahr verstärkt im Fokus stehen werden. „Wir möchten die Kooperationen mit den Schulen in beiden Kreisen weiter ausbauen, unser Angebot etablieren“, sagt Trentmann und spricht vom „außerschulischen Lernort Museum Schloss Fürstenberg“. Wichtig ist dem Mann aus Hannover, dass die Menschen mit dem Kulturangebot im Museum dort abgeholt werden, wo sie stehen: „Wir sind ein Museum für alle.“ Und er ist stolz drauf, dass man die meisten mit dem Angebot erreichen könne. Das liegt sicherlich auch an seiner lässigen Art, die ankommt. Geboren und aufgewachsen ist Trentmann in Hannover. In der niedersächsischen Landeshauptstadt leben Familie und Freunde, weshalb er ein Wochenendpendler ist. Geschichte sei eine „alte Leidenschaft“ von ihm: „Ich wollte als Kind entweder Zoo- oder Museumsdirektor werden“, erinnert er sich lächelnd. „Später dann kamen noch Archäologe oder Paläontologe dazu – ich wollte etwas ausbuddeln.“ Auf jeden Fall Wissenschaftsbetrieb, sagt der 35-Jährige, der mit der Sendung „Terra X“ aufgewachsen, von Heinz Sielmann und Jacques Cousteau fasziniert ist. Er studierte Geschichte in seiner Heimatstadt, wollte immer mehrgleisig fahren und lernte währenddessen einen Museumsbetrieb in seiner ganzen Vielfalt kennen – vom Archiv und Depot über das Konservatorische und Kuratorische bis hin zur inhaltlichen Vermittlung. Im Mindener Museum durfte er seine erste Ausstellung betreuen – und wurde in Sachen Museumspädagogik ins kalte Wasser geworfen. Fazit: „Ich konnte erstaunlich gut schwimmen.“ Im Anschluss an den Bachelor machte Trentmann eine Weiterbildung zum „Fachreferenten für Sammlungsmanagement und Qualitätsstandards in Museen“. Bis er auf die „sehr interessante Stellenausschreibung“ in Fürstenberg stieß. „Beim Vorstellungsgespräch habe ich sofort gemerkt: Da geht was Neues los. Da geht was. Ungeheuer reizvoll.“ Er kümmert sich auch um Veranstaltungen, den Auf- und Abbau, das Technische, die Bibliothek oder ist „Mädchen für alles“. Eine Vielfalt im Tagesablauf, die er schätzt. „Ich bin super aufgenommen worden. Im Museum und in der Gegend. Wenn ich sage: Ich arbeite im Schloss Fürstenberg, dann habe ich schon gewonnen.“ Das Weserbergland hat er mal als ganz kleines Kind besucht, kann sich aber nicht mehr dran erinnern. Heute ist er umso neugieriger auf die Region, sagt Trentmann. „Ich bin viel im Solling unterwegs, tigere auch mal auf den Ziegenberg, gucke mir die Dinge an. Meine Wanderschuhe sind immer dabei.“Infos Infos zum museumspädagogischen Programm, zur Erreichbarkeit von Lars Trentmann und zum Museum Schloss Fürstenberg unter: www.fuerstenberg-schloss.com

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