Vor den Plakaten der erfolgreichen Sonderausstellungen: Der Freundeskreis-Vorstand mit Beisitzer Karl-August Fricke (v. l.), Schriftführer Hans-Hermann Henze, Beisitzerin Gerdi Henke und dem Vorsitzenden Walter Waske. - © Burkhard Battran
Vor den Plakaten der erfolgreichen Sonderausstellungen: Der Freundeskreis-Vorstand mit Beisitzer Karl-August Fricke (v. l.), Schriftführer Hans-Hermann Henze, Beisitzerin Gerdi Henke und dem Vorsitzenden Walter Waske. | © Burkhard Battran

Boffzen Glasmuseum Boffzen: Ehrenämtler ziehen sich aus Museumsbetrieb zurück

Vertrauensverhältnis zur Gemeinde ist zerstört.

Burkhard Battran

Boffzen. Seit 28 Jahren gibt es das Glasmuseum in der ehemaligen Beckerschen Fabrikantenvilla zwischen der historischen Georgshütte und dem ultramodernen Werk II der Glashütte von Noelle und von Campe. Die meiste Zeit lag das Museum im Dornröschenschlaf. Seit drei Jahren läuft es dort richtig gut. Mit hochkarätigen Sonderausstellungen konnten die Besucherzahlen von wenigen Hundert auf mehrere Tausend gesteigert. So lange sorgt der ehrenamtliche Freundeskreis für den Betrieb des in Trägerschaft der Gemeinde Boffzen liegenden Museums. Um das Museum zukunftsfit zu machen, sollte die Dauerausstellung für 90.000 Euro neu konzipiert werden. Die Gemeinde hätte dafür einen Eigenanteil von 13.500 Euro leisten müssen. Wie berichtet, hatte sich die Mehrheitsfraktion aus CDU, UWGB und FDP Ende August dagegen ausgesprochen. „Wir sehen die Vertrauensbasis zerstört und werden uns bis November aus dem Museumsbetrieb zurückziehen", sagte der Freundeskreisvorsitzende Walter Waske. Das hat für die Gemeinde Boffzen als Trägerin die Konsequenz, dass sie nun selbst zusehen muss, wie sie dort den Museumsbetrieb aufrecht erhält und Ausstellungen organisiert. 52 Mitglieder hat der Freundeskreis. 13 Ehrenämtler stehen dort mittwochs und am Wochenende am Tresen und lassen die Besucher ein. „Zehn haben sofort gesagt, dass sie unter diesen Umständen nicht mehr für die Museumsbetreuung zur Verfügung stehen", sagte Schriftführer Hans-Hermann Henze. „Das ist ein schwerer Schlag gegen ein engagiertes Ehrenamt", machte Vereinsbeisitzer Karl-August Fricke seiner Enttäuschung Luft. Aber genau diese Leute wird die Gemeinde brauchen, denn sie kann ja das Museum nicht mit Hauptamtlichen betreiben. Auch den Kreis dürfte die Entwicklung in Boffzen wenig freuen. Der hatte nämlich eine Untersuchung zur Erstellung einer vernetzten Glaslandschaft im Weserbergland in Auftrag gegeben. Ende Juli war die Machbarkeitsstudie fertig geworden. Dem Glasmuseum Boffzen kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. „Das Museum ist für ein Breitenpublikum attraktiver als das Museum in Grünenplan", heißt es darin. Allerdings stellten die Gutachter fest, dass die Dauerausstellung in Boffzen unbedingt aufgewertet müsste. Und die Öffnungszeiten müssten ausgeweitet werden. Für all das hat der Freundeskreis ein Konzept vorgelegt. Vorsitzender Walter Waske: „Das Tragische an der Sache ist, dass die Gemeinde wohl so preisweit nicht mehr das Museum modernisieren können wird." Auch das Porzellanmuseum im Schloss Fürstenberg ist vom politischen Votum in Boffzen enttäuscht. Unterstützung für die Neugestaltung gab es auch von Museumsleiter Christian Lechelt. Der promovierte Kunsthistoriker zollte dem „Freundeskreis" Respekt für die bisher geleistete ehrenamtliche Arbeit. „Auch wir als Porzellanmuseum brauchen Kooperationspartner und ich sehe auch das Glasmuseum als Partner. So könnte das Glasmuseum zum Beispiel mit aufgenommen werden in das Kombiticket mit dem Stuhlmuseum in Lauenförde, dem Porzellanmuseum in Fürstenberg und dem Forum Jacob Pins in Höxter. Doch dafür muss noch etwas Darstellungsarbeit geleistet werden. Ohne Investitionen geht das nicht", betont Christian Lechelt.

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