Einfahrt: In der alten Glasfabrikanten-Villa ist das Glasmuseum Boffzen seit 1991 untergebracht. Dort gibt es die Dauer- und die Sonderausstellungen. - © Foto: Simone Flörke
Einfahrt: In der alten Glasfabrikanten-Villa ist das Glasmuseum Boffzen seit 1991 untergebracht. Dort gibt es die Dauer- und die Sonderausstellungen. | © Foto: Simone Flörke

Zukunft für Geschichte des Glases

Förderverein: Dienstag tagt der achtköpfige Vorstand des Freundeskreises Glasmuseum Boffzen.Nach dem Nein aus dem Gemeinderat zu Fördermitteln sollen neue Wege beschritten werden

Boffzen. Wie geht es weiter mit dem Glasmuseum Boffzen, nachdem der Gemeinderat der Samtgemeinde in der vergangenen Woche seine Zustimmung für einen 13.500-Euro-Zuschuss für ein neues, zeitgemäßes Konzept der Dauerausstellung verweigert hatte? Diese Frage steht heute Abend bei der Sitzung des achtköpfigen Vorstandsgremiums des ehrenamtlichen Fördervereins Freundeskreis Glasmuseum Boffzen im Mittelpunkt. Man wolle neue Wege gehen, erklärte dessen Vorsitzender Walter Waske auf NW-Anfrage. Wie die aussehen können, wollte er noch nicht sagen. Anfang der nächsten Woche will der Verein damit an die Öffentlichkeit gehen. Nur so viel: Es werden im wahrsten Sinne des Wortes „Wege“ sein – auf den Spuren der Glasindustrie in Boffzen mit Infotafeln an verschiedenen Gebäuden samt QR-Codes. Das Glasmuseum Boffzen besteht seit 1991 und ist in der Trägerschaft der Gemeinde Boffzen. Der Freundeskreis übernimmt seit 2015 den Betrieb. Und möchte die Dauerausstellung, die neben den jährlichen Sonderausstellung bislang ein Schattendasein fristete, mit dem Alleinstellungsmerkmal Glasindustrie im Solling aufwerten und modernisieren. Nur 200 Besucher hatten laut Förderverein 2015 explizit die Dauerausstellung besucht, 2.800 das Glasmuseum insgesamt. 90.000 Euro wären für ein neues Präsentationskonzept notwendig, darunter ein großer Multimedia-Tisch, mit dem die 150-jährige Geschichte der Boffzener Glasherstellung erlebt werden könnte. Die Gemeinde sollte einen Eigenanteil von 13.500 Euro tragen, die gleiche Summe der Förderverein, 13.000 Euro Spender. Dazu kämen dann 50.000 Euro an Landesfördermitteln, die beantragt werden müssen. Der Rat versagte jedoch seine Zustimmung zum Eigenanteil. Nun steht der Freundeskreis auch unter zeitlichem Druck – denn bis 15. September müsste der Förderantrag beim Land Niedersachsen eingereicht werden. Wohl nicht mehr machbar. Man habe viele Ideen, Potenzial und Motivation seien vorhanden, sagt der Vorsitzende. Und man brauche eine wirtschaftlich tragbare Perspektive, wolle auch junge Leute zur Mitarbeit im Förderverein (derzeit 52 Mitglieder) gewinnen, erklärte Waske, der 70 Jahre jung wird. Zudem habe man große Unterstützung aus der Wirtschaft. „Mit dem Weg der Glasindustriekultur machen wir einen Anfang, alles andere braucht drei bis fünf Jahre“, sagt Waske. Für ihn ist die Glasgeschichte in Boffzen eine Herzensangelegenheit, die eine lebendige Tradition des Ortes und von Bedeutung für die touristische Außendarstellung der Region ist.

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