Lieben nostalgische Radios: Manfred Bues und Lebensgefährtin Julia Dulat aus Boffzen mögen es, wenn das magische Auge grün zu leuchten beginnt. - © Mathias Brüggemann
Lieben nostalgische Radios: Manfred Bues und Lebensgefährtin Julia Dulat aus Boffzen mögen es, wenn das magische Auge grün zu leuchten beginnt. | © Mathias Brüggemann

Boffzen Das nostalgische Rauschen und Knistern

Zum Welt-Radio-Tag am 13. Februar: Manfred Bues betreibt in Boffzen einen Vintage-Radio-Shop mit historischen Röhrengeräten. Er verkauft und restauriert Radios aus den 1920er bis 1970er Jahren

Manuela Puls

Boffzen. Manfred Bues liebt Radios – historische Radios. In seinem Vintage-Radio-Shop in Boffzen stehen Geräte aus den 1920er bis 1970er Jahren. Er verkauft und repariert nostalgische Röhrenradios, Grammophone und Fernseher. Früher hatte Bues mit zwei Mitstreitern sogar ein Radiomuseum in Lauenförde, doch das machte irgendwann dicht. Seit zwei Jahren hat Manfred Bues jetzt sein Lädchen in Boffzen – und betreut dank Internet-Präsens inzwischen Kunden aus der ganzen Welt. „Viele reiche Japaner, Chinesen und Russen kaufen bei mir ein“, erzählt der 57-Jährige und schaltet ein Röhrenradio aus den 50er Jahren ein. Das Magische Auge beginnt grün zu leuchten und es erklingt Musik. „Der Klang ist so schön volumig, das fasziniert mich daran“, erklärt der Radio-Experte. »Ich habe mich nach und nach in diese alten Schätzchen verliebt« Das älteste Gerät im Boffzener Laden stammt von 1928 und ist ein Telefunken 40W mit fünf Röhren – ein sogenannte Brotkasten – damals echter Luxus. 1923 ging die erste Radiosendung überhaupt in Deutschland über den Äther, zuhören konnten aber nur Gutbetuchte: „1924 gab es gerade einmal 1.450 kostenpflichtige Hörer in Deutschland“, weiß Manfred Bues. Erst durch die Nazis und ihren Volksempfänger wurde Radio zum Massenmedium. An Rosenmontag 1949 erfand man die Ultrakurzwelle: „Das Rauschen, Knacken und Knistern fand damit ein Ende“, sagt der Fachmann. In den 70ern kam dann das Transistor-Radio aus Fernost als billige Massenware auf den Markt und verdrängte die schönen hölzernen Kisten, die eher Möbelstück als Elektrogerät waren. „Früher waren solche Radios Familienerbstücke, heute eher ein Wegwerfgegenstand“, bedauert Bues. Hinten im Laden lötet er gerade an einem Telefunken Conertino 6 von 1956 herum. „Viele bringen mir ihr altes Röhrenradio zur Reparatur“, sagt er. Manche Sammler nehmen dafür eine weite Anfahrt in Kauf, jüngst kam jemand extra aus Würzburg. Die Radios erzählen ihm ihre Geschichte Die Radios erzählten Manfred Bues dann ihre Geschichte: „Ich merke, ob die im feuchten Keller oder in einem Partyraum standen und zum Nikotin-Opfer wurden“, lacht der Radiofan aus Boffzen. Manfred Bues Lebensgefährtin Julia Dulat teilt inzwischen seine Leidenschaft. „Ich habe mich nach und nach in diese alten Schätzchen verliebt“, sagt sie und streichelt über ein gewölbtes Holzgehäuse. Noch kann Manfred Bues mit vielen historischen Geräten auch alle Radioprogramm der Jetztzeit wie Radio Hochstift hören. Privatfunk gibt es erst seit den 90er Jahren, und die neuen Sender mussten sich auf den freien Frequenzen jenseits von 100 Megahertz tummeln. „Diese Sender können die Radios ab den 60er Jahren empfangen, weil deren Skala nach rechts weiter gedreht werden kann“, sagt der Boffzener. Ob es im Internet-Zeitalter irgendwann überhaupt kein UKW-Radio mehr gibt, das fragt sich natürlich auch Radio-Mann Manfred Bues. „Aber auch dann gibt es technische Lösungen, damit diese alten Schätzchen noch wie ein Lautsprecher benutzt werden können“, sagt er. www.vintage-radio-shop.de Das sagt der Radio-Chefredakteur »Ich bin seit dem Sendestart 1991 bei Radio Hochstift, dem Lokalsender für die Kreise Höxter und Paderborn, und habe in dieser Zeit eine enorme technische Entwicklung erlebt. In den ersten Jahren hatten wir noch Schallplatten, Kassetten, Tonbänder und Schreibmaschinen. Dann kam nach und nach die Digitalisierung des Rundfunks. Aus meiner Sicht kein Fluch, sondern ein Segen. Die redaktionellen Abläufe wurden enorm beschleunigt und ermöglichen deshalb heute eine Vielzahl mehr an Produktionen, die früher nicht möglich gewesen wären. Die Töne werden digital geschnitten, alle Musiktitel sind per Klick sofort verfügbar und dazu ist ja auch noch das Internet als neues Recherchewerkzeug gekommen. Radio lebt heute nicht nur durch das hörbare Programm, es wird als Marke auf diversen Kanälen wahrgenommen. In der Radio Hochstift App sind sogar mehrere Musikfarben von Schlager bis Rock verfügbar. Dazu findet Radio auf der eigenen Homepage, über Facebook, Instagram etc. statt. Der klassische Verbreitungsweg über UKW wird sicherlich noch einige Jahre Bestand haben, aber auch hier sind wir in einem Umbruch. Schließlich hält das mobile Internet in Autos, Wohnungen und Häuser immer mehr Einzug und schafft über Sprachassistenten ganz neue Empfangsmöglichkeiten. Da gilt es, den Markt sehr genau zu beobachten.« Martin Lausen, Chefredakteur Radio Hochstift

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