Klezmer-Musik: Das Duo Bernd Tönjes (l.) und Jonathan Diesner kommt aus Paderborn und Kassel. - © Simone Flörke
Klezmer-Musik: Das Duo Bernd Tönjes (l.) und Jonathan Diesner kommt aus Paderborn und Kassel. | © Simone Flörke

Lauenförde Ausstellung über „Luther und die Juden“

Reformationsjubiläum: Wanderausstellung beleuchtet auf 16 Tafeln in der Lauenförder Kirche die Lebensgeschichte sowie die durchaus zwiespältigen Aussagen und Schriften des Reformators

Simone Flörke

Lauenförde. Martin Luther, der große Reformator, war ein Mann mit vielen Facetten, der für seine derben Ausdrücke ebenso bekannt war wie für seine kämpferischen Aussagen bei Verhören in Augsburg und Worms. Eine zwiespältige Person, die das direkte Wort ebenso schätzte, wie sie sich Klischees und allgemeines Gedankengut zu eigen machte. „Ertragen können wir sie nicht – Luther und die Juden" heißt eine sehr informative Wanderausstellung, die anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums bis zum nächsten Sonntag, 17. September, in der Markuskirche in Lauenförde täglich von 15 bis 20 Uhr zu sehen ist. Dazu gibt es ein Begleitprogramm (siehe Info-Kasten). Lebengeschichte sowie Aussagen im Kontext der Zeit und Zeitgenossen Auf 16 Tafeln wird Luthers Lebensgeschichte in Text und Bildern erläutert. Er wird aber auch als Person und mit seinen Aussagen in den Kontext seiner Zeit und seiner Zeitgenossen gesetzt und dabei sehr differenziert betrachtet. Das Angebot zu der Ausstellung kam von Kreiskantorin Christiane Klein, die die Tafeln für drei Wochen in den Kirchenkreis geholt hatte – eine Woche davon in Lauenförde. Bei der Eröffnung in der Kirche spielte das Klezmer-Duo Bernd Tönjes und Jonathan Diesner (Paderborn und Kassel), die in Lauenförde bereits seit der Öffnung des Löwenherzplatzes vor zwei Jahren bekannt sind. Danach führte Pastor Sebastian Müller Interessierte durch den Kirchenraum mit geschichtlichen Daten, Fakten und Dokumenten. Rechts des Kircheneingangs wird auf drei Tafeln der Lebensweg von Luther von der Geburt in Eisleben über das Studium in Wittenberg, die Wartburg, seine Heirat mit Katharina von Bora 1525 und sein Tod 1546 nachgezeichnet. „Konfirmandenwissen", das es aufzufrischen lohne, so Müller. Weiter geht es mit Informationen zu Luther und seinen Kirchenliedern, seiner Rechtfertigungslehre und Theologie, sein Wettern gegen Türken, gegen Hexen, gegen Aufrührer, Bauern, Katholiken („Papisten") und Juden, wobei er durchaus deftige Worte gefunden habe, so der Pastor. In den Korrespondenzen mit Josel von Rosheim habe sich der Ton Luthers gegen die Juden, denen er anfangs mit dem Missionierungsgedanken begegnet sei, verschärft. Im Altarraum widmen sich drei der Tafeln den zu Luthers Zeiten typischen antijüdischen Schriften und antijüdischer Polemik sowie Anfeindungen und Vertreibung. In dieses Umfeld komme Luther und greife „gängiges Gedankengut" in seinen Schriften auf: „Um seine Argumentationen mit gängigen Bildern zu vertiefen", sagt Sebastian Müller. Luthers Judenschriften zwischen 1513 und 1526 sowie 1537 und 1543 nebeneinander zeugten von einer deutlichen Radikalisierung und schroffen Ausdrucksweise im zunehmenden Alter. Zum Glück hätten Luthers Schriften damals keine praktischen Konsequenzen gehabt – zumindest wisse man von keiner Judenvertreibung aufgrund dieser. „Aber es ist schlimm genug, dass es sie überhaupt gab." Die Ausstellung endet offen mit einer Tafel überschrieben mit „Luther und die Juden – und wir?" Die Antwort hatte die evangelische Markusgemeinde Lauenförde schon zum Abschluss des vorangegangenen Gottesdienstes gegeben: Im Fürbittengebet schloss Pastor Müller mit den Gottesdienstbesuchern ausdrücklich das Vertrauen und die Gemeinschaft von Christen und Juden sowie die Verantwortung gegenüber Israel mit ein. Begleitprogramm Mittwoch, 13. September, 15 Uhr: Pastor Sebastian Müller gestaltet den Seniorennachmittag im evangelischen Gemeindehaus zum Thema; Mittwoch, 13. September, 19.30 Uhr: Vortrag von Pastor Sebastian Müller in der Markuskirche zum Thema „Der Ritualmord-Vorwurf gegen die Juden in Martin Luthers Schriften"; Samstag, 16. September, 18 Uhr: Rabbinerin Ulrike Offenberg (Liberale Jüdische Gemeinde Hameln) gestaltet in der Kirche einen Vortrag mit Gespräch: „Women of the Wall – wer sind die Frauen an der Klagemauer, die ihr Recht auf ein gemeinschaftliches Gebet einfordern, und warum verwehrt man(n) es ihnen?" Der Eintritt ist frei.

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