Für jeden die richtige Kugel: Florian Brüderle vom Eiscafé Bruno ist Spezialist in Sachen kalter Köstlichkeit. Er stellt jede einzelne Sorte selbst her. Vielerorts ist er von seinen Touren mit dem Eiswagen bekannt. - © Amina Vieth
Für jeden die richtige Kugel: Florian Brüderle vom Eiscafé Bruno ist Spezialist in Sachen kalter Köstlichkeit. Er stellt jede einzelne Sorte selbst her. Vielerorts ist er von seinen Touren mit dem Eiswagen bekannt. | © Amina Vieth

Bevern/Beverungen Der Eis-König der Straße

Saison: Florian Brüderle fährt mit dem Wagen von Eiscafé Bruno über Land. Bis zum 3. Oktober ist er noch unterwegs. Er zieht Bilanz der Saison, spricht über neue Eissorten, Diättrends und die Bedeutung der Touren

Amina Vieth

Bevern/Höxter/Beverungen. Er ist der König Eises, und auch der König der Straße – Florian Brüderle, in vielen Orten bekannt als Eis-Bruno. Wenn er mit seinem Eismobil vorgefahren kommt und die Glocke läutet, kommen Jung und Alt gelaufen. Er und sein Schwiegervater Bruno Murgai versorgen die Menschen dies- und jenseits der Weser bis Beverungen und Lippe mit süßen Erfrischungen. Doch nur noch bis zum 3. Oktober, dann ist erst einmal Schluss. Brüderle zieht Bilanz der Saison 2017, gibt Ausblicke auf neue Kreationen und bezieht klar Stellung zum Diät- und Ernährungswahn. Ob in Holzminden, Höxter, Beverungen oder sogar im Kreis Lippe – überall ist Eis-Bruno bekannt. Der Bulli, der mit mehr als zehn Eissorten über Land rollt, ist vielerorts populär. Die Tour bis Dalhausen beispielsweise fährt Bruno Murgia, Begründer des Eiscafés Bruno, noch selbst. Auf den Strecken Lüchtringen, Fürstenberg, Boffzen oder Stahle bis Rischenau lenkt Schwiegersohn Florian Brüderle den Eiswagen. Seit der Eröffnung von Brunos Eiscafé 1982 in Bevern sind die Eismobile schon unterwegs. „Zu Spitzenzeiten waren es sechs oder sieben, mittlerweile sind es noch zwei", berichtet Brüderle. »Mancherorts wurde mir schon gesagt, dass sie fast nur noch von Verkaufswagen leben« Es mangele an zuverlässigem Personal, das auch bereit ist, an Wochenenden und bei schönem Wetter zu arbeiten. Deswegen bleibt das – wie auch das Café – in Familienhand. „Die Menschen in den Ortschaften möchten Konstanz. Sie verlassen sich darauf, dass wir kommen", betont Brüderle. Und deswegen gibt es feste Touren. Sieben Tage die Woche geht es über Land. Eine Haupteinnahmequelle für das Eiscafé. Gerade in so einem durchwachsenen Sommer wie dieses Jahr. „Die Leute kommen vielleicht nicht ins Eiscafé, wenn es nicht so warm ist. Aber sie kommen gerne vor die Tür und holen sich noch ein Eis." Und damit meint Brüderle nicht nur Kinder. Für sie sei immer Eiszeit, egal ob Sonnenschein oder Regen. Erwachsene gönnen sich aber auch gerne eine Kugel, die sie zum Beispiel gemütlich abends vor dem Fernseher noch genießen. „Eis schmeckt jeder Generation", betont Brüderle und zitiert damit den Werbeslogan auf den Eiswagen. Um allen Generationen gerecht zu werden, kreisen die Eismobile nicht nur nachmittags durch die Dörfer, sondern auch abends. Dann haben die Erwachsenen auch noch etwas davon. Vor allem auch ältere Bürger würden sich immer über den Besuch des Eiswagens freuen. „Mancherorts wurde mir schon gesagt, dass sie fast nur noch von Verkaufswagen leben. Fleischer, Bäcker und Imbisswagen fahren dorthin, Läden gibt es nicht mehr", berichtet Brüderle. Und da ist dann auch das Dessert von Eis-Bruno gerngesehen. Denn die Eissorten sind alle haus- und handgemacht, betont Brüderle. Industriell hergestelltes Eis hat keine Chance. Florian Brüderle produziert alles selbst. Gelernt hat er das bei seinem Schwiegervater Bruno Murgia, der das Café gemeinsam mit seiner Frau 1982 in Bevern eröffnete. Von ihm hat Brüderle die Familienrezepte übernommen und wurde in die Geheimnisse des Eismachens eingeweiht. Jetzt gehört Brüderles Frau, Katyuscia Brüderle, das Eiscafé und Florian Brüderle macht das Eis mittlerweile alleine. Die klassischen Sorten wie Vanille, Schoko, Stracciatella und Nuss werden mit der besonderen Finesse nach Bruno zubereitet. Aber nicht nur. „Ich experimentiere auch mal gerne und probiere neue Sachen aus, neue Sorten." Die Kunden fragt er dann nach ihrem Urteil. Gut angekommen sei beispielsweise die Kreation Gurke-Limette. Aber auch Zartbitterschokolade mit Chili habe viele Fans. Und die Sorte Cookies habe sich mittlerweile zu einem richtigen Renner entwickelt und ist nun dauerhaft im Programm. Den Trend, alles zuckerfrei zu machen, macht er aber nicht mit. „Ich bin der Meinung, dass es den Geschmack verfälscht, wenn man Zuckerersatzstoffe nimmt", so Brüderle. Zudem müsse dann auch auf Fertigmischungen zurückgegriffen werden, ein Tabu für den Eisexperten. „Bei uns ist und bleibt alles Handwerk." Auf Unverträglichkeiten wolle er künftig aber mehr eingehen. Über die Winterpause werde er an mehr laktose- und glutenfreien Sorten arbeiten. Das Fruchteis sei grundsätzlich kein Milcheis. Aber auch Vanille soll für Laktoseintolerante kein Tabu mehr sein. Glutenfrei bezieht sich auf Sorten mit Brownie- oder Cookie-Stückchen. „Unser Eis ist grundsätzlich ohne Gluten zubereitet, außer es sind Teigwaren drin", betont Florian Brüderle. Wie die Eis-Profis die Winterpause sonst verbringen? Brüderle arbeitet als Elektriker und seine Frau gibt Fitnesskurse an der Volkshochschule und in einem Fitnessstudio. Und natürlich mit den Vorbereitungen für die neue Saison. Im Februar – je nach Wetter – soll es weitergehen. Dann rollt auch wieder der Eiswagen.

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