Auf dem Beverunger Weserradweg: Helen Garcia Galindo, Ann-Kathrin Schäffer und Astrid Voss machen bei Luisa Weißbrich (l.) Outdoor-Fitness mit Kind und Kinderwagen. - © Manuela Puls
Auf dem Beverunger Weserradweg: Helen Garcia Galindo, Ann-Kathrin Schäffer und Astrid Voss machen bei Luisa Weißbrich (l.) Outdoor-Fitness mit Kind und Kinderwagen. | © Manuela Puls

Beverungen Fitness mit Kind und Kinderwagen im Kreis Höxter

„Laufmamalauf“: Junge Mütter können beim Sport ihre Babys dabei haben

Manuela Puls

Beverungen. Es ist ein ziemlich grauer Morgen, als Ann-Kathrin Schäffer auf dem Beverunger Stadthallen-Parkplatz den Kinderwagen aus dem Auto holt. Sie kommt zum Sportmachen hierher – Söhnchen Felix (9 Monate) ist mit von der Partie. „Das ist sehr praktisch", findet die junge Mutter aus Lauenförde. „Man muss keinen Babysitter organisieren", ergänzt Astrid Voss aus Ovenhausen, die ebenfalls mitmacht bei „Laufmamalauf". Seit dem Frühling bietet Luisa Weißbrich Fitnesskurse für Mütter mit Kind und Kinderwagen an – in Beverungen, Höxter, Lüchtringen und Holzminden. Heute trotzen immerhin drei Mamis in Beverungen dem Regen, der für die Trainingseinheit Gott sei Dank eine Pause einlegt. Bei besserem Wetter sind hier sonst meistens neun Frauen dabei. „Bewegung draußen an der frischen Luft mit Gleichgesinnten", so erklärt die Trainerin das Konzept. Sie macht mit den Frauen am Weserradweg Übungen – ausgerichtet auf die Bedürfnisse des weiblichen Körpers nach der Schwangerschaft. „Das hier ist aber kein Ersatz für die Rückbildungsgymnastik", betont Luisa Weißbrich, die selbst vierfache Mutter ist. »Wir hören viele Kommentare« Den Nachwuchs in den Kinderwagen, die Wasserflasche, Expander und kleine Gewichte unten im Korb verstaut und los geht’s. Vor der Stadthalle wird sich erst einmal gründlich aufgewärmt, dann geht es über den Weserradweg Richtung Herstelle. An einem kleinen Hügel stoppt die „Laufmamalauf"-Gruppe. Hier kommen die Gummibänder mit Griffen zum Einsatz. Das erste Baby fängt an zu nörgeln. Aber hier ja jede dafür Verständnis. Zwischendurch mal ein Spielzeug, ein Fläschchen oder was zu Knabbern reichen, ist kein Problem. Anschließend geht es mit dem Buggy oder dem Kinderwagen mehrmals bergauf und bergab, damit der Kreislauf so richtig in Fahrt kommt. „Der Titel ,Laufmamalauf’ ist eigentlich missverständlich", erläutert Luisa Weißbrich. Bei ihr muss keine der Mütter laufen, außer sie möchte es. Trotzdem ist das Training wahrlich kein Zuckerschlecken. An der nächsten Station wird die Einheit hart: Mit einer Hand den Kinderwagen vorschieben, gleichzeitig ein Bein nach hinten wegstrecken. „Vier, dreieinhalb, drei, zweieinhalb, zwei" – Luisa Weißbrich spornt die Mamas an. „Wir wollen ja auch die Schwangerschafts-Kilos loswerden und wieder in Form kommen", lacht Astrid Voss. An einer nahe gelegenen Sitzbankgruppe kommen noch mehr Übungen für Bauch, Beine und Po. Und auf dem Rückweg laufen die Damen mit Gummibändern um den Knöcheln und sorgen bei Radfahrern und Spaziergängern für verwunderte Blicke. „Wir hören viele Kommentare", schmunzelt Luisa Weißbrich. Später müssen sich die Frauen beim Kinderwagen-Schieben gegenseitig überholen, ehe es zur letzten Einheit bei der Stadthalle geht. In der Gruppe macht Sport einfach mehr Spaß, alleine raffe ich mich nicht auf", sagt Helen Garcia Galindo, die mit Töchterchen Zoe Maria teilnimmt. Fitness-Trainerin Luisa Weißbrich bietet schon seit längerem spezielle Kurse für junge Mütter an. „Aber das waren nur Indoor-Angebote, bis ich auf ,Laufmamalauf’ stieß", sagt die Bauingenieurin. „Laufmamalauf" wurde 2010 in Berlin ins Leben gerufen, inzwischen gibt es 350 Stützpunkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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