Dem Sikawild wird nun ein sogenanntes Verbreitungsgebiet im Raum Beverungen zugestanden. - © FOTO: PRIVAT
Dem Sikawild wird nun ein sogenanntes Verbreitungsgebiet im Raum Beverungen zugestanden. | © FOTO: PRIVAT

Beverungen Bestandsschutz für das Sikawild

Proteste zeigen Wirkung: Düsseldorfer Ministerium ändert Gesetzentwurf

Torsten Wegener

Beverungen. Seit gut 100 Jahren zieht das Sikawild in den Beverunger Wäldern seine Kreise. Seine ursprüngliche Heimat ist Ostasien, doch das Sikawild hat sich perfekt an den Lebensraum angepasst. Doch die NRW-Landesregierung wollte das Sikawild zum Abschuss freigeben, weil es hier "biogeografisch nicht beheimatet" sei. Die Internationale Sikawild-Gemeinschaft (IGS), mit dem Vorsitzenden Carl-August Schübeler, sowie die heimischen Jäger waren entrüstet und liefen Sturm gegen das Vorhaben. Mit Erfolg. Zumindest für den Bereich im Kreis Höxter erhält das Sikawild Bestandsschutz. Nachdem der verabschiedete Gesetzentwurf zur Novellierung des Landesjagdgesetzes NRW öffentlich bekannt war, sah die IGS darin einen Persilschein zum Abschuss des gesamten Bestandes des Sikawildes. Denn die Novellierung sah vor, die Bewirtschaftungsgebiete, also die Gebiete, in denen nur eine bestimmte Anzahl Sikawild erlegt werden darf, aufzulösen. "Wir wussten, dass wir sofort handeln müssen, und haben dringend eine Gleichberechtigung von Rot-, Dam- und Sikawild gefordert", sagt der Beverunger Carl-August Schübeler, Präsident der Internationalen Sikawild-Gemeinschaft. "Für uns ist das Sikawild absolut schützenswert. Zumal das Vorkommen des Sikawildes zur Steigerung der Artenvielfalt beiträgt, weil sein Vorkommen keine anderen Tierarten in deren Populationsentwicklung negativ beeinträchtigt", erklärt der Beverunger Hans Barth, Vizepräsident der IGS. Es gebe somit überhaupt keinen Grund, das Sikawild anders zu behandeln, als das Rot- und Damwild. Zusammen mit den Stellungnahmen des Beverunger Rates, des Bürgermeisters Hubertus Grimm, des Landrates Friedhelm Spieker und mit über 4.000 Unterschriften von Bürgern, protestierte die IGS bei NRW-Umweltminister Johannes Remmel. "Wir bedanken uns für die konstruktive und sachliche Hilfe von Bürgermeister und Landrat sowie für die Unterschriften der Bevölkerung", betonte Schübeler. Denn der Protest zeigte Wirkung. Im neuen Referentenentwurf zum Jagdgesetz wird dem Sikawild ein Verbreitungsgebiet (vorher Bewirtschaftungsgebiet) zugestanden. Und als Verbreitungsgebiet für Sikawild wird das Gebiet Beverungen festgelegt. Damit sind die rund 100 Tiere erst einmal geschützt. Zudem unterliegt die Hege und die Bejagung des Sikawildes im Sikawildgebiet "Beverungen" nach dem neuen Jagdgesetz ab sofort in vollem Umfang der Sikahegegemeinschaft Weserbergland. Das bedeutet, dass die Hegegemeinschaft demnächst zuständig für die Hegeschau, die Ermittlung der Höhe des Wildbestandes, die Durchführung gemeinsamer Hegemaßnahmen, die Erfüllung der Abschusspläne sowie den Fütterungsstandorten zuständig ist. "Nun ist es wichtig, dass es ein vernünftiges Zusammenspiel zwischen dem Wild und der Waldnutzung gibt", sagt Beverungens Bürgermeister Hubertus Grimm. Es müsse eine vernünftige Koexistenz geben, mit der beide Seiten leben können. Die Forstwirtschaft und die Jäger. Ärgerlich ist für die IGS nur, dass für den Sikawildbestand in Arnsberg anscheinend andere Maßstäbe gelten. Dort leben über 1.000 Tiere. Es ist die größte Population in Deutschland. Doch für Arnsberg gibt es bisher kein ausgewiesenes Verbreitungsgebiet. "Daran müssen wir noch arbeiten", betont Schübeler. In Arnsberg wird das Sikawild vor allem für Verbissschäden verantwortlich gemacht. Insgesamt sei die Änderung des Gesetzesentwurfs aber schon einmal der richtig Weg, auch in Hinblick auf die Populationen in den anderen Bundesländern sowie in den europäischen Staaten, so Schübeler. Fünf Verbreitungsgebiete in Deutschland Das Sikawild ist in zehn europäischen Ländern und insgesamt auf vier Kontinenten vertreten. Das Wild ist sehr standorttreu. Neben den Populationen in den NRW-Wäldern bei Beverungen und Arnsberg gibt es in Deutschland aktuell noch zwei Vorkommen in Schleswig-Holstein und eine Population in Baden-Württemberg, direkt an der Grenze zur Schweiz. Die Internationale Gesellschaft Sikawild (IGS) wurde Anfang der 1980er Jahre gegründet und bemüht sich um die Erfassung der Sikawildbestände, um ihre Zoologie und um ihre Nutzung durch den Menschen.

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