Beverungen Jugendliche planen Schweigemarsch

Schülervertreter der Verbundschule erinnern an das Schicksal jüdischer Bürger im Nationalsozialismus

VON KATRIN CLEMENS
Schülervertreter und Zehntklässler der Verbundschule stellten am Gedenkstein für die ehemalige Synagoge Kerzen ab. Die 42 Lichter sollen an die ermordeten Juden aus Beverungen erinnern. - © FOTO: CLEMENS
Schülervertreter und Zehntklässler der Verbundschule stellten am Gedenkstein für die ehemalige Synagoge Kerzen ab. Die 42 Lichter sollen an die ermordeten Juden aus Beverungen erinnern. | © FOTO: CLEMENS

Beverungen. "Was würden wir heute tun?" - Diese Frage stellten die Schüler der Verbundschule in den Mittelpunkt der diesjährigen Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus. Sie wollten nicht nur erinnern, sondern vor allem zum Nachdenken über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen anregen.

An der Meyerfeldstraße, die nach einem jüdischen Bürger Beverungens benannt ist, erinnerten die Schüler an den Boykott jüdischer Geschäfte, die Ausschreitungen an der Synagoge und die Deportationen in Konzentrationslager.

Sie verlasen eine Liste mit den Namen aller 41 Beverunger, die in einem Konzentrationslager ums Leben kamen. Für jedes Opfer zündeten sie eine Kerze an, die sie anschließend in einem Schweigemarsch zum früheren Standort der Synagoge an der Langen Straße trugen.

Die Jugendlichen gedachten auch dem Schicksal einzelner Bürger, darunter der Kaufmann Leopold Rosenstein. Er wurde in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 von zwei Beverungern in die Weser geworfen und mehrfach untergetaucht. Einige Tage später wurde er ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert.

Am 27. Januar 1945 wurde das das Konzentrationslager Auschwitz befreit. 1996 erklärte der damalige Bundespräsident Roman Herzog den Tag zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Jedoch wollten die Beverunger Schüler nicht nur der Opfer zu gedenken, sondern auch die Zuhörer zum Nachdenken bringen. In ihre Vorträge streuten sie Fragen wie "Wenn heute wieder Minderheiten angefeindet werden, werden wir dann unsere Stimme dagegen erheben?". "Dieser kritische Aspekt war den Schülern sehr wichtig", sagt Lehrerin Annette Hennemann, die die Schüler während der Vorbereitungen unterstützt hat.

Die Planung für die Gedenkfeier übernahmen die Zehntklässler freiwillig. Sie recherchierten die Biografien einzelner Bürger, wählten Gedichte und Lieder aus. "Es ist wichtig, die Feier zu organisieren, damit die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät", sagt Zehntklässler Marvin Hodes.

Die Schüler engagieren sich gerne für die Planung, auch außerhalb der Unterrichtszeiten. Allerdings wünschen sich viele, eine begleitende Behandlung des Themas im Geschichtsunterricht, denn die Auseinandersetzung mit dem Holocaust steht erst später auf dem Lehrplan.

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