Aus der zehnten Jahrgangsstufe: Alle Beteiligten an der Ausstellung - © Torsten Wegener
Aus der zehnten Jahrgangsstufe: Alle Beteiligten an der Ausstellung | © Torsten Wegener

Beverungen Beverunger Schüler arbeiten dunkle Geschichte auf

Unter dem Titel „KZ-Gedenkstätte Buchenwald“ setzen sich Schüler der Sekundarschule mit den Verbrechen im Konzentrationslager auseinander

Torsten Wegener

Beverungen. Gedenkstätten sind bedeutende Orte des Erinnerns. Gleichzeitig sind sie wichtige Orte der Informationsvermittlung. Welchen nachhaltigen Eindruck der dreitägige Aufenthalt in der Gedenkstätte Buchenwald bei den Beverunger Sekundarschülern der zehnten Jahrgangsstufe hinterlassen hat, zeigen sie in ihrer eigenen Ausstellung „KZ-Gedenkstätte Buchenwald“. Im Rahmen des fächerübergreifenden Projekts „Nationalsozialismus“ haben die Abschlussklassen der Sekundarschule Beverungen drei Tage die KZ-Gedenkstätte Buchenwald besucht. Die Internationale Jugendbegegnungsstätte bietet angemeldeten Gruppen umfangreiche Möglichkeiten zur intensiven Auseinandersetzung mit der Geschichte Buchenwalds. Die Schülerinnen und Schüler haben sich in Arbeitsgruppen mit diesem Besuch auseinandergesetzt und die sehenswerten Ergebnisse in einer kleinen Ausstellung im Foyer der Sekundarschule dokumentiert. Bei der Eröffnung der Ausstellung wies Schulleiter Klaus Oppermann auf die Verpflichtung der heutigen Generation hin, die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten gegen die Menschlichkeit wachzuhalten und selbst „Zeuge“ zu werden. Ein zu viel an Gedenken könne es nicht geben, so der Schulleiter. Neben einem Modell der noch vorhandenen Gebäude des KZ Buchenwald stellten die Schüler auch das wuchtige Lagertor in künstlerischer Form nach, mit der berüchtigten Inschrift „Jedem das Seine“. Die Schüler wiesen darauf hin, dass der Spruch ursprünglich anders gemeint war, bei den Nazis aber bedeutete „Hier bekommt ihr, was ihr verdient – Elend und Tod.“ Mit großer Sorgfalt und dem Gespür für neue Aspekte haben die Gruppen zudem die Themenplakate erarbeitet. So wurde der Alltag im KZ von Melinda Rutko und Lina Schild nachgezeichnet: Appell, Essensausgabe, Arbeit, Krankheiten, Terror der SS. Hunger, Schläge und Folter waren an der Tagesordnung. Dominik Pape und Niko Robrecht beschreiben die harte Arbeit im Steinbruch: „Die Arbeiter sind bereits nach wenigen Monaten gestorben“. Joline Hüske, Leonie Schulz und Jasmin Hartmann beschäftigten sich mit dem Pferdestall, der als medizinische Anstalt getarnt, eigentlich aber eine brutale Tötungsanstalt war. Dort geschah der größte Massenmord innerhalb des Konzentrationslagers. Celine Babbel und Viktoria Böker berichteten über das Leben der Kinder und Jugendlichen im Lager, „Menschen in unserem Alter“. Carla Schulze und Roxanne Vössing haben sich mit einem lange Zeit tabuisierten Thema beschäftigt: die erzwungene Prostitution weiblicher KZ-Häftlinge. Die Einrichtung der Lager-Bordelle ging auf einen Befehl von SS-Chef Heinrich Himmler zurück, der darin eine Chance sah, die Produktivität der zwangsarbeitenden KZ-Häftlinge zu steigern. Das System war Teil der perfiden Strategie zur Erniedrigung der Lagerinsassen. Die Frauen mussten nicht den SS-Angehörigen zu Diensten sein, ihre „Freier“ waren Häftlinge. Zwei Mark hatten sie für den Besuch im Bordell zu bezahlen, der schriftlich beantragt werden musste. Formell waren die Sexdienste Teil eines Prämiensystems, dass die SS nur bestimmten Häftlingen gewährte, in Wahrheit aber ging es wie stets vor allem um die Erniedrigung der KZ-Insassen. Jedes Jahr fährt die zehnte Jahrgangsstufe der Sekundarschule Beverungen zur KZ-Gedenkstätte Buchenwald. Der dreitägige Aufenthalt vor Ort ist jedes Jahr aufs Neue eine Annäherung an das Unfassbare. „Geschichte erleben, verstehen und nachvollziehend empfinden, ist der pädagogisch wertvollste Weg, Schülern die Zeit des Nationalsozialismus zu veranschaulichen“, sagte Schulleiter Klaus Oppermann zum Projekt und bedankte sich abschließend bei den Lehrern Anita Bollmann, Eberhard Gäse, Thorsten Hölting und Maria Schmidtke für die Themenvorbereitung im Unterricht sowie bei Judith Gockeln als Verantwortliche für die Gedenkstättenfahrt.

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