Station in Lugano: 42 Tage waren Karl-Erich Wessler (l.) und Herbert Stammeier allein mit dem Rad unterwegs. - © Wessler
Station in Lugano: 42 Tage waren Karl-Erich Wessler (l.) und Herbert Stammeier allein mit dem Rad unterwegs. | © Wessler

Beverungen Wehrdener fährt mit dem Rad durch sechs Länder

Tour mit Kultur: Karl-Erich Wessler aus Wehrden und Herbert Stammeier aus Barntrup sind von ihrer Fahrt nach Sardinien zurück

Simone Flörke

Wehrden. Sechs Länder in 42 Tagen auf dem Rad. 5.110 Kilometer unter den schmalen Reifen und 34.500 bewältigte Höhenmetern: Die Leistung von Karl-Erich Wessler aus Wehrden und seines Rad-Kollegen Herbert Stammeier aus Barntrup sei „recht ambitioniert" gewesen, wie der 66-jährige Wessler selbst schmunzelnd zugibt. Einmal Sardinien und zurück: „Ein Traum wurde wahr", sagt der Wehrdener nun nach der Rückkehr an die Weser. Durchschnittlich 120 Kilometer und 800 Höhenmeter täglich bewältigten die beiden Radsportler auf ihrer Tour mit Kultur zu Landschaften und Menschen. „Man lernt die Welt aus einer völlig anderen Perspektive kennen", weiß der ehemalige Projektmanager, heute im Ruhestand. Er ist sportlich aktiv seit seinem zehnten Lebensjahr, hat Leistungssport betrieben und im Alter von 40 Jahren noch in der Regionalliga in Bielefeld Tennis gespielt. „Ich möchte nicht irgendwann auf dem Sofa liegen und bedauernd zurückdenken: Hättest Du das mal gemacht", so beschreibt er seinen Antrieb. Also brach er schon 2015 per Rad nach Mallorca auf, wo seine Tochter einen Urlauber-Club leitet, um sie zu besuchen. 2016 ging’s 4.100 Kilometer nach Portugal und zurück. 2017 schafften sie bei einer Kuba-Rundfahrt 2.800 Kilometer. Seine Frau hat Verständnis für sein Fernweh „Einmal im Jahr ’was Großes", sagt er. Nun also Sardinien. Insgesamt sogar 58 Tage lang war Wessler unterwegs – denn mittendrin besuchte ihn die Familie zum gemeinsamen Urlaub. Für den 66-Jährigen ist es ganz wichtig, die Familie auf diese Weise an seinen Touren teilnehmen zu lassen – wenn sie sonst während der übrigen Zeit auf ihn verzichten müssen. Seine Frau Elke habe „sehr viel Verständnis" für sein Fernweh auf zwei Rädern. Die zuvor ausgearbeitete Route nach Sardinien führte Wessler und Stammeier von Villach über Venedig, Rimini, San Marino und Bari zum südlichsten Punkt des italienischen Festlandes in die Reggio di Calabria. Von dort ging es dann per Fähre durch die Straße von Messina nach Sizilien. Wessler ist begeistert: „Eine traumhaft schöne Strecke entlang der Küste führte über Taormina zum Ätna und weiter über Cartania, Siracusa und Agrigent nach Trapani." Über den Monte Erice erreichten sie dann nach 2.650 Kilometern das Zwischenziel Palermo, die Metropole Siziliens. „Dort blieb fast ein ganzer Tag, um die traumhafte Stadt zu besichtigen", so Wessler. Bevor die Tour mit einer zwölfstündigen Fährfahrt nach Cagliari, der Hauptstadt Siziliens, weiterging. Dort hatten die Radsportler ihren Familienurlaub eingeplant, bei dem sie die „traumhaft schöne Insel" gemeinsam erkundeten. Vorbei an Traumstränden und schroffen Berglandschaften Anschließend wurde Kurs Nord angelegt über die gesamte Insel. „Vorbei an Traumstränden und schroffen Berglandschaften", so der Wehrdener. Nach drei Tagen stand die Überfahrt mit der Fähre nach Bonifacio auf Korsika an. Aufgrund des zweitägigen Dauerregens sahen die beiden Sportler jedoch nur wenig von der französischen Insel. Zurück auf dem Festland war über Livorno dann Pisa ihr Ziel: „Der schiefe Turm musste sein", erzählt Wessler lächelnd. Mit Begeisterung spricht er von dem italienischen Weltkulturerbe Cinque Terre als einem Höhepunkt der gesamten Tour. „Fünf Bergdörfer, gebaut an unglaublich steilen Abhängen, ließen unseren Atem stocken und bleiben sicherlich unvergesslich. Wahnsinn." Anschließend hätten sie wieder die Zivilisation erreicht: Mit Genua und Mailand standen Stadtbesichtigungen auf ihrem Tourplan. Eine Bahnfahrt über den Gotthard und Basel in der Schweiz, dann ging es auf der französischen Rheinseite nach Strasbourg. Wessler: „Der Kilometerzähler stand jetzt bei 4.390. Nun wurde es einfacher. Ohne Navigationsgerät und Karten" führte sie der Radweg immer längs des Rheines via Worms und Speyer nach Bingen am Rhein, durch das Obere Mittelrheintal – auch Welterbe – via Bonn, Köln und Düsseldorf bis Duisburg und dann über den Ruhrtalradweg Richtung Heimat. In Paderborn verabschiedeten sich die beiden Radsportler. Für Wessler waren die letzten Kilometer bis Beverungen „eher ein Ausrollen", sagt er. Und freut sich schon auf 2019: Denn es gebe noch so viele schöne Orte, die er mit dem Rad erfahren könne, sagt der 66-Jährige und sucht schon konkrete Ziele. „Vielleicht Griechenland? Oder nochmals Kuba in Verbindung mit Florida? Ich brauche was für die bei uns kalten Wintermonate. Wo’s warm ist." Und dann fällt ihm noch ein Land ein, das er noch von seinem Job her kennt. Und seine Augen leuchten: „Vietnam. Ein tolles Land!"

realisiert durch evolver group