Frauen der ersten Stunde: Christiane Klare (l.) und Elke Stieghorst hatten die beiden ersten weiblichen Beverunger Stadtratsmitglieder eingeladen - Edeltraut Heistermann (SPD, l.) und Adele Hachemeyer (CDU). - © Manuela Puls
Frauen der ersten Stunde: Christiane Klare (l.) und Elke Stieghorst hatten die beiden ersten weiblichen Beverunger Stadtratsmitglieder eingeladen - Edeltraut Heistermann (SPD, l.) und Adele Hachemeyer (CDU). | © Manuela Puls

Beverungen 70 Frauen beim Internationalen Frauenbrunch in Beverungen

Das Thema ist 100 Jahre Frauenwahlrecht

Manuela Puls

Beverungen. Einen Appell für mehr politische Beteiligung von Frauen gab es beim internationalen Frauenbrunch am Samstag in Beverungen. "Geht wählen und lasst Euch wählen", riefen die Organisatorinnen Elke Stieghorst und Christiane Klare den 70 Frauen in der Mensa der Sekundarschule zu. Der gesamte Vormittag drehte sich um das Thema Frauenwahlrecht, das es in Deutschland seit genau 100 Jahren gibt und seinerzeit hart erkämpft werden musste. Eingeführt wurde das Stimmrecht für Frauen im November 1918. Wie Frauen damals lebten, daran erinnerte Christel Engemann gleich zu Beginn. "Die Frau war nur schmückendes Beiwerk für den Mann, der über ihr Dasein komplett bestimmen konnte". Ohne seine Erlaubnis durften Frauen weder arbeiten noch ein eigenes Bankkonto haben. »Von 32 Ratsmitgliedern in Beverungen sind nur fünf Frauen« Lehrerinnen mussten sogar zölibatär leben. "Wer heiratete, dem wurde gekündigt", erzählte Christel Engemann. Überhaupt wurde Berufstätigkeit bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts nur als Zwischenlösung für die Frau gesehen, ihr Hauptaufgabenbereich lag im Haushalt, auf dem Feld, im Garten, in der Kindererziehung und Altenpflege. "Das war kein schönes Dasein für die Frau", ist sich Christel Engemann sicher. "Frauen waren früher nur das Anhängsel ihres Mannes ohne eigene Rechte", betonte auch Elke Stieghorst in ihrer Begrüßung. Zuhause hocken und sich das Leben von den Männern vorschreiben lassen, heute zum Glück eine undenkbare Vorstellung. Aber von der völligen Gleichberechtigung sei die Gesellschaft immer noch weit entfernt. "Von 32 Ratsmitgliedern in Beverungen sind nur fünf Frauen", mahnte Christiane Klare. Dem stimmte auch Roger van Heynsbergen als stellvertretender Bürgermeister vollkommen zu: "Noch sind alle politischen Gremien im Kreis Höxter Männerdomänen". Der SPD-Politiker bekannte sich als Verfechter der Frauenquote für Spitzenposten in der Wirtschaft. "Die Unternehmen bewegen sich in diesem Punkt wie ein Faultier - im Zeitlupentempo", so der stellvertretende Bürgermeister weiter. Das Ehegattensplitting unterstütze die Rolle des Mannes als Hauptverdiener. Und angesichts der "Me too"-Debatte meinte van Heynsbergen, dass sexuelle Belästigung nicht geduldet werden dürfe. Im Anschluss befragten Elke Stieghorst und Christiane Klare mit Edeltraut Heistermann (SPD) und Adele Hachemeyer (CDU) zwei Beverunger Ratsfrauen der ersten Stunde. Sie hatten dem Beverunger Rat von 1975 an angehört. Wer wollte, konnte sich beim internationalen Brunch mit seinem Statement zum Frauenwahlrecht fotografieren lassen. "Es ist mir wichtig, weil Frauenthemen in Politik und Gesellschaft Berücksichtigung finden sollen", schrieb zum Beispiel Doris Fleckner aus Drenke auf.

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