Mit Haube und Kittel: In der Käserei gelten für Anja Wolff und ihre Helferinnen strenge Hygienevorschriften. - © Manuela Puls
Mit Haube und Kittel: In der Käserei gelten für Anja Wolff und ihre Helferinnen strenge Hygienevorschriften. | © Manuela Puls

Jakobsberg Schafskäse made in Jakobsberg

Hof auf der Höhe: Frank Böhner und Anja Wolff stellen seit drei Jahren cremigen Frischkäse aus Schafsmilch her. Wöchentlich werden bis zu 500 Liter Milch verarbeitet

Manuela Puls

Jakobsberg. Die Milchhandwerker aus Jakobsberg sind auf Expansionskurs: Schon seit drei Jahren machen Frank Böhner und Anja Wolff erfolgreich Schafsfrischkäse in Bio-Qualität. Inzwischen ist ihre Herde schon ordentlich auf 220 Tiere angewachsenen, und für die Käserei wurden zwei Mitarbeiterinnen in Teilzeit eingestellt. „Wir verarbeiten bis zu 500 Liter Milch pro Woche ", sagt Anja Wolff. Frischkäse ist ein Sauermilchkäse, für den die Milch einen Tag lang stehen muss. Anschließend wird die Masse ins Tuch geschöpft und tropft über Nacht im Quarksack ab. Am nächsten Tag machen Anja Wolff und ihre beiden Mitarbeiterinnen daraus Schafsfrischkäse, Tausende kleine Gläschen verlassen im Lieferwagen den Hof. Den gibt es in den Geschmacksrichtungen Dattel/Curry, Kräuter/Knoblauch, Maulbeere/Zedernuss und Paprika/Chili. „Schafsmilch enthält mehr Fett und Eiweiß als Kuhmilch, deswegen ist sie besonders rahmig und gesund", erklärt die Jakobsbergerin. Verkauft werden die cremigen Produkte unter witzigen Namen wie „Mara das Schaf" oder „Kurt das Schaf". »Wir wurden damals schon für verrückt erklärt« Die Milchhandwerker vom etwas außerhalb gelegenen Hof auf der Höhe beliefern mit ihrem Käse nur den Großhandel. Einen Hofladen oder einen Stand auf den Wochenmärkten haben sie nicht. „Wir haben uns auf Fachmessen bekannt gemacht und inzwischen gibt es unseren Käse bundesweit in Bio- und Naturkostläden", berichtet die 37-Jährige. Hier in der Region ist der Jakobsberger Schafsfrischkäse übrigens in den Bioläden in Warburg, Höxter, Beverungen, Bielefeld und Paderborn zu haben. Der Verzicht auf Direktvermarktung war eine bewusste Entscheidung: „Wir besetzen eine Nische, für einen Hofladen bräuchten wir eine große Stadt von der Tür und für den Wochenmarkt ist unser Sortiment zu klein", meint die studierte Kulturwissenschaftlerin, die Frank Böhner bei einem Käseseminar kennenlernte. 220 Schafe im Offenstall Der war seinerzeit schon mit der Ankündigung vom Gymnasium gegangen, er wolle Schafe melken. Später als Landwirtschaftsmeister machte der heute 35-Jährige Ernst: Er übernahm den elterlichen Schweinemastbetrieb und schaffte französische Lacaune-Schafe an. „Wir wurden damals schon für verrückt erklärt", lacht Anja Wolff. Aber die beiden ließen sich nicht beirren, bauten einen Stall und ein Haus samt Käserei. Ihren Betrieb führen sie nach den strengen Demeter-Richtlinien. So werden die Lämmer nur mit Muttermilch aufgezogen und die Schwänze dürfen nicht kupiert werden. Die 220 Schafe leben im Offenstall mit viel Auslauf und fressen auf den saftigen Muschelkalk-Wiesen rings um den Hof. Darüber hinaus bauen die Milchhandwerker Futter für den Winter auf weiter entfernt gelegenen Flächen an. Die drei Kinder von Anja Wolff und Frank Böhner (fünf, sieben und zwölf Jahre alt) wachsen natürlich mit den blökenden und wolligen Mitarbeitern auf.

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