Symbolik: Auf dem Kellerplatz vor dem Rathaus skizzierte die Schülervertretung der Sekundarschule das Schicksal der 80 jüdischen Mitbürger während der Nazizeit von 1933 bis 1945 , dargestellt mit 80 Figuren. Bilder auf der Leinwand unterstützten das Gesprochene. Hier ist gerade ein Aufmarsch der Nationalsozialisten auf dem Platz vor dem Rathaus zu sehen. FotoS: Torsten Wegener - © Torsten Wegener
Symbolik: Auf dem Kellerplatz vor dem Rathaus skizzierte die Schülervertretung der Sekundarschule das Schicksal der 80 jüdischen Mitbürger während der Nazizeit von 1933 bis 1945 , dargestellt mit 80 Figuren. Bilder auf der Leinwand unterstützten das Gesprochene. Hier ist gerade ein Aufmarsch der Nationalsozialisten auf dem Platz vor dem Rathaus zu sehen. FotoS: Torsten Wegener | © Torsten Wegener

Beverungen Beverunger Sekundarschüler erinnern an das Schicksal der Juden während der NS-Zeit

Gedenkfeier vor dem Rathaus

Torsten Wegener

Beverungen. 80 Holzfiguren sind auf einem Tisch vor dem Beverunger Rathaus aufgestellt. Sie stehen für die 80 jüdischen Mitbürger, die 1933 in Beverungen lebten, zum Zeitpunkt der Machtergreifung der Nationalsozialisten in der Weimarer Republik. Die nationalsozialistische Politik hinterließ auch im beschaulichen Beverungen gravierende Spuren für die jüdische Bevölkerung. Nach und nach mussten die Figuren vom Tisch genommen werden, denn die Mitbürger flohen ins Exil. Doch 41 Figuren mussten durch Kerzen ersetzt werden, denn so viele Judenüberlebten den Holocaust. nicht. Und nur eine Figur kam zurück auf den Tisch, denn mit Leopold Rosenstein setzte nur ein jüdischer Mitbürger sein Leben nach dem Kriegsende direkt in Beverungen fort. Seit 17 Jahren erinnert die Sekundarschule Beverungen (vorher Realschule) anlässlich des bundesweiten Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus mit einer öffentlichen Veranstaltung an die Schicksale der Beverunger Juden. Die Schülervertretung der Sekundarschule erinnert mit biografischen Skizzen an das Leid. Dabei setzen die Schülerinnen und Schüler in Zusammenarbeit mit der SV-Lehrerin Annette Hennemann immer wieder einen neuen Themenschwerpunkt. Die Recherche wird natürlich immer schwieriger, um neue Ansätze zu finden. Das wird für die nächsten Jahre sicherlich eine Herausforderung“, sagt Hennemann. Neben der Idee mit den Figuren, die nach und nach vom Tisch verschwanden, setzten die Schüler diesmal den Schwerpunkt auf die zahlreichen jüdischen Geschäfte, die es 1933 in Beverungen gab. Neben zwei großen Holzfabriken mit rund 250 Arbeitsplätzen gab es Metzgereien, Textilgeschäfte, Manufakturwarengeschäfte, Getreidehandlungen sowie eine Fellhandlung und einen Gemischtwarenladen. Doch der der vom NS-Regime befohlene Boykott jüdischer Geschäfte gefährdete sehr schnell das Fortbestehen. Um den Druck zusätzlich zu erhöhen, stellten die Nazis die Mitbürger, die zunächst weiter bei den jüdischen Geschäftsleuten einkauften, in einem sogenannten „Stürmerkasten“ öffentlich an den Pranger. Durch die antijüdische Politik wanderten bis 1938 bereits 24 jüdische Mitbürger aus. Im Januar 1939 wurden sie endgültig ihrer wirtschaftlichen Existenz beraubt, als ihre Geschäfte enteignet wurden. Um der zunehmenden Gefahr zu entrinnen, verließen bis zum Oktober 1941 weitere zwölf jüdische Mitbürger Beverungen, dann gab es das Ausreiseverbot. Die 44 verbleibenden Juden waren der grausamer Willkür der Nationalsozialisten ausgesetzt. 41 von ihnen starben in den Konzentrationslagern. Für sie wurden 41 Kerzen angezündet. Nur drei überlebten die Gräueltaten und kehrten zurück, aber nur Leopold Rosenstein setzte sein Leben in Beverungen fort. Er starb 1961. „In kürzester Zeit ist das jüdische Leben in Beverungen fast vollständig ausgelöscht worden“, sagten die Schülerinnen. Die Auseinandersetzung mit den Schreckenstaten der Nationalsozialisten in Beverungen mache deutlich, dass auch die Menschen in einer Kleinstadt Verantwortung für Demokratie, Frieden und Menschenrechte tragen. Die Schülervertretung beendete die Gedenkveranstaltung mit dem Lied von Reinhard Mey „Was keiner wagt, das sollt ihr sagen“.

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