Der Rautenpullunder als Markenzeichen: Der Dresdner Comedian Olaf Schubert. - © Burkhard Battran
Der Rautenpullunder als Markenzeichen: Der Dresdner Comedian Olaf Schubert. | © Burkhard Battran

Beverungen Olaf Schubert begeistert 750 Comedy-Fans in Beverungen

Der Meister der ironischen Brechung präsentiert sich nebenbei als formidabler Musiker

Burkhard Battran

Beverungen. „Wir kommen wieder, wir kommen in jedem Fall und Herr Stephan ist mit dabei und nur Jochen ist der Wackelkandidat", sang Comedian Olaf Schubert (50) zum Abschluss seiner zweieinhalbstündigen Kabarett-Musikshow am Mittwochabend vor fast 750 Zuhörern in der Beverunger Stadthalle. Hoffentlich dauert es nicht wieder sieben Jahre. Im Mai 2011 hatte Schubert sein Debüt bei der Beverunger Kulturgemeinschaft gegeben. Damals waren es gerade mal 250 Besucher. Damals war Schubert noch Geheimtipp, hatte gerade den Deutschen Kleinkunstpreis bekommen und verblüffte die Fernsehnation mit seinen skurrilen Wortverdrehungen. Heute gehört der Dresdner Comedian, der in Wirklichkeit Michael Haubold heißt, zur ersten Garde der deutschen Kabarettzunft. Er ist der unangefochtene Meister der Kunst der ironischen Brechung. „Da musst du erst mal drauf kommen", ist der wohl am häufigsten gesagte Satz über Olaf Schubert. Man kann ihm irgendein populäres Schlagwort hinwerfen und er macht was Schräges draus. Flüchtlingskrise: „Wer die Mohren ins Land holt, muss auch für ausreichend Sonne sorgen." Kopftuchverbot: „Verschleierung ist für eine Frau diskriminierend, aber man muss auch berücksichtigen, dass der islamische Mann wegen des Alkoholverbots sich seine Frau nicht schöntrinken darf." Waffenbesitz: „Waffengewalt führt zu nichts, ein Lied kann mitunter viel mehr anrichten." Und das ist der Punkt, an dem sich der Bühnen-Olaf vom Fernseh-Olaf unterscheidet. Auf der Bühne ist Olaf Schubert vor allem Sänger und Musiker und auch in seinem aktuellen Programm „Sexy Forever" nahmen neue Songs einen maßgeblichen Teil ein, bei denen sich Schubert erneut von seinen langjährigen Bühnenmusikern Bert Stephan (57) am Bass und Gitarrist Jochen Barkas (48) begleiten ließ. Seinen Durchbruch im Westen hatte Schubert 2008 mit dem Album „Meine Kämpfe". Im Osten kennt man den Dresdner seit Mitte der 90er Jahre – und zwar als Liedermacher. Seit damals bezeichnet er sich selbst als „Betroffenheitslyriker". Und auch das war bereits eine ironische Brechung, denn der Mann mit dem Rautenpullunder als Markenzeichen ist damals angetreten, die typische, ostdeutsche, kirchentagstriefende Betroffenheitspoesie ad absurdum zu führen. „Ist es dir egal, wenn die Welt am seidenen Faden hängt, ist es dir egal, wenn das Hauslicht auch bei Tage brennt", sang Schubert sich selbst auf der Gitarre begleitend in dem Lied „Zeit für Rebellen" seines 1995er Plattendebüts „Hier bin ich". Tatsächlich kann Olaf Schubert nämlich richtig gut Gitarre spielen und auch singen – auch wenn er gerne den Anschein erweckt, weder das eine noch das andere zu können. Darum lohnt es sich, im aktuellen Programm unbedingt bis zum Ende zu bleiben, denn Olaf Schubert kann nicht nur Gitarre, er kann auch richtig gut Schlagzeug. Und zur Zugabe setzte sich Olaf Schubert auch in Beverungen an die Schießbude und ließ es richtig abrocken mit einem Song, der dazu animieren sollte, die Geburtenrate wieder in die Höhe schießen zu lassen: „Zeugt, ich bitte euch zeugt, was du kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen."

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