Sticker statt Krone: Das ist weniger peinlich, finden die großen Sternsinger Nicole (14, l.) und Annika (15). - © Manuela Puls
Sticker statt Krone: Das ist weniger peinlich, finden die großen Sternsinger Nicole (14, l.) und Annika (15). | © Manuela Puls

Kreis Höxter Unterwegs mit den Sternsingern von Haus zu Haus

Kinder und Jugendliche sammeln wie viele andere Kinder und Jugendliche an diesem Wochenende Geld für Kinder in Indien, die schon hart arbeiten müssen

Manuela Puls

Kreis Höxter. Eisiger Wind und Regentropfen schlagen den Sternsingern ins Gesicht, die sich in Tietelsen und Rothe auf den Weg machen. Die Umhänge sind schon klamm, Finger und Nasen kalt. Trotzdem ist die Stimmung gut bei Nora und den anderen drei Mädchen: „Ich finde das Sternsingen immer ganz schön", sagt die Neunjährige. Mit der Spendendose zieht die Gruppe von Haus zu Haus und sammelt Geld. Diesmal für Kinder in Indien, die hart arbeiten müssen, damit ihre Familien überleben können. Davon haben die Sternsinger beim Vorbereitungstreffen ein paar Tage zuvor gehört. Und das hat sie beeindruckt: „Wir möchten den Kindern helfen, die nicht so viel Geld haben wie wir in Deutschland", sagt Nora. Auch Hanna findet es traurig, dass Gleichaltrige in Indien nicht zur Schule gehen und fast nie mit Freunden spielen können. Dann drückt Marie auf den nächsten Klingelknopf. Kreide ist eher out, ebenso wie Schminke für Balthasar Fast überall werden die Sternsinger schon erwartet und freundlich empfangen. Die Kinder sagen den Haussegenstext auf: „So bitten wir, ihr lieben Leut’: Helft mit, die Welt zu ändern, dass Kinder gleiche Chancen hab’n, hier und in allen Ländern." Zum Schluss schreiben die Sternsinger mit Kreide „C + M + B + 2018" an die Tür. Auf Wunsch gibt es Aufkleber mit der gleichen Aufschrift. „Die wollen die meisten Leute", erklärt Melina. Kreide ist eher out, ebenso wie die braune Schminke für Balthasar. Wieder wandert ein Schein in die Dose. Dazu gibt es Süßes für die Sternsinger. Manche Dorfbewohner bitten die Könige auf einen heißen Kakao oder Tee herein. Aufwärmen zwischendurch tut gut. Der eine oder andere erkennt in den Kostümen die ausrangierten Wohnzimmer-Gardinen wieder. Die wurden von Helfern zu Königsgewändern umgenäht. Eine Gruppe älterer Mädchen wird mit dem Auto zu den entlegenen Bauernhöfen gefahren. Die Großen tragen Krone-Sticker auf den Mützen. Diese Kopfbedeckung finden sie weniger peinlich als goldene Kronen, Turbane oder weiße Tücher. Manche sind schon 15 Jahre alt, aber immer noch dabei. Insgesamt 25 Kinder und Jugendliche bringen an diesem Vormittag den Segen in alle Häuser der beiden kleinen Höhendörfer mit zusammen nur etwa 350 Einwohnern. „Alle, die wir eingeladen haben, sind gekommen", sagt Organisatorin Stephanie Sievers. Ihr ist die Sternsinger-Aktion ans Herz gewachsen: „Es ist ein tolles Erlebnis für die Kinder, dass sie gemeinsam durch ihren Einsatz so viel Gutes tun können", sagt sie. Mittags werden in der Sakristei die Spendendosen ausgeleert. Die Süßigkeiten teilen die Sternsinger selbst untereinander auf – ganz gerecht muss es dabei zugehen. Manchmal bekommen die Kinder zum Dank auch ein paar Euro von den Leuten. „Die behalten wir aber nicht, die stecken wir mit in die Spendendose", schlägt Elise vor. Die Hälfte der Sternsinger folgt ihrem Beispiel. Fast 1.400 Euro kommen an diesem Tag in Tietelsen und Rothe für den guten Zweck zusammen. Und 25 Kinder und Jugendliche gehen zufrieden nach Hause. Sie sind stolz auf sich. Das dürfen sie auch sein. NW-Fotoaktion Die NW sucht Sternsinger-Fotos: Schicken Sie sie mit Namen und einigen Zeilen zur Aktion an: hoexter@nw.de

realisiert durch evolver group